20
Februar
2018
Schweden_Schulsozialarbeit_blau_kleiner

Eine Reise in den hohen Norden

Bildungsreise nach Malmö

CIMG0237 Im Herbst 2011 reiste eine 15-köpfige Gruppe aus SchulsozialarbeiterInnen von ISOP und Caritas sowie Schulpsychologinnen aus Steiermark und Kärnten nach Malmö in Schweden. Dort hatten wir vier Tage volles Programm, da wir uns einen umfassenden Überblick über und Einblick in das schwedische Schulsystem und die schulischen Unterstützungssysteme verschaffen wollten.

Bereits in den 40er Jahren wurde in Schweden festgestellt, dass „…das ultimative Ziel der Schule nicht Wissensvermittlung sein sollte, sondern Erziehung im weitesten und tiefsten Sinne.“ Deshalb ist dort Schulsozialarbeit bereits seit den 1950er Jahren flächendeckend eingerichtet und gesetzlich verankert: Jedes Kind muss Zugang zu den schulischen Unterstützungssystemen, also Schulsozialarbeit, SchulärztInnen, PsychologInnen, SpezialpädagogInnen und Schulkrankenschwestern haben. Das ermöglicht auch den ganzheitlichen Ansatz, für den eine wertschätzende Grundhaltung der Schulen und ihrer Beteiligten die Basis bildet.

Einsätze sollen stattfinden bevor es brennt bzw. das Problem schwerwiegende Konsequenzen hat. Die Schule ist für die SchülerInnen da, d.h. die Schule soll sich an die Bedürfnisse des Kindes anpassen, anstatt die SchülerInnen verändern zu wollen. An jeder Schule gibt es daher mindestens eine/n SchulsozialarbeiterIn, was Schulsozialarbeit für die Kinder zum selbstverständlichen Teil ihres Alltags macht – für uns damals noch ein bisschen unglaublich. Mittlerweile, ein paar Jahre nach dieser Reise, ist Schulsozialarbeit auch in der Steiermark und in Österreich weiter verbreitet und dort, wo es uns schon länger gibt, fast schon genauso selbstverständlich – unsere kontinuierliche Arbeit trägt also Früchte!

Für uns war natürlich besonders der direkte Vergleich von Schulsozialarbeit hier und dort interessant. Das Konzept der ISOP-Schulsozialarbeit ist sehr stark von der schwedischen Schulsozialarbeit inspiriert, weshalb wir bei allen Unterschieden auch viele Gemeinsamkeiten in der Art zu arbeiten feststellen konnten. Das ist etwas, worauf wir – glauben wir jedenfalls – stolz sein dürfen. In vergleichsweise kurzer Zeit haben wir es geschafft, gute Qualität auf die Beine zu stellen!

CIMG0333Natürlich haben wir von unserer Reise neben für uns spannenden Eindrücken auch einige Ideen für die Arbeit zuhause mitgebracht. Obwohl die Reise mittlerweile viele Jahre her ist, ist ihr Mehrwert weiterhin spürbar. Zusätzlich zu der engeren Kooperation Schulpsychologie-Schulsozialarbeit, die sich durch den regen Austausch über mehrere intensive Tage und die gemeinsamen Erlebnisse vertieft hat, hat sie uns einen neuen und kritischeren Blick auf das eigene Schul- und Unterstützungssystem geöffnet. Durch die Bildungsreise haben alle TeilnehmerInnen ein größeres Verständnis für Schulsozialarbeit insgesamt entwickelt und nicht nur dafür, was Schulsozialarbeit leisten kann, sondern auch dafür, wie eine Kooperation zwischen den schulischen Unterstützungssystemen aussehen könnte.

Ein „Produkt“ waren die Vorträge zum schwedischen Bildungs- und Unterstützungssystem, die wir nach der Reise hielten und durch die wir unsere Erkenntnisse mit anderen teilen konnten. Für die Arbeit an den Schulen haben wir uns von unseren schwedischen KollegInnen die „Übung der Woche“ abgeschaut, d.h. eine Übung zum sozialen Lernen, die von uns so aufbereitet wird, dass die LehrerInnen sie leicht und ohne viel Vorbereitung in den Klassen durchführen können. In vielen der von ISOP-Schulsozialarbeit betreuten Schulen gibt es jetzt solche Übungen. Vielleicht weit spannender haben wir aus Schweden auch die Anregung zur Schaffung von Schulgesundheitsteams mitgenommen: Schulische Unterstützungssysteme sowie die Direktion der jeweiligen Schule treffen sich, um fallunspezifisch Themen und Ideen zu diskutieren, die die ganze Schule betreffen, wobei der Fokus auf dem Wohlbefinden des einzelnen Kindes (aber natürlich auch der LehrerInnen) liegt. Diese Teams gibt es seit etwa 2012 an vielen der von uns betreuten Schulen und, trotz anfangs zum Teil vorhandener Skepsis, wollen die TeilnehmerInnen es mittlerweile nicht mehr missen.

Schulsozialarbeit in Schweden seit fast 80 Jahren, ISOP-Schulsozialarbeit seit 20 Jahren und man sieht hier wie dort: Kontinuität macht sich bezahlt!

Und vielleicht machen wir ja bald wieder so eine Reise und holen uns neue Ideen für die nächsten 20 Jahre?!

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30
Januar
2018

Der Fingerabdruck der Schulsozialarbeit

Vor einigen Jahren haben wir ein Schulsozialarbeitswordcloud gemacht. Sie sieht aus wie ein Fingerabdruck, finden Sie nicht? Eine passende Symbolik. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass die SchulsozialarbeiterInnen in den Leben der SchülerInnen einen Fingerabdruck hinterlassen! Sei es, dass sie Streit unter Kindern geschlichtet haben (und ihnen vielleicht beigebracht haben, dass sie das nächste Mal Differenzen selbst regeln können), dass sie durch unzählige Projekte zum Wohlfühlen in der Schule beigetragen oder dass sie auch auf Kinderrechte, wie z.B. das Recht auf Schutz, besonders Acht gegeben haben.

Die Word cloud ist mit Namen aktiver und ehemaliger SchulsozialarbeiterInnen umschrieben. Ein riesengroßes Dankeschön für eure wichtige Arbeit! JedeR einzelne von euch hat auch in der Schulsozialarbeit einen Fingerabdruck hinterlassen – ohne euch würde die ISOP-Schulsozialarbeit heute anders aussehen.

20 Jahre lang haben SchulsozialarbeiterInnen Fingerabdrücke hinterlassen. Lasst uns weitermachen!

Titelgrafik mit Namen rundherum

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22
Januar
2018

Ein Interview zur Arbeit als SchulsozialarbeiterIn

Ein Interview mit Peter Nikoloff, der gemeinsam mit Dagmar Melnizky, der erste Schulsozialarbeiter in Graz war und mit Lisa Heitzinger, die seit 2015 bei ISOP Schulsozialarbeiterin ist:

Du hast die Anfänge der Schulsozialarbeit in Graz miterlebt und mitgeprägt, wie hast du diese Zeit in Erinnerung?

Peter: Positiv, weil es etwas völlig Neues war. Von der Konstellation war es anders als heute. Da gab es früher schon Konzeptarbeit von der Stadt Graz und wir hatten dann verschiedene Aufgabenbereiche zu bewältigen. Im Prinzip ging es darum: „Verbessere das Schulklima“, grob gesagt. Wir arbeiteten im Team, ein Lehrer und eine Sozialarbeiterin.

Was war deine Motivation, bei diesem Projekt mitzuwirken?

Peter: Es passte gut ins Schema von meiner Ausbildung und ich war vorher schon bei ISOP angestellt.

Lisa: Also an erster Stelle war die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, das war für mich ausschlaggebend.

Wie sah/sieht ein typischer Arbeitsalltag von dir aus?

Peter: In der Unterrichtszeit, sollten die SchülerInnen zu dir kommen, war das dann Schülerbetreuung, Einzelbetreuung halt. Ich wurde auch gebeten, in Klassen reinzuschauen wie es dort läuft, und das habe ich ein halbes Jahr lang gemacht. Sonst am Vormittag in den Pausen Freizeitbetreuung der Kinder und dann Gespräche mit den LehrerInnen. Wir waren 38 Stunden angestellt, so kamen auch nachmittags manche Kinder freiwillig zum Lernen. Ohne Erfolg in der Schule bekommen Kinder sowohl in der Schule als auch zu Hause Probleme – deshalb haben wir das gemacht.

Lisa: Ich komme in die Schule und schaue, ob der Direktor für ein kurzes Update da ist. Anschließend schaue ich, welche SchülerInnen heute zur Beratung kommen. Die Pause verbringe ich am Schulhof, wo Kinder auch auf mich zukommen. Nach den Beratungen suche ich bei Bedarf noch das Gespräch mit LehrerInnen. Neben den beiden Beratungstagen gibt es Workshops in den Klassen und Freizeitaktionen am Nachmittag.

Wie wurde/wird Schulsozialarbeit von der Schule und den LehrerInnen angenommen?

Peter: Wir wurden durchaus positiv aufgenommen. Die intensive Zusammenarbeit mit den DirektorInnen ist dabei wichtig.

Lisa: Wird sehr gut angenommen. Es wird sehr geschätzt, dass es Schulsozialarbeit an der Schule gibt. Die Schule sieht es als „Extrazuckerl“, das sie anbieten können. Die LehrerInnen kommen auf mich zu, wenn sie Bedarf in ihrer Klasse sehen oder sich auch einmal ihren Ballast von der Seele reden möchten.

Mit welchen Themen kamen/kommen die Kinder zu dir?

Peter: Damals waren einige Kinder da, die aus dem Kriegsgebiet Jugoslawien kamen, es waren also schon auch traumatisierte Kinder. Ich kann mich an einen Fall erinnern, ein Junge, und der hat ein halbes Jahr nicht geredet. Die anderen haben Tischtennis gespielt und so weiter, wir haben ihn auch in Ruhe gelassen und der hat Zeitschriften angesehen und ist dann wieder gegangen und irgendwann hat er angefangen zu reden. Die Mädels hatten ihre Mädelsthemen und sonst waren es die kulturellen Unterschiede in der Klasse wegen den Flüchtlingen. das wird heute nicht anders sein, schätze ich.

Lisa: Konflikte mit Gleichaltrigen sind ein sehr präsentes Thema. Probleme in der Schule, wenn es Probleme mit LehrerInnen gibt oder sie sich ungerecht behandelt fühlen, und auch wenn es daheim Probleme in der Familie gibt.

Hast /Hattest du Elternkontakte?

Peter: Selten. Wir hatten uns das damals überlegt, ob wir auch in die Familien fahren, aber Elternarbeit war nur über die Lehrer möglich.

Lisa: Teils, teils. Also die Zusammenarbeit mit der Schule und den SchülerInnen ist mehr vorhanden als die Elternarbeit. Die LehrerInnen vermitteln oft und geben den Hinweis, dass sich die Eltern an die Schulsozialarbeit wenden können.

Wer sind/waren deine wichtigsten Kooperationspartner?

Peter: In den 4. Klassen ging es um die berufliche Orientierung. Damals war da der Verein Pasch, auch ISOP war wichtig für die Arbeitsplatzvermittlung und dann auch noch die SozialarbeiterInnen.

Lisa: Also einerseits in der Schule die Beratungslehrerin, Direktion, LehrerInnen, Schulpsychologie, SchulärztIn und außerschulisch die Kinder- und Jugendhilfe.

Wenn du so an die letzten zwei Jahre zurückdenkst fällt dir ein positives Erlebnis ein, dass du gerne mit uns teilen magst?

Peter: Viele! Zum Beispiel mit einem Jungen, der zu Hause immer sehr viel arbeiten musste und der dann bei uns am Nachmittag seine Freizeit genießen konnte. Ich bin auch immer sehr gerne mit auf die Projektwochen gefahren, weil ich dort nicht als „Lehrer“ war. Da gab es einmal ein Erlebnis, wo die Kinder dem Hausmeister die Zigaretten gestohlen haben. Die Leiterin musste reagieren und ich habe dann zu ihr gesagt, ich mach das, und zu den Burschen hab ich gesagt: „Ich geh jetzt aus dem Zimmer raus und ihr legt die Packung wieder hin, ich frag auch nicht nach und dann ist es erledigt.“ Das haben sie dann auch gemacht.

Lisa: Da gibt es einige. Wenn ich so zurücküberlege, das war ganz zu Beginn im Herbst bei einem Bastelnachmittag: Da haben SchülerInnen einen Zettel geschrieben mit „Lisa ist die coolste“. Das war einfach total nett und ich hab mich dann so richtig angekommen und angenommen gefühlt. Auch der Direktor, der die Schulsozialarbeit sehr schätzt und das auch immer zurückgibt, ist wichtig für mich. Und was mir noch einfällt: An einem Tag nach dem Workshop war ich in einer Klasse und hab Einverständniserklärungen ausgeteilt. Ein Bub hat eine Blume gebastelt und die hat er mir dann geschenkt.

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22
Dezember
2017

Frohe Weihnachten!

herz

Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch!

Schulsozialarbeit ist wieder ab 8.1.18 erreichbar.

 

 

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12
Dezember
2017

20 Jahre ISOP-Schulsozialarbeit: Was die Kids über uns denken

Für unsere Tagung haben sich die SchülerInnen der MedienHAK Graz eine ganz besondere Überraschung für uns einfallen lassen: Sie haben ihre KollegInnen gefragt, was Schulsozialarbeit für sie bedeutet, und uns den folgenden Audiobeitrag “beschert”.

Aber auch an anderen Schulen haben sich die Kinder und Jugendlichen mit Schulsozialarbeit auseinandergesetzt. Hier ein paar Beispiele für die Rückmeldungen, die wir bekommen haben.
KIDS Seite 1KIDS Seite 2

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5
Dezember
2017
märchen bild

Es war einmal…

Es war einmal hoch im Norden, wo die Rentiere Zimtschnecken und Milch zum Frühstück genießen, ein kleines Mädchen. Seine braunen Locken tänzelten freudig um seine roten Wangen, ebenso wie es selbst heiter durch das kunterbunte Herbstlaub sprang. An jenem Herbsttag bemühte sich die Sonne besonders, noch vor dem Jahreszeitenumbruch, ein letztes Mal kräftig die farbenprächtigen Baumkronen golden zu bescheinen, denn es handelte sich schließlich nicht um irgendeinen herkömmlichen Morgen. Das kleine braungelockte Mädchen feierte einen ganz besonderen Herbstbeginn. Es war der Start in eine neue Lebensphase. Alle Jahre wieder, klopfte der erste Schultag an die bunten Eingangstüren hoch im Norden, sowie auch an die zitronengelbe Holztür des kleinen Mädchens.

Schüchtern setzte sich das kleine Mädchen auf einen freien Stuhl, im passend zur Jahreszeit herbstlich dekorierten Klassenzimmer. So unscheinbar es auch wirken wollte, es spürte die neugierigen Blicke der anderen Mädchen und Buben auf seiner gepunkteten Wolljacke haften. Vorsichtig ließ es seinen Blick durch die Sitzreihen schweifen. Rundum befanden sich strohblonde junge Wesen, die fasziniert auf den braunen Lockenkopf starrten. Während viele unschuldige, aufgeregte und neugierige Blicke durch das Klassenzimmer flogen und an den Wänden hochschossen und unter den Stühlen durchhuschten, betrat ein stattlicher Mann den Raum. Er trug einen smaragdgrünen Zylinder am Kopf, eine farblich abgestimmte Fliege um den Hals und eine Gitarre aus feinem Zedernholz unter dem Arm. Motiviert und heiter stimmte er das Lied vom Anderssein an. Fröhlich sang er lauthals Strophe für Strophe den jungen Wesen vor, bis alle die letzte Strophe, durch das Klassenzimmer tanzend, sangen.

„Im Land der Buntgemischten, sind alle bunt gemischt. Und wenn ein Gelbgetupfter das bunte Land auffrischt. Dann rufen Buntgemischte „Willkommen hier im Land“. Hier können wir gemeinsam leben, wir reichen uns die Hand.“ märchen bild

Von diesem Tag an liebte das kleine Mädchen die Schule. Aufgeregt erzählte es zu Hause bei der täglichen Zimtschnecken- und Milchjause von den ersten Unterrichtsstunden, von den Pausengesprächen, von der sanften Zedernholz Gitarre, von der smaragdgrünen Fliege und sang im Herbstlaub springend das Lied vom Anderssein. Von diesem Tag an zog Jahr für Jahr der Herbstwind über das Land hoch im Norden und mit ihm klopfte der Schulbeginn an die zitronengelbe Holzeingangstür des kleinen Mädchens, welches von Herbsttanz zu Herbsttanz reifer wurde, wessen braune Locken von Jahreszeit zu Jahreszeit länger und kräftiger wurden. Über die Zeit wurde aus dem kleinen braungelockten jungen Wesen ein scharfsinniges, einfühlsames und aufgewecktes Fräulein, das selbst in der höheren Schule stets fleißig und wissbegierig den Worten der Lehrenden folgte.

Eines Tages, als das junge Fräulein in dieser besagten höheren Schule über den Schulhof schritt, erspähte es unter einem tannengrünen Nadelbaum eine junge Frau, die einsam in ein koboldblaugebundenes Buch starrte. Vorsichtig tastete es sich an die junge Frau heran und fragte nach ihrem Wohlbefinden. Bald schon kullerten dicke Tränen über die fahlen Wangenknochen der jungen Frau, denn sie fühlte sich fremd und nicht zugehörig. Das junge Fräulein erinnerte sich an seinen allerersten Schultag, der Tag an dem die Sonne golden durch die Baumkronen blinzelte und stimmte das Lied vom Anderssein an. Wenig später waren die Tränen getrocknet und gemeinsam trafen sie sich im Vorgarten und genossen Zimtschnecken und Milch mit den Rentieren. Ein anderes Mal gab es Fisch und Weißbrot als Abendbrot bei der jungen Frau zu Hause. Sie stammte aus dem höchsten Norden, dort wo man die Wolfshunde vor den Schlitten spannte und der Nordwind Eiskristalle auf den Baumkronen hinterließ. Eine tiefgründige Freundschaft wurde entfacht, eine solche, von der man nachsagt, dass man gemeinsam durch Sonne und Regen tanzt.

An einem rauen Wintertag fegte der eisige Nordwind durchs Land und der Platz neben dem jungen Fräulein blieb unbesetzt. Sorgenvoll stapfte es durch die Wälder zum kleinen Häuschen am See, um nach seiner Freundin zu sehen. Dort angekommen kam ihm die junge Frau, abermals von Tränen überströmt entgegen. Mogli war ein junger, verspielter Wolfshund. Er bewachte die Träume der jungen Frau, teilte mit ihr Fisch und Weißbrot zum Frühstück, entdeckte mit ihr die Wälder und Waldlichtungen und plantschte in den milden Sommermonaten mit ihr im Bergsee. Mogli war der beste Gefährte der jungen Frau und kam eines Tages von seinem Streifzug nicht zurück. Seither blieb er verschollen. Tröstend setzte sich das junge Fräulein an die Seite der jungen Frau und wusste, das Lied vom Anderssein würde Mogli nicht zurückbringen. Nun denn, brachte sie einen Vorschlag hervor. Es erzählte von der geheimnisvollen Tür im ersten Stock im Schulgebäude, hinter jener sich eine zauberhafte Traumtänzerin befinden sollte. Legenden zufolge, höre sie allen jungen Wesen, die etwas auf dem Herzen haben zu. Sie besäße die Gabe des Daseins, das Geschick des Zuhörens und weiter noch bringe sie mit der Redekunst traurige Herzen wieder zum Tanzen.

Also beschlossen die jungen Freundinnen, einen Blick hinter diese sagenumwobene Tür zu werfen und lernten die Traumtänzerin kennen. Sie trug eine buntgestreifte Leinenhose und in ihrem verknoteten Haar steckten kunterbunte Frühlingsblumen. Ihr Lächeln war einladend, ihre Stimme sanft und tröstend, sodass die junge Frau sich immer wieder über mehrere Wochen mit ihr verabredete, um mit ihr über Mogli zu sprechen. Das junge Fräulein durfte miterleben wie die junge Frau von Woche zu Woche wieder gesprächiger, fröhlicher und unternehmungslustiger wurde. Von diesem Tag an wusste das junge Fräulein, dass sie die Künste des Traumtanzens erlernen wollte, um selbst einmal die Gabe zu besitzen traurige Herzen zum Tanzen zu bringen.

Das Herz des jungen Fräuleins war liebend, war zielstrebig und geprägt durch positive Herzenserfahrungen. So kam der Tag an dem sie alt genug war die Lehre des Traumtanzens zu studieren um dann den hohen Norden hinter sich zu lassen. Es zog in ein Land, wo man Ei und Speck jausnete und Schafe und Ziegen in den Vorgärten grasten. Erschüttert musste das junge Fräulein feststellen, dass es in dem fernen Land nur zwei Traumtänzer gab. In jenem Land hauste nämlich ein pedantischer Schatzmeister. Seine Goldtaler verließen nur die Schatzkammer, wenn ihm ein versiegeltes Pergament, dessen Inhalt von hoher Überzeugungskraft gewesen war, vorgelegt wurde. Dem jungen Fräulein war bewusst, die Lehre des Traumtanzens allein würde es nicht weit bringen, ebenso wenig wie das Lied vom Anderssein, oder eine Melodie auf einer feinen Zedernholzgitarre. Auch Milch und Zimtschnecken würden den Schatzmeister nicht überzeugen können. Während das junge Fräulein tagein und tagaus in ihrem Kämmerchen nachdachte und Pergament für Pergament vollkritzelte und wieder verwarf, kam eine weiße Taube zu ihm ans Fensterbrett geflogen, die aufgeregt gurrte. Das Vögelchen verriet ihm, dass seine Herrin nach einer Traumtänzerin suche, die mit Geschick und Scharfsinn den Schatzmeister davon überzeugte, dass es mehr als zwei Traumtänzer für die Schulen in seinem Land bräuchte. An jenem lauen Sommerabend strahlte das Herz des jungen Fräuleins ebenso kräftig, wie die Herbstsonne an seinem ersten Schultag, denn es wusste, nun war die Zeit gekommen, seinen Herzenswunsch unerlässlich zu verfolgen. Über die Zeit lernte das junge Fräulein die Traumtänzer des Landes zunehmend besser kennen, ebenso wie die Schulen, in denen sie junge Herzen zum Tanzen brachten. Wenn das junge Fräulein eine Audienz bei den Schulkönigen hatte, packte sie Zimtschnecken ein, um sie mit dem glitzernden Flair des Hohen Nordens zu umwerben. Es gewann die Herzen der Schulkönige, ebenso wie die der jungen Wesen und täglich wurde es in seinem Herzenswunsch erneut bestärkt.

Schließlich kam der Tag an dem das junge Fräulein zu den Pforten des Schatzmeisters schritt. Im Gepäck hatte sie die Gabe des Daseins, das Geschick des Zuhörens, die Redekunst und allem voran ein akribisch ausgearbeitetes Schriftstück, welches genau für die sieben Schulkönige, mit denen sich das junge Fräulein oft zur Zimtschnecken- und Milchjause traf, angefertigt wurde. Mürrisch, aber dennoch aufmerksam lesend durchforstete der Schatzmeister das Schriftstück. Immer wieder blieb sein Blick an einem Pergamentstück haften, immer wieder zuckten seine Mundwinkel als würde er lächeln wollen. Gelegentlich räusperte er sich und schob seine Augengläser zurecht. Beim vorletzten Pergamentstück kramte er sogar eine golden umrahmte Linse hervor. Letztlich blickte er vom Schriftstück hoch, schüttelte die Hand des jungen Fräuleins kräftig, nickte ihr streng zu und wies sie zufrieden aus dem Schatzhof. Draußen blinzelte ihm die Sonne entgegen und die Vögel zwitscherten das Lied vom Anderssein. Sogar die Schafe und Ziegen am Wiesenrand blökten und meckerten mit und eine außergewöhnlich fröhliche Stimmung lag über dem fernen Land, für welches das junge Fräulein einst den hohen Norden hinter sich ließ.

Von diesem Tag an, immer zur selben Jahreszeit jausnete das junge Fräulein gemeinsam mit dem Schatzmeister Ei und Speck und als Nachspeise wurden Zimtschnecken und Milch serviert, um das Bündnis zwischen Schatzhof und Schulhof alljährlich zu besiegeln.

Jährlich flossen die Goldtaler in die Künste des Traumtanzens und immer mehr Schulkönige durften eine sagenumwobene Tür im ersten Stock des Schulgebäudes aufnehmen, hinter welcher die Traumtänzer traurige Herzen zum Tanzen bringen. Einst wurde sogar eine Reise zurück in die Heimat des jungen Fräuleins, arrangiert, um von der langjährigen Erfahrung im hohen Norden Wissen zu erwerben.

Einst ein kleines, aufgewecktes, braungelocktes Mädchen, sodann ein junges, scharfsinniges, einfühlsames Fräulein, heute eine angesehene, ambitionierte Frau, die ihrem Herzenswunsch gefolgt ist, und auf viele Jahre der Traumtanzkünste zurückblicken darf. Zwanzig Jahre in denen das Verhalten der jungen Wesen immer wieder neu beleuchtet wurde, die Pergamentstöße verbessert und ausgeschmückt wurden und sechs königliche Auszeichnungen für ehrenvolle Dienste und erfolgreiche Künste mit Herz und Verstand.

Mittlerweile ist für den Schatzmeister das Bündnis zwischen seinem Schatzhof und den Schulhöfen nicht mehr wegzudenken. Und wenn die Goldtaler weiterhin für die Herzen der jungen Wesen eingesetzt werden, dann tanzen die Träumtänzerinnen und Traumtänzer noch in den nächsten 20 Jahren.

Nicolina Bek, BA MA

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29
November
2017
ISOP-Schulsozialarbeit_13

Tagungsnachlese „20 Jahre ISOP-Schulsozialarbeit“

Am 24. November 2017 fand in den Räumen der Wiener Städtischen Versicherung in Graz eine halbtägige Jubiläumsfeier statt, die Leistungen und Erfahrungen aus zwanzig Jahren ISOP-Schulsozialarbeit kreativ und humorvoll in den Mittelpunkt rückte sowie Möglichkeiten und Hoffnungen für die Zukunft thematisierte. Hauptreferent der Veranstaltung war der international hoch renommierte deutsche Experte Prof. Dr. Karsten Speck von der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg.

Mit 135 TeilnehmerInnen war die Tagung bis auf den letzten Platz ausgebucht. Neben zahlreichen Gästen aus ganz Österreich durfte Mag. Christian Ehetreiber als Moderator auch ausländische ExpertInnen wie z.B. Ady Baur-Lichter, Co-Präsident des Schweizer Schulsozialarbeitsverbands SSAV, oder Dr. Thomas Pudelko, Referent für Jugendsozialarbeit und Schule beim Paritätischen Gesamtverband in Berlin, durch das abwechslungsreiche Programm führen.

Nach der offiziellen Eröffnung las eine Schulsozialarbeiterin auszugsweise aus dem Märchen ihrer Kollegin Nicolina Bek, BA MA, das sehr phantasievoll den Weg von Mag.a Sandra Jensen vom aufgeweckten Mädchen aus dem hohen Norden zur angesehenen Leiterin der TraumtänzerInnen der ISOP-Schulsozialarbeit nachzeichnete (nachzulesen in der aktuellen ISOTOPIA). Im Laufe des Vormittags brachten die SchulsozialarbeiterInnen auch einen amüsanten Blick auf Daten und Fakten auf die Bühne, indem sie die Zahlen nach Art von (bekleideten) Nummerngirls und -boys mit Schildern sichtbar machten.

Unumstrittener Höhepunkt der Tagung war jedoch der Vortrag von Prof. Dr. Karsten Speck, der in Fachkreisen nicht nur als herausragender deutscher Experte in Sachen Schulsozialarbeit, sondern auch als unterhaltsamer Redner bekannt ist. Tatsächlich entlockten seine Ausführungen und häufig ironischen Bemerkungen dem Publikum viele herzhafte Lacher.

ISOP-Schulsozialarbeit_13

Foto: Peter Troissler
von links nach rechts: Mag. Christian Ehetreiber, Prof. Dr. Karsten Speck,
Mag.a Sandra Jensen

Zwischendurch überraschte Mag.a Sandra Jensen als Leiterin der ISOP-Schulsozialarbeit immer wieder ausgewählte Gäste mit Urkunden. So erhielt Landesrätin Mag.a Ursula Lackner die Auszeichnung als „Schatzmeisterin der TraumtänzerInnen“. DSAin Jutta Gollner als Vertreterin der SozialarbeiterInnen des Amts für Jugend und Familie durfte zum Dank für die ausgezeichnete Zusammenarbeit die Auszeichnung „Schutzwächter*innen der jungen Wesen“ entgegennehmen.

Den Abschluss der Tagung bildete eine Podiumsrunde von Dipl.Päd. Klaus Ackerl, Leiter der Ellen-Key-Schule in Graz, HR Dr. Josef Zollneritsch, Leiter der Abteilung Schulpsychologie-Bildungsberatung des Landesschulrats für Steiermark, Prof. Dr. Karsten Speck, Mag.a Sandra Jensen und DSAin Jutta Gollner vom Amt für Jugend und Familie der Stadt Graz.

In den Pausen und im Anschluss kamen die TeilnehmerInnen außerdem in den Genuss eines reichhaltigen, interkulturellen Buffets aus der ISOP-eigenen Küche und einer Ausstellung von Zeichnungen, Fotos etc., in denen sich Kinder und Jugendliche mit dem Thema Schulsozialarbeit auseinandersetzten.

Über Leistungsschau und Fachdiskussion hinaus war die Tagung „20 Jahre ISOP-Schulsozialarbeit“ damit ein rundum gelungenes Jubiläum, dessen herzliche Atmosphäre OrganisatorInnen wie TeilnehmerInnen von Anfang bis Ende verzauberte.

Im Schuljahr 2017/18 ist ISOP Schulsozialarbeit in Graz an 12 NMS und 4 VS sowie an der MedienHAK Graz, außerdem in den Bezirken Bruck-Mürzzuschlag und Leoben an 9 NMS und 2 Polytechnischen Schulen  tätig. Sofa und Caritas als Kooperationspartner von ISOP betreuen NMS und Polytechnische Schulen in den Bezirken Graz-Umgebung und Voitsberg. Die Finanzierung erfolgt durch Stadt Graz, Land Steiermark und Bundesministerium für Bildung (nur MedienHAK).

Edith Walter

Bei der Jubiläumsfeier gab es auch ein Gästebuch, in das alle Rückmeldungen, Wünsche und stärkende Worte schreiben konnten. Wir haben uns über jeden Eintrag sehr gefreut! Wer es nicht geschafft hat, sich im Gästebuch zu verewigen (entweder weil es sich am 24.11. nicht ausgegangen ist, etwa wegen Terminkollision oder wegen längerer Anreise) darf es sehr gerne hier im Kommentarfeld nachholen – das gibt uns Kraft für unsere traumhafte, aber doch immer wieder herausfordernde Arbeit.

Weitere Fotos von der Jubiläumsfeier folgen demnächst!

Kontakt:

Mag.a Sandra Jensen Bakk. phil. Bakk. phil.
Projektleitung

ISOP Schulsozialarbeit
ISOP – Innovative Sozialprojekte GmbH
Dreihackengasse 2 | 8020 Graz

T: +43 (0)699 146 000 06
M: sandra.jensen@isop.at

www.isop.at
www.isop-schulsozialarbeit.at

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27
November
2017

ISOTOPIA 20 Jahre ISOP-Schulsozialarbeit

Die Tagung 20 Jahre ISOP-Schulsozialarbeit war ein voller Erfolg! Wir brauchen aber ein bisschen Zeit, um die Arbeit, die liegen geblieben ist, nachzuholen und müssen auch einige Bilder von der Tagung aussuchen, die wir hier online stellen werden.

In der Zwischenzeit dürfen Sie in der druckfrischen ISOTOPIA digital schmökern – eine Sondernummer zu 20 Jahre ISOP-Schulsozialarbeit:

http://www.isop.at/2017/druckfrisch-isotopia-20-jahre-isop-schulsozialarbeit/

Wir würden uns über Rückmeldungen zu ISOTOPIA im Kommentarfeld sehr freuen!

 

 

 

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21
November
2017

Countdown läuft!

Endspurt! Am Freitag findet unsere Tagung “20 Jahre ISOP-Schulsozialarbeit” statt. Das Interesse daran ist und war viel größer als erwartet. Unglaublich, aber wahr: Innerhalb von nur 30 Stunden war die Tagung ausgebucht! Kurz haben wir überlegt, ob wir die Tagung in größeren Räumlichkeiten verlegen sollten, haben uns dann aber aus vielen Gründen dagegen entschieden, u.a. weil die Räume der Wiener Städtischen so schön und besonders sind.

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren! Die Sondernummer von ISOTOPIA zu “20 Jahre ISOP-Schulsozialarbeit” ist heute druckfrisch angekommen. Sie wird bei der Tagung ausgeteilt und anschließend über den ISOP-Verteiler verschickt. Verschiedene der darin enthaltenen Beiträge werden nach und nach auch hier auf dem Blog erscheinen.

Zurück zu den Vorbereitungen!

 

 

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