13
April
2021

„Mindful classroom“

Ein Einblick in ein achtsames Klassenzimmer in der Volksschule

Bei einem „mindful classroom“, also einem achtsamen Klassenzimmer, geht es darum, dass Kinder lernen, freundlich miteinander umzugehen sowie achtsam und aufmerksam gegenüber anderen zu sein. Dabei ist es wichtig, dass sie ihre eigenen Ressourcen kennen, um diese sozial kompetent einsetzen zu können, dass sie Mitgefühl und Wertschätzung für andere entwickeln und dass sie lernen mit herausfordernden Situationen umzugehen. Durch aufbauende Übungen, die Schulsozialarbeit im Sozialen Lernen in der Volksschule durchführt, kann ein bewusster, achtsamer und freundlicher Umgang miteinander geübt werden.

Zu Beginn der Sozialen Lernen Stunde findet immer ein Begrüßungsritual statt. Dieses startet mit Atemübungen. Die Kinder stehen hinter ihren Sesseln, legen ihre Hände auf den Bauch und konzentrieren sich auf ihre Atmung. Schulsozialarbeit zählt langsam von eins bis fünf und die Kinder verfolgen aufmerksam ihre eigene Atmung, ihren Bauch wie dieser sich hebt und senkt. Ziel der Übung ist es, dass sie lernen, sich auf sich selbst zu fokussieren und ruhiger zu werden, und so in der Sozialen Lernen Stunde ankommen. Anschließend wird eine Yoga-Übung gemacht wie zum Beipiel der Baum, der Elefant oder die Giraffe. Die Kinder lernen dabei, Gleichgewicht und Stabilität zu finden. Für die Konzentration wird danach eine Brain-Gym-Übung angewendet. Danach legen alle Kinder zum Abschluss des ersten Teils des Begrüßungsrituales wieder ihre Hände auf den Bauch und es wird wieder fünfmal tief ein- und ausgeatmet. Die Kinder setzen sich und das Begrüßungsspiel wird gespielt. Dafür hat Schulsozialarbeit vier Karten mit Begrüßungsformen vorbereitet: Umarmen, High-five (Einklatschen), Fist-Bump (Faustabschlag) und Hände schütteln. Pro Runde wird ein Begrüßungskind ausgewählt, das die Kartenscheibe in der Hand hält. Die restlichen Kinder kommen nach der Reihe zu dem Kind und begrüßen speziell dieses Kind. Sie suchen sich die jeweils für sie passende Begrüßungsform aus. Nachdem alle Kinder das Kind begrüßt haben, wird das Begrüßungskind auch von der Lehrperson und der Schulsozialarbeit begrüßt.

Die Soziale Lernstunde beginnt also immer gleich. Beim Begrüßungsritual lernen die Kinder, sich selbst wahrzunehmen, und dass sich gegenseitig zu begrüßen höflich und respektvoll ist. Zusätzlich lernen sie auch das Wort Ritual kennen. Rituale und Routinen können Kindern Sicherheit vermitteln, sodass sie in unsicheren Situationen dieses Gefühl abrufen lernen.

Anmerkung: in Zeiten von social distancing findet das Begrüßungsritual in einer angepassten Form statt. Die Kinder bleiben auf ihren Plätzen sitzen. Sie haben vier runde Papierkarten vor sich auf denen sie im Vorfeld unterschiedliche Symbole gezeichnet haben. Ein Herz steht für eine gedankliche Umarmung, ein Smiley für ein Lächeln, eine Hand für Einklatschen und ein Hallo für eine freundliche, wertschätzende Begrüßung. Jedes Kind sucht sich, wenn es an der Reihe ist, eine Begrüßungsform aus, wie es die Klasse begrüßen möchte und hält seine Karte hoch.

Um Achtsamkeit füreinander empfinden zu können, ist es wichtig, dass Kinder vor allem sich selbst kennen lernen. Daher verfolgt Schulsozialarbeit im Rahmen des Sozialen Lernens den Ansatz vom Ich zum Wir. Bei der Tankstellen-Übungen beispielsweise lernen die Kinder sich selbst besser kennen und werden sich ihrer eigenen Ressourcen bewusst, um diese sozial kompetent einsetzen zu können. Bei dieser Übung wird die Tankstelle als Metapher verwendet, um Kindern ihre Ressourcen und Energiespender näher zu bringen. Schulsozialarbeit zeichnet eine Tankstelle auf die Tafel und fragt die Kinder, was bei einer Tankstelle passiert (Auto tanken, Auto putzen, Auto waschen, Essen kaufen sind gängige Antworten). Schulsozialarbeit fragt die Kinder, was passiert, wenn ein Auto nicht getankt wird. Antwort: Das Auto kann nicht mehr fahren, es hat keine Energie zum Fahren. Schulsozialarbeit erklärt in weiterer Folge den Kindern, was das Wort „Energie bekommen“ noch alles bedeuten kann und zieht Parallelen zur Tankstelle und dem Tanken des Autos. Die Kinder bemerken im Dialog mit Schulsozialarbeit, dass alle Menschen etwas brauchen, das ihnen Energie gibt. Einerseits Grundbedürfnisse wie Essen und Trinken und andererseits noch weitere Dinge, die helfen, Energie zu bekommen. Die Kinder werden gefragt, was ihnen gut tut, ihnen Energie gibt, wenn sie beispielsweise nach einem langen Schultag müde nach Hause kommen. Gemeinsam werden die Ideen der Kinder auf der Tafel gesammelt. Dabei werden Dinge genannt wie im Park spielen, Fernsehen, kochen, backen, lesen, mit Mama kuscheln, mit Papa Fußball spielen, Musik hören oder machen, tanzen, singen. Die Kinder zeichnen ihre eigene Tankstelle mit allen Energiespendern/Ressourcen, die sie haben und brauchen, damit es ihnen gut geht. Im Anschluss dürfen die Kinder ihre Tankstelle vorstellen, wenn sie das möchten.

Nach vielen weiteren Übungen, bei denen die Kinder sich selbst und ihre eigenen Ressourcen kennenlernen, ist ein wesentlicher Schritt, die eigenen Gefühle benennen sowie die Gefühle der anderen wahrnehmen zu lernen. Durch pantomimisches Darstellen der Gefühle beispielsweise, erfahren die Kinder, dass Gefühle auch durch Körpersprache erkennbar sind und im Körper spürbar sind. Zusätzlich wird daran gearbeitet, was sie selbst für sich tun können, wenn sie gewisse Gefühle haben, positive wie auch negative, aber auch was sie für andere tun können.

Anschließend wird an einem wertschätzenden Umgang miteinander gearbeitet. Eine Übung dazu ist zum Beispiel, die Klassenfeedback-Übung. Die Kinder üben sich darin, sich gegenseitig Rückmeldung zu geben und auch bei unangenehmen Rückmeldungen eine wertschätzende Kommunikation beizubehalten. Dabei liegen Karten mit vier unterschiedlichen Symbolen – Stern, Herz, Blumen und Stopp – in der Mitte eines Sitzkreises. Der Stern steht für „Mir gefällt, dass …“, das Herz für „Danke, dass …“, die Blumen für „Es tut mir leid, dass …“ und das Stopp für „Bitte hör auf, …“. Bevor sich jedes Kind eine Karte nehmen darf, wird besprochen, was die Karten bedeuten und dass die Meldungen der Kinder nicht kommentiert werden. Nachdem jedes Kind eine Karte für sich genommen hat, legen die Kinder nach der Reihe ihre jeweilige Karte zu einem Kind aus der Klasse. Dabei sagt es den Satz, der zur jeweiligen Symbolkarte gehört. Beispiele dafür sind: „Mir gefällt, dass wir heute zusammen gespielt haben“ oder „Bitte hör auf, mich auszulachen!“ Im Anschluss gibt es eine Reflexionsrunde, bei der Schulsozialarbeit mit den Kindern das Gesagte gemeinsam als Klasse bespricht und die Kinder etwas dazu sagen können, wenn sie möchten.

Kinder lernen in einem mindful classroom, freundlich, respektvoll und wertschätzend miteinander umzugehen. Sie werden achtsamer, mitfühlender und empathischer für ihr Gegenüber und stehen Herausforderungen selbstbewusster gegenüber.

 

Weiterlesen | Hinterlasse einen Kommentar
6
April
2021

Digitale Medien und Spiele als Suchtgefahr – was ist dran?

Was machen digitale Medien und Computerspiele mit uns allen? Welche Risiken stecken dahinter? Ist ein Jugendlicher süchtig, wenn er mehrmals in der Woche drei Stunden am Stück an der Konsole zockt? Ist das Mädchen, das um 23 Uhr noch am Handy auf Tiktok postet, suchtgefährdet? Welche Möglichkeiten haben wir Erwachsene, zu unterstützen und helfen? Eine ISOP Schulsozialarbeiterin nahm anlässlich dieser Fragen an einer Fortbildung von VIVID – Fachstelle für Suchtprävention teil, in deren Rahmen es um Digitale Medien im Kontext der Suchtprävention ging. Die wichtigsten persönlichen Erkenntnisse teilt sie hier gerne J

In der Schulsozialarbeit arbeiten wir täglich mit Kindern und Jugendlichen. Es ist für uns, aber auch für andere erwachsene Bezugspersonen essentiell, Verständnis für ihre Situation zu haben. Wir sollten die Faszination von digitalen Spielen und Medien kennen und verstehen und uns gleichzeitig deren Risiken bewusst sein. Für uns Erwachsene ist es wichtig, neue Dinge nicht automatisch als „Blödsinn“, „gefährlich“ oder „Zeitverschwendung“ abzuwerten, sondern uns mit dem Thema vertraut zu machen. Hilfreich kann es sein, das Gespräch mit dem Kind bzw. Jugendlichen zu suchen, Interesse zu zeigen (und auch ehrlich zu haben!) und in die Beziehung zu investieren. Neben den üblichen Fragen, wie oft und wie lange ein Jugendlicher spielt, sind noch weitere Fragen wichtig: „Warum spielst du, wie ist deine Stimmung dabei?“, „Was ist für dich so interessant daran?“, „Kannst du dich selbst einschränken?“ und „Leiden andere Interessen/Hobbies darunter?“. Sich ein individuelles Bild von der/dem Jugendlichen zu machen und dann passend zu reagieren, kann Hilfe und Orientierung für die Betroffenen ermöglichen. Gut ist es auch, wenn man mitreden kann! Wir können uns über soziale Plattformen und Online-Spiele informieren, indem wir im Internet recherchieren… Hier ein paar Beispielvideos:

Was ist Tiktok? https://www.youtube.com/watch?v=bcAAC8QIHMc

Was ist Instagram? https://www.youtube.com/watch?v=OKDTg0ZatDc^

Was ist Fortnite Battle Royale? https://www.youtube.com/watch?v=eln9G51bBv4

Was ist Among us? https://www.youtube.com/watch?v=ukkJZbn5jdI

Wie viel ist zu viel? Digitale Medien sind heutzutage nicht mehr wegzudenken – das ist ein Fakt. Es gibt keine „Anzahl“ an Stunden, an der man Sucht festmachen kann. Besonders im Jugendalter ist eine Abstinenz nicht möglich, wenn man Teil der Peer-Group sein will. Gerade wenn persönliche Treffen aufgrund der derzeitigen Situation nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich sind, ist diese Kommunikations- und Unterhaltungsmöglichkeit wichtig und darf nicht „aus Prinzip“ als etwas Schlechtes angesehen werden. Wichtig ist dabei aber, dass junge Menschen einen bewussten Umgang mit Medien erlernen. Das Ziel muss sein, dass die Medien eine Bereicherung und nicht eine Belastung bzw. ein Problem für die Betroffenen sind. Wenn andere Bereiche wie z.B. Familie, Schule, Treffen mit Freunden, Sport nicht drunter leiden, steht einem Spielmarathon nichts im Weg.

Wichtiger als die Frage, wie oft und wie lange Kinder oder Jugendliche online spielen oder Tiktok, Instagram oder WhatsApp benutzen, ist es, sie nach ihrem Befinden zu fragen und ihnen zuzuhören! In einem wertschätzenden Klima können gemeinsam klare Regeln erarbeitet und alternative Beschäftigungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Je älter die Jugendlichen werden, umso mehr Selbstbestimmung sollte ihnen möglich sein. Wenn die (elterliche) Kontrolle mit dem Erwachsenenalter wegfällt, ist die Gefahr einer Abhängigkeit groß, wenn nicht schon in den Jahren davor ein gesunder Umgang erlernt wurde.

Gefährlich wird es, wenn viele Risikofaktoren auf wenig Schutzfaktoren treffen. Risikofaktoren können z.B. eine schwierige familiäre Situation, keine alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten und aktuelle Krisen sein. Schutzfaktoren können z.B. eine ausgeprägte Empathie-Fähigkeit, gute Bewältigungs-und Lösungsstrategien und eine gute Integration in Schule, Vereinen oder ähnlichem sein. Wenn die Herausforderungen, die zum Leben dazugehören größer sind als die Ressourcen, die der junge Mensch in seinem Leben hat, kann es zu einem Ungleichgewicht kommen und die Situation „kippen“. Unsere Aufgabe als Erwachsene ist es, Ressourcen der Schüler*innen und Schutzfaktoren zu finden und zu stärken.

Warum ist das alles eigentlich für die Kinder und Jugendlichen so interessant? Das Spielen von Online-Spielen oder das Sammeln von Likes oder Reaktionen auf Social Media ist darauf ausgelegt, dass das Belohnungssystem aktiviert wird. Und zwar relativ schnell und unkompliziert, was im „echten Leben“ oft mehr Anstrengung und Unsicherheiten bedeutet. Diese Medien sind nämlich so konzipiert und aufgebaut, dass es schwierig ist, aufzuhören. Es gibt selten ein echtes „Ende“ (wie bei einem Brettspiel), oft geht es um die Gemeinschaft und ums „Dazugehören“ zu einer sozialen Gruppe (was den Ausstieg erschwert) und auch um das Bedürfnis, sich zu beweisen oder darzustellen. All dies ist anzuerkennen und kann nicht weggeredet werden. Wiederum gilt es, in einem wertschätzenden Umgang ins Gespräch zu kommen und die eigene Haltung immer wieder zu hinterfragen.

Nicht zu vergessen ist die eigene Vorbildfunktion von uns Erwachsenen. Wenn auch wir bei jeder Nachricht zum Handy greifen und uns vom analogen Leben „ablenken“ lassen, können wir von den Jugendlichen nicht das Gegenteil verlangen. In Familien gilt, dass handyfreie Zeiten (beim Essen, abends und nachts) daher für alle gelten müssen. Das digitale Leben soll eine Ergänzung zum analogen Leben sein, kein Ersatz dafür. Ein kleiner Gedanke dazu: In Schulen gibt es „Handyverbote“ in Unterricht und Pausensituationen, die meist nur für die Schüler*innen gelten – vielleicht sollte das überdacht werden?

Was ist also wichtig, wenn man mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt ist und ein suchtgefährdetes Verhalten vermutet? MITEINANDER REDEN! Das interessierte Gespräch suchen, Verständnis für die Sicht des Gegenübers haben und gemeinsam Ressourcen suchen und Regeln vereinbaren – die dann auch für einen selber gelten sollten.

Dazu ein kurzer Film, der zum kritischen Hinterfragen des eigenen Umgangs mit dem Handy dienen kann… viel Spaß bei dieser Anregung, über sich selbst nachzudenken.

https://youtu.be/qZabjYyr6Vw

 

 

Weiterlesen | Hinterlasse einen Kommentar
30
März
2021

Wie Fake News erkennen und mit ihnen umgehen?

Oft ist es eine echte Herausforderung, Informationen und Nachrichten, die wir im Internet lesen und finden, auf ihre Richtigkeit zu überprüfen, vor allem dann, wenn wir von ihnen regelrecht überflutet werden. Die steirische Fachstelle für Jugendinformation und -kommunikation in Graz, LOGO Jugendmanagement, beschäftigt sich unter anderem mit dem Thema Fake News, sprich mit Fehlinformationen im Internet.

Was können wir machen, wenn wir Kettenbriefe gesendet bekommen? Wie können Falschinformationen enttarnt werden und um was handelt es sich bei sogenannten „Hoaxes“?

Um Kinder- und Jugendliche, Erziehungsberechtigte, Pädagog*innen und interessierte Personen dabei zu unterstützen, genau mit diesen Themen umzugehen, sorgt LOGO auch auf seinen Internetseiten für Aufklärung. Konkrete Tipps und Links zum Thema gibt es hier https://www.logo.at/fake-news#. Viel Spaß beim Lesen!

 

Weiterlesen | Hinterlasse einen Kommentar
23
März
2021

Lernen und Emotionen

In der Schule fallen Lehrer*innen, neben weiteren wichtigen, teilweise nicht „sichtbaren“ Tätigkeiten zwei Aufgaben zu: Wissen vermitteln und Wissen überprüfen. Im Unterricht spielt sich angesichts dieser Aufträge Vieles gleichzeitig für die Teilnehmer*innen ab. Es wird erzählt, erklärt, zugehört, geschrieben, gegrübelt, nachgefragt und manchmal auch geschwitzt. Und damit ist nicht (nur) die Turnstunde gemeint. Kaum ein*e Schüler*in durchläuft die Schulzeit ohne Bauchgrimmen vor der Mathe-Schularbeit in der zweiten Stunde, schweißnassen Händen vor der mündlichen Geschichte-Prüfung bei Frau Müller oder plötzlich auftretendem Brechreiz vor dem anstehenden Grammatiktest in Englisch.

Wie sich Schüler*innen beim Lernen und Leisten fühlen, sollte grundsätzlich auch im Unterricht Beachtung finden bzw. thematisiert werden. Lehrer*innen sind dabei häufig buchstäblich hin- und hergerissen zwischen ihren rein unterrichtsbezogenen Aufgaben und zahlreichen „nicht-lehrenden“ Tätigkeiten wie Streitschlichten, Kopieren, Korrigieren, Organisieren und vielem anderen mehr. Dabei kommt es (nicht nur) in Lern- und Leistungssituationen maßgeblich darauf an, inwieweit sich Emotionen auf den/die Schüler*in auswirken bzw. er/sie sich derer bewusst wird. Der Einfluss, den Gefühle auf die Lern- und Leistungsfähigkeit und -bereitschaft haben, ist grundsätzlich als groß anzusehen. Schulsozialarbeiter*innen können sich im Rahmen ihrer begleitenden und beratenden Funktion der Problematik annehmen und den Schüler*innen in Kooperation mit Lehrer*innen zu einem gelasseneren und bewussteren Umgang mit den Themen Lernen, Leistung und Stress verhelfen.

Ist die Angst vor Tests und Prüfungen (zu) groß, kann es vorkommen, dass Schüler*innen nicht in der Lage sind, ihr volles Leistungspotential abzurufen; umgekehrt ist es jedoch auch möglich, dass ein kleiner Adrenalinstoß vor der Mathe-Schularbeit dabei hilft, den letzten Rest an Wissen zusammenkratzen und zu Papier bringen zu können. Schulsozialarbeiter*innen unterstützen Schüler*innen in unterschiedlichen Settings dabei, sich unerwünschte und erwünschte Auswirkungen von negativen und positiven Emotionen bewusst zu machen. So können Schüler*innen erkennen, dass es beim Lernen und Leisten unter anderem darauf ankommt, sich selbst wahrzunehmen, zu beobachten, welche Gefühle und Stimmungslagen sie in ihrem Tun beeinflussen und (unbewusst) steuern. Eine sogenannte „chillige“ Stimmung beim Lernen fühlt sich sicherlich angenehm an, kann jedoch verhindern oder zumindest erschweren, dass Lernstoff „hängen“ bleibt. Die (Aus-)Wirkungen von subjektiv negativ oder positiv empfundenen Emotionen auf Lernen und Abrufen von Wissen/Leistung sind folglich nicht immer eindeutig und teilweise sogar paradox. Schulsozialarbeiter*innen können auf das Lernverhalten und den Lernerfolg von Schüler*innen einwirken, indem sie in Beratungen und Workshops bzw. Gruppenangeboten Themen, die Schüler*innen beschäftigen, aufgreifen und den Schüler*innen Zeit und Raum zur Reflexion bieten.

Prüfungsangst und Lernhemmungen sind klassische Themen, mit denen Schulsozialarbeiter*innen im schulischen Alltag häufig konfrontiert werden. Sowohl in Beratungssettings als auch bei Gruppenangeboten bieten Schulsozialarbeiter*innen den Schüler*innen die Gelegenheit, mögliche Gründe für das Aufkommen genannter Emotionen zu erfahren und spielerisch zu lernen, wie man diese regulieren kann. Beispielsweise lernen die Schüler*innen bei der Übung „Befindlichkeitsrunde“, die oft dazu genutzt wird, die Teilnehmer*innen auf einen Workshop einzustimmen, dass Gefühle oft „nur“ erkannt und benannt werden müssen, um über sie „hinwegzukommen“ bzw. besser mit ihnen umgehen zu können.

 

 

Weiterlesen | Hinterlasse einen Kommentar
16
März
2021

Spielenachmittag an der MS Eisenerz

Seit das Coronavirus den Alltag auf der Erde, insbesondere auch in österreichischen Schulen auf den Kopf stellt, ist vieles anders und fast immer schwieriger geworden. Das gilt nicht zuletzt für die Arbeit der Schulsozialarbeiter*innen, besonders aber für Freizeitangebote, die nur zu einem sehr kleinen Teil in die digitale Welt verlegt werden können. Wie es bis zum Beginn der Coronakrise war und hoffentlich bald wieder sein wird, zeigt der folgende Beitrag am Beispiel der Eisenerzer Schulen.

In den vergangenen Jahren fanden in Eisenerz zahlreiche, von Schulsozialarbeit organisierte und durchgeführte Freizeitangebote mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten statt. Angebote wie diese sind grundsätzlich kostenlos und freiwillig, weshalb sie zumeist großen Anklang bei den Schüler*innen finden. Bei der Planung und Auswahl der Aktivitäten legt die Schulsozialarbeiterin großen Wert auf ein Mitspracherecht der Mädchen und Buben. Für die Schüler*innen ist es oft eine neue Erfahrung, dass ihre eigenen Ideen und Vorschläge zur Gestaltung der Nachmittage berücksichtigt werden, und das führt zu begeisterter Beteiligung am Mitgestalten.

Besonders hervorzuheben ist ein im Herbst 2019 veranstalteter Spielenachmittag im Rahmen des Buddy-Projekts für Schüler*innen der ersten und vierten Klassen der MS.

Treffpunkt an diesem Tag war der Beratungsraum der Schulsozialarbeiterin, die mit einem Willkommensplakat die Schüler*innen begrüßte und zunächst im Raum versammelte, um den Ablauf des Nachmittags und einige wichtige Regeln zu besprechen. Danach führte die Schulsozialarbeiterin die Buben und Mädchen in ein großes, ehemaliges Klassenzimmer im obersten Stockwerk der Schule. Im Raum selbst erwarteten die Schüler*innen ausgebreitet am Boden bzw. auf den Tischen Spiele aller Art. Viele sehr bekannte Spiele-Klassiker wie „Activity“ und „Twister“, aber auch unbekanntere Varianten wie „Sudoku“ in Form eines großen Holzbretts mit Vertiefungen und dazugehörigen, mit Zahlen versehenen Klötzen warteten auf ihren Einsatz.

Mit großem Vergnügen stimmten die Mädchen und Buben ab, welches Spiel zuerst getestet werden sollte. Die Wahl fiel auf „Activity“, das erfahrungsgemäß besonderen Anklang bei Schüler*innen findet. Vor Spielbeginn wurden gemeinsam die Spielregeln besprochen und die Teams eingeteilt. Bei der Einteilung wurde darauf geachtet, die Gruppen bunt durchzumischen, um eine weitere Gelegenheit zur Annäherung von Groß und Klein, Viert- und Erstklässler*innen bzw. Mädchen und Buben etc. zu bieten.

In den kleinen Pausen zwischendurch gab es für die Teilnehmer*innen die Möglichkeit, sich an der gesunden Jause, die zuvor von der Schulsozialarbeiterin und den Buddys vorbereitet worden war, zu bedienen.

Gegen Ende des Freizeitnachmittags sammelten die Schüler*innen mit der Schulsozialarbeiterin Ideen für weitere Nachmittage, die auf einem Flipchart festgehalten wurden. Abschließend wurde mit vereinten Kräften aufgeräumt und die letzten Überbleibsel der Jause wurden auch noch verspeist.

 

 

Weiterlesen | Hinterlasse einen Kommentar
9
März
2021

Wozu niederschwellige Angebote in der Schulsozialarbeit?

Erfahrungen und Überlegungen von einem Schulsozialarbeiter

Alle folgenden Beispiele beruhen auf den Erfahrungen der Schulsozialarbeit, haben sich aber weder in genau der dargestellten Form noch mit den genannten Personen jemals konkret an einer Schule ereignet.

Die Ausgangslage

Gerhard (10) hat kein Interesse an Schulsozialarbeit. Eigentlich weiß er nicht einmal, was das ist, weil er bei der persönlichen Vorstellung der Schulsozialarbeiterin nicht aufgepasst hat.

Corinna (14) hatte vor einem Jahr richtig Spaß bei einem Workshop der Schulsozialarbeit. Sie hat zwar vergessen, worum es damals ging, aber sie erinnert sich noch an die fixen Beratungszeiten und sie weiß, wo der Beratungsraum ist. Sie war jedoch noch nie dort und hat auch nicht vor, dorthin zu gehen. Wozu auch?

Ahmed (15) ist ein aufgeweckter Schüler und sehr beliebt. Es gibt keine Probleme mit ihm. Weder die Klassenlehrerin noch er selbst sehen einen Bedarf, das Beratungsangebot der Schulsozialarbeit in Anspruch zu nehmen.

Alltagsarbeit

Gerhard hat von seinem besten Freund aus der Nebenklasse erfahren, dass es in der Schule einen Drehfußballtisch gibt. Er begleitet ihn zum Spielen und merkt, dass es ihm großen Spaß macht. Außerdem ist der Schulsozialarbeiter, der immer dabei ist, sehr nett. Er kommt immer öfter und meldet sich sogar zu einem Turnier an.

Corinna trifft die nette Schulsozialarbeiterin, die sie vom Workshop kennt, immer wieder in den Pausen, da sie regelmäßig durch die Gänge und Klassen spaziert. Manchmal plaudert sie auch ganz ungezwungen mit ihr, und einmal hat sie in der großen Pause sogar UNO mit ihr und ihrer besten Freundin gespielt.

Ahmed kommt mit dem Schulsozialarbeiter einmal bei einem Schulausflug und einmal bei einem Handballturnier ins Gespräch. Es geht um Belangloses, aber sie haben Spaß. Ahmed hätte nicht gedacht, dass sich der Schulsozialarbeiter so für Sport interessiert. Außerdem gefällt ihm, dass er zuhört – egal, worum es geht.

Anlassfälle

Gerhard bekommt unerwartet Schwierigkeiten mit einem Lehrer. Er ist verärgert und weiß nicht, wie er damit umgehen soll. Er möchte so bald wie möglich mit einem erwachsenen Mann darüber reden? Aber mit wem? Er lebt alleine bei seiner Mutter und hat kaum Kontakt zu seinem Vater. Mit Freunden will er nicht darüber sprechen, da es ihm irgendwie peinlich ist. Auch andere Männer, die ihm einfallen, scheinen nicht passend für so ein Gespräch zu sein. Da hat Gerhard eine Idee: „Ich könnte doch nach dem nächsten Drehfußballspiel den Schulsozialarbeiter darauf ansprechen. Der hat uns ja eh immer gesagt, dass er alles vertraulich behandelt.“

Am Wochenende hatte Corinna eine heftige Auseinandersetzung mit ihrem um drei Jahre älteren Freund. Es ging auch um Sex und sie ist völlig verunsichert. Was soll sie machen? Was darf sie machen? Worauf muss sie achten? Viele Fragen gehen ihr durch den Kopf und sie weiß nur, dass sie auf keinen Fall mit den Eltern darüber reden will. Auch mit ihrer besten Freundin kann sie den Vorfall nicht besprechen, da diese ja selbst gerade nicht weiß, was sie mit ihrem Freund machen soll. Außerdem wäre es sicher besser, denkt sie, wenn sie mit einer erwachsenen Frau darüber spricht. Da fällt ihr die sympathische Schulsozialarbeiterin ein.

Ahmed hat eine unglaubliche Erfahrung gemacht: Er hat sich in einen Buben verliebt! Es ist ihm peinlich und er weiß niemanden, mit dem er darüber sprechen kann. Seine Gedanken gehen wild durcheinander: „Soll ich es einfach verschweigen? Was bedeutet das denn überhaupt? Ich muss das jemanden erzählen! Mit dem Klassenlehrer, Freunden und Sportkollegen, seinem Bruder oder gar den Eltern reden? Unmöglich! Aber da gibt es doch noch den Schulsozialarbeiter, der so gut zuhört. Er ist auch eine Ansprechperson, oder?“

Fazit

Die Teilnahme von Schulsozialarbeit an Schulveranstaltungen, unterschiedliche Freizeitangebote, kurzes Fragen nach dem Befinden und „problemfreie“ Gespräche, freundliches und ungezwungenes Auftreten, Spiele und die ständige Präsenz sowie das wiederholt ausgesprochene Unterstützungsangebot sind niederschwellige Maßnahmen, die den SchülerInnen nicht nur in der konkreten Situation gut tun, sondern darüber hinaus die notwendige Grundlage für eine gute Beratung im Bedarfsfall schaffen.

Weiterlesen | Hinterlasse einen Kommentar
2
März
2021

Auf der Suche nach dem Glück…

Auf das Schuljahr bezogen ist der März stets ein durchaus anstrengender Monat. Zwischen Semester- und Osterferien liegt für gewöhnlich nicht viel Zeit. Schularbeiten, Tests und aufkommende Frühlingsgefühle sind meist äußerst schwer unter einen Hut zu bringen. In diesem Jahr aber haben wir den bereits dritten Corona-Lockdown hinter uns, in dem die Kinder Großteils im Distance Learning zu Hause betreut wurden, und nun findet der Unterricht an den Schulen bis auf weiteres auch nur im Schichtbetrieb mit einem Teil der Schüler*innen in den Klassen und dem anderen zu Hause statt. Schulsozialarbeit arbeitet ebenfalls einerseits vor Ort an den Schulen, andererseits verstärkt von zu Hause aus und nutzt hier viele Mittel der virtuellen Kommunikation, um gut mit Schüler*Innnen, Eltern und Erziehungsberechtigten, Lehrer*Innen und Direktor*Innen sowie Kooperationspartner*Innen in Kontakt zu bleiben.

Diese spezielle Situation wirft einige Fragen auf. Wir haben viel Zeit, uns mit uns selbst zu beschäftigen, mit Themen, denen wir uns in der Hektik des Lebens oft nicht widmen. Als Schulsozialarbeiterin versuchte ich, positiv zu bleiben und mit Kraft und guten Worten stets für die Schüler*innen da zu sein, ihnen ein offenes Ohr zu bieten, sie über Teams und auch vor Ort so gut es geht zu begleiten. Und so drängte sich die Frage danach auf, was ich tun kann, um ein wenig Glück zu verbreiten in einer doch außerordentlich schwierigen Zeit.

Aber was ist Glück eigentlich? Viele Male fragte ich die Schüler*innen, was sie denn einmal erreichen wollen? Oft kam darauf die Antwort „glücklich sein“, aber was ist das? Und was kann ich selbst denn dafür tun, um glücklich zu sein? Schauen wir zuerst einmal auf das Wort selbst.

„Das Wort ‚Glück‘ kommt vom mittelniederdeutschen ‚gelucke‘ (ab 12. Jahrhundert) bzw. dem mittelhochdeutschen ‚gelücke‘. Es bedeutete ‚Art, wie etwas endet‘, ‚Art, wie etwas gut ausgeht‘. Glück war demnach der günstige Ausgang eines Ereignisses.“ (Glücksinstitut Berlin o.J., o.S.)

Der Duden definiert Glück wie folgt:

„etwas, was Ergebnis des Zusammentreffens besonders günstiger Umstände ist; besonders günstiger Zufall, günstige Fügung des Schicksals.

angenehme und freudige Gemütsverfassung, in der man sich befindet, wenn man in den Besitz oder Genuss von etwas kommt, was man sich gewünscht hat; Zustand der inneren Befriedigung und Hochstimmung“ (Duden o.J., o.S.)

Was genau Glück nun aber ist kommt aus beiden Definitionen nicht klar und deutlich hervor. Glück ist etwas Allgegenwärtiges. Ein Wort, das wir gerne auch ohne genau Definition verwenden. Viele, wenn nicht alle Menschen, streben nach einem glücklichen Leben. Wir wollen glücklich sein. Aber was bedeutet das? In der Literatur finden sich zahlreiche Abhandlungen über die Thematik. Aristoteles schrieb zum Beispiel eine ganze Abhandlung darüber, Paul Watzlawick drehte die Thematik um und erklärte in seinem Buch „Anleitung zum Unglücklichsein“, was wir jeden Tag alles tun, um dem Glück den Rücken zu kehren. Eines steht aber definitiv fest: Glück ist ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens. Ein erstrebenswerter Bestandteil, der nicht fehlen darf.

Es existieren zahlreiche Anleitungen, Ratgeber und Selbsthilfebücher zum Glück, aber auch diverse Filme, die die Thematik behandeln. Denken wir hier nur an „Das Streben nach Glück“ oder „Eat Pray Love“. Auf der Suche nach sich selbst und der Suche nach dem Glück. Vor Jahren entstand ein wunderbares Projekt „Glück macht Schule“, in dem ein eigenes Unterrichtsfach nur dem Glück gewidmet wurde. Kinder und Jugendliche sollten gezielt lernen, dieses zu erkennen und für sich zu behalten. Während der Lockdowns versuchte Schulsozialarbeit gezielt, die Kinder zu unterstützen, ihnen ein Stück Glück zu vermitteln. Die positiven Dinge im Blick zu behalten, erschien dabei als sehr hilfreich. Aber nicht nur zur Unterstützung anderer, auch für das eigene Wohlbefinden ist es wichtig. Selfcare!

Was tue ich nun täglich für mein persönliches Glück? Insbesondere um so auch andere positiv begleiten zu können?

Hier eine kleine Checkliste für den Alltag. Finde dein Glück, um andere positiv bestärken und begleiten zu können. Die Checkliste stammt von FutureNet 2020 PSB Kompakt 3DG.

  • Ich achte darauf was mir wichtig ist. Ich kenne meine eigenen Werte und stehe für sie ein.

  • Ich sehe meine Erfolge und würdige sie.

  • Ich setze mir Ziele und arbeite stets daran, sie auch zu erreichen.

  • Ich höre auf meine Bedürfnisse.

  • Ich tue mir selbst auch einmal etwas Gutes.

  • Ich kann mit Rückschlägen und Niederlagen umgehen und lerne aus ihnen.

  • Ich kenne meine Grenzen und sorge dafür, dass man sie nicht ständig übertritt.

  • Ich lache gerne und oft.

  • Ich weiß, dass ich Einfluss auf mein Leben nehmen kann.

  • Ich erfreue mich an den kleinen Dingen im Leben.

Das ist hier ein kleiner Auszug aus all den vielen Möglichkeiten, die sich auf das persönliche Glück auswirken. Nicht alle Punkte können gleichzeitig erfüllt werden und auch nicht erfüllt sein. Selbst wenn nur ein Punkt davon gerade einmal so zutrifft, ist es gut sich auf diesen zu fokussieren und den persönlichen Glücksfaktor hier zu stärken. Außerdem empfinde ich es als hilfreich, sich einen dieser Punkte vorzunehmen und sich mit diesen gezielt auseinanderzusetzen. Nicht nur in Privatleben, auch in Beratungen mit den Schüler*innen.

Was auch immer Glück für jeden selbst ist – der tägliche Kaffee, die schnurrende Katze oder die Sterne am Abend –, besonders in schwierigen Zeiten ist es wichtig, sich darauf zu fokussieren und den Glauben an das Glück zu bewahren.

Weiterlesen | Hinterlasse einen Kommentar
23
Februar
2021

#ausgesprochen unaufgeregt

In der täglichen Arbeit von Schulsozialarbeit mit Kindern und vor allem Jugendlichen sind Sexualität und Beziehungen brennende Themen. Der Informationsbedarf dazu ist groß und die Zeit immer zu knapp, weshalb wir froh sind, auch auf Angebote externer Einrichtungen zurückgreifen bzw. verweisen zu können. Besonders positiv aufgefallen ist uns dabei die Arbeit von “lil* – Zentrum für Sexuelle Bildung, Kommunikations- & Gesundheitsförderung”. Gern geben wir daher dem Lil*-Team die Gelegenheit, sich und ihre digitalen Angebote hier selbst vorzustellen.

Unaufgeregt über Sexualität, Beziehungen, Intimität und Identität sprechen und dabei wichtige Informationen vermitteln – das ist das Ziel unserer neuen Webseite ausgesprochen.jetzt. Denn über das Normale zu sprechen kann manchmal ganz schön kompliziert sein.

Ganz digital normal

Besonders Jugendliche nutzen das Internet heute häufig zur Informationssuche. Genauer gesagt: jede zehnte Minute ihrer Zeit online verbringen Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren im Schnitt damit, gezielt nach Informationen zu suchen. Dabei ist vor allem die Videoplattform YouTube sehr beliebt und wird von 90% der Jugendlichen regelmäßig besucht.1 Was Jugendliche allerdings finden, wenn sie im Internet nach Informationen suchen, ist oftmals weder altersadäquat noch faktisch richtig.

Nicht immer lassen sich komplexe Zusammenhänge in Bildern einfacher ausdrücken als durch Worte, aber Worte alleine sind manchmal eben auch nicht genug. In der wahrscheinlich #unaufgeregtesten deutschsprachigen Web- und Video-Enzyklopädie www.ausgesprochen.jetzt verbinden wir deshalb beides miteinander und wollen dadurch eine Möglichkeit schaffen, sich auf #ausgesprochen unverkrampfte Art und Weise mit dem Thema Sexualität beschäftigen zu können.

Hochwertige Sexuelle Bildung für Zuhause

In Pandemie-Zeiten, in denen digitale Medien und der digitale Austausch noch wichtiger geworden sind, bieten wir mit unserer neuen Website #ausgesprochen also nun auch online qualitätsvolle Sexuelle Bildung an.

Hier werden Themen wie erste Male, Menstruation, Pornografie, Konsens, gesunde Beziehungen und noch viele andere aufgegriffen und konkret behandelt.

Diese Videos haben den Vorteil, dass Jugendliche sie anonym und kostenlos anschauen können. Außerdem können sie sich Videos zu genau den Themen aussuchen, die sie gerade interessieren oder beschäftigen. Und wenn eine Passage für sie besonders spannend ist, können sie diese gleich nochmal anschauen. Das geht im echten Leben nicht so einfach. #ausgesprochen schließt damit eine Lücke in deutschsprachigen Bildungsangeboten zu Themen der Sexualität.

… und natürlich auch für uns alle!

Die Webseite #ausgesprochen eignet sich aber nicht nur für Jugendliche. Besonders für Lehrer*innen, Schulsozialarbeiter*innen, Pädagog*innen oder Eltern können die Kurzvideos eine Art Fortbildungs- und Anleitungscharakter haben. Denn zum einen können sich Erwachsene, wenn sie sich die Videos in Ruhe anschauen, selbst ganz persönlich mit den Themen auseinandersetzen, zum anderen können sie am Inhalt der Videos erkennen, welche Fragen Kinder und Jugendlich zu diesem Thema haben und wie diese beantwortet werden könnten.

#ausgesprochen unaufgeregt in der Schulsozialarbeit?!

Unter den Videos finden Besucher*innen der Webseite außerdem verschiedene Zusatzmaterialien, wie etwa eine Infobox, verschiede Reflexionsfragen oder FAQ’s. Diese können gemeinsam mit den Videos in die Praxis mitgenommen werden. Für Schulsozialarbeiter*innen bietet es sich beispielsweise in Einzel- und Beratungssettings an, sich eines der Videos gemeinsam mit dem*der Jugendlichen anzuschauen und dann darüber zu sprechen. Das gleiche funktioniert auch in Gruppensettings gut. Die auf der Webseite bereitgestellten Reflexionsfragen können anschließend dabei helfen, einen Austausch in der Gruppe anzuregen.

In den FAQ’s können Jugendliche Antworten auf häufig gestellte Fragen finden. Schulsozialarbeiter*innen und Lehrer*innen können hier hingegen neue Formulierungen sammeln, die sie vielleicht übernehmen möchten, um selbst Fragen von Schüler*innen leichter beantworten zu können. Auf ausgesprochen.jetzt findet sich außerdem ein Download-Bereich. Hier werden einige Fakten zu einem bestimmten Thema kurz und prägnant zusammengefasst. Diese können heruntergeladen und ebenfalls in der Praxis genutzt werden. Es lohnt sich, von Zeit zu Zeit einen Blick auf die Webseite zu werfen, da immer wieder neue Factsheets verfügbar sein werden.

Und jetzt?

Ihr seid Schulsozialarbeiter*innen oder Lehrer*innen, die gerne mal mit den Videos von #ausgesprochen in der Praxis arbeiten wollen? Super – dann nichts wie los! Und weil wir gerne von Praktiker*innen lernen und unsere Arbeit weiterentwickeln wollen, schreibt uns, wenn ihr Lust habt, gerne eure Erfahrungen per Mail an hallo@liebenslust.at. Wie habt ihr die Videos verwenden können? Was hat für euch gut funktioniert und was weniger gut?

Und falls euer Interesse an Sexueller Bildung jetzt erst so richtig geweckt ist, dann schaut euch doch auf www.zentrumfuersexuellebildung.at unsere anderen Angebote an. Wir bieten Online-Sessions für Multiplikator*innen, unterstützen pädagogische Teams mit sexualpädagogischen Gesprächen (auch digital), kommen (sobald es die Situation um Covid19 wieder erlaubt) mit sexualpädagogischen Workshops an Schulen und bieten verschiedene Aus- und Fortbildungen an. Denn egal ob jugendlich oder erwachsen – Fragen rund um Sexualität, Intimität und Identität begleiten jede*n von uns, und zwar vom Anfang bis zum Ende unseres Lebens.

Wir freuen uns auf Euch!

Euer Lil*-Team

 

Quelle:

1 Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (2019): JIM-Studie 2019. Jugend, Information, Medien. Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger. Online in: https://www.mpfs.de/fileadmin/files/Studien/JIM/2019/JIM_2019.pdf [19.01.2021].

 

 

Weiterlesen | Hinterlasse einen Kommentar
16
Februar
2021

Homeschooling – Wie das Lernen zuhause gut gelingen kann

Mit der Frage, wie das Lernen zuhause gut gelingen könnte, und mit den damit verbundenen Herausforderungen sehen sich viele Eltern/Erziehungsberechtigte schon seit einigen Wochen konfrontiert. Die Lockdown-Situation verlangt den Eltern/Erziehungsberechtigten aber auch den Kindern viel ab. Die Belastung ist enorm groß. In der Beratung versucht die Schulsozialarbeit deshalb, ihnen Tipps und Ideen mitzugeben, die das Lernen zuhause so angenehm wie möglich machen.

Kinder brauchen klare Strukturen und einen festen Rhythmus, denn das gibt ihnen Sicherheit, Geborgenheit und Orientierung. Und das brauchen sie im Moment mehr denn je.

Was genau ist aber ein strukturierter Tagesablauf?

Ein strukturierter Tagesablauf bedeutet, dass es feste und vereinbarte Zeiten für Lern-, Freizeit- und Ruhephasen gibt. Jede der drei Phasen ist wichtig und sollte im Laufe eines Tages vorkommen. Damit das auch gut gelingt, ist eine gute Organisation der genannten Bereiche ausschlaggebend.

Lernphase
Ein Überblick über die Aufgaben und das gemeinsame Erstellen eines Lernplanes erleichtert den Start in den Tag. Die Aufgaben gelten erst als erledigt, wenn sie gespeichert und versendet bzw. abgegeben worden sind. Bereits abgeschlossene Lerneinheiten sollten belohnt werden. Das motiviert das Kind und stärkt das Durchhaltevermögen. Welche Belohnung dafür eingesetzt wird, ist abhängig vom Interesse des Kindes. Beispiele könnten sein: ein Filmabend oder eine Spielestunde mit der ganzen Familie, ein kleiner Ausflug zum Rodeln oder Eislaufen, ein neues Buch oder Spiel, gemeinsam Kuchen backen und vieles mehr.

Wichtig ist, dass Bewegungspausen in die Lernphase eingebaut werden, z.B. spazieren gehen oder kurze Aktivierungsübungen (recken, strecken, hüpfen, Körper ausschütteln, Schulter kreisen,…), und dass kein Handy oder TV verfügbar ist – das Gehirn muss abschalten können, um wieder aufnahmefähig zu sein.

Freizeitphase
Die Freizeitphase beginnt dann, wenn Schule endet. Das muss dem Kind auch so kommuniziert und eine Zeit dafür fixiert werden. Das schafft Orientierung. Wichtig ist, dass das Kind die Freizeitphase gestalten bzw. mitbestimmen darf. Das stärkt das Kind in seinem Selbstwertgefühl und seinem Verantwortungsbewusstsein.

Wichtig ist, dass es geregelte Zeiten für Handy, Tablet und TV gibt und die Nutzung nicht unbegrenzt möglich ist. Kinder werden im Internet oft mit Informationen und Bildern überflutet, die sie noch gar nicht richtig einordnen und verarbeiten können.

Ruhephase
Es gibt viele Möglichkeiten, um zur Ruhe zu kommen. Schlaf ist eine davon. Eindrücke und Erlebnisse sowie neu erworbenes Wissen können im Schlaf verarbeitet und gefestigt werden. Eine feste Schlafenszeit und ein Abendritual sind sehr hilfreich, um den Tag gut abzuschließen. Gleichzeitig geben sie dem Kind Orientierung. Als Abendritual kann ein Buch gelesen werden, gekuschelt, gesungen werden, was auch immer das Kind zur Ruhe bringt und Freude macht.

Alle drei Phasen sind wichtig, um das Lernen zuhause so gut wie möglich gestalten zu können. Und zwar nicht nur für Kinder, sondern auch für Eltern/Erziehungsberechtigte. Organisation bekommt in Zeiten des Lockdowns, aber auch des schulischen Schichtbetriebes eine ganz neue Bedeutung. Für viele Kinder und Eltern/Erziehungsberechtigte ist diese Organisation mit Herausforderungen und manchmal sogar Belastungen verbunden – Belastungen, aus denen wir wieder herauskommen und an denen wir auf jeden Fall wachsen können.

 

 

Weiterlesen | Hinterlasse einen Kommentar
9
Februar
2021

Trotz Corona-Pandemie: Freizeitangebote der Schulsozialarbeit an der MS St. Andrä in Graz

Die Schulsozialarbeit der MS St. Andrä bietet seit jeher kostenlose Freizeitangebote für die Schüler*innen an. Basierend auf den Erfahrungen mit der bereits seit mehreren Jahren etablierten Mädchengruppe (Kooperationsprojekt mit ISOP Schulsozialarbeit im Sozialraum 4 [SR 4]), entstand 2017 auf Initiative der Schulsozialarbeit die Idee, auch im Sozialraum 3 (SR 3) ein spezielles Angebot für Mädchen im Alter von 10 bis 12 Jahren einzurichten, die per Definition (noch) nicht zur Zielgruppe der Einrichtungen der offenen Jugendarbeit gehören. Dabei wurden die Ressourcen im SR3 erhoben und in der Folge ein Kooperationsprojekt mit dem Sozialraumträger Jugend am Werk ins Leben gerufen. 2018 folgte dann auch ein Kooperationsprojekt für Buben in Zusammenarbeit mit ISOP Interkulturelle offene Jugendarbeit und wiederum Jugend am Werk.

Besonderer Vorteil von Freizeitangeboten ist, dass interessierte Kinder ihre Freizeit so in einem sicheren Rahmen und mit ihnen aus dem Schulalltag vertrauten Personen verbringen, gleichzeitig auch Kontakt zu den handelnden Personen der offenen Jugendarbeit sowie der Kinder- und Jugendhilfe aufbauen und dadurch im Idealfall Barrieren gegenüber einer selbstständigen Freizeitgestaltung abgebaut bzw. Brücken zu anderen Einrichtungen geschlagen werden können. Außerdem besteht die Möglichkeit, nachhaltigere Beziehungsarbeit zu leisten, da sich die Kinder außerhalb der Schule in einem völlig anderen Regelrahmen bewegen und das Grundprinzip der Freiwilligkeit schon im Vorhinein für gänzlich neue Rahmenbedingungen sorgt. Die Erfahrungen der letzten Jahre mit diesen Freizeitangeboten sind gekennzeichnet von großem Bedarf, steter Nachfrage und Dankbarkeit vonseiten der Kinder.

Auch zu Beginn dieses Schuljahrs, das unter dem Zeichen der Corona-Pandemie steht, hat sich die Schulsozialarbeit bemüht, Freizeitangebote unter Einhaltung der vorgegebenen Schutzmaßnahmen (Kleingruppen, Abstand, Mund-Nasen-Schutz) anzubieten. Der erste Termin der Mädchengruppe, in dem die Wünsche für Aktivitäten im Rahmen der Freizeitnachmittage erhoben wurden, konnte noch „live“ in einer kleinen Gruppe von sechs Mädchen stattfinden.

Danach wurden die gesetzlichen Vorgaben von Tag zu Tag verschärft, worauf die Schulsozialarbeiterin flexibel reagieren musste, indem sie ihre Pläne spontan änderte. So wurde im SR3 ein weiterer Termin der Mädchengruppe mit nur zwei Mädchen aus derselben Klasse (um Klassenmischungen zu vermeiden) als Schnitzeljagd durchgeführt und der folgende Termin (Tassen bemalen) wurde dann aus denselben Gründen auf den Vormittag in eine soziale Lern-und BE-Stunde verlegt.

Danach kam der Lockdown und Schulsozialarbeit versucht aus dem Homeoffice, die Kinder weiterhin zu unterstützen und zu beraten. Auch die Freizeitangebote wurden in den letzten Wochen beibehalten, jedoch auf online umgestellt. Das Interesse und der Bedarf an den Freizeitangeboten ist nach wie vor gegeben und so wird im Lockdown via MS Teams gemeinsam gekocht, gebacken, gebastelt und gespielt. Auch Bastelpakete wurden versendet und Lebensmittel zugestellt.

Die Beziehungen zu den Kindern werden durch die Online-Mädchen-/Bubengruppe beibehalten sowie vertieft und neue, klassenübergreifende Kontakte können hergestellt werden. Die Schulsozialarbeiterin freut sich, dass sie die Kinder nun so gut online/digital erreichen kann.

Trotz der Erfolge hoffen wir alle aufs Frühjahr, in dem „Live“-Angebote hoffentlich wieder möglich sein werden. Auch wenn sich gezeigt hat, dass Online-Angebote eine gute Ergänzung zum bestehenden Angebot sind, ist das gemeinsame Erleben vor Ort dadurch nicht zu ersetzen.

In diesem Sinne: „Don‘t let distance break your relationships!“
Ein Lächeln wirkt über alle Hindernisse hinweg 😉

Weiterlesen | Hinterlasse einen Kommentar