22
Mai
2019

Zeig dein Gesicht gegen Diskriminierung

Es ehrt mich, dass ich gegen Diskriminierung in der Funktion als Botschafterin der Antidiskriminierungsstelle Steiermark mitmachen darf – im Namen aller ISOP-SchulsozialarbeiterInnen!

👧KINDERRECHTE👦🏾
Soziale Arbeit ist eine Menschenrechtsprofession. Im Bereich Schulsozialarbeit spielen die Kinderrechte eine zusätzlich wichtige Rolle. Kinder und Jugendliche haben einen Anspruch auf förderliche Entwicklungschancen – da haben Diskriminierungen jeglicher Art keinen Platz! Wir fĂĽhlen uns privilegiert die Zukunft unserer Gesellschaft einen StĂĽck auf ihrem Lebensweg begleiten zu dĂĽrfen.
❤️ Sandra Jensen

Foto: Anna Molander

 

 

Weiterlesen | Hinterlasse einen Kommentar
20
Mai
2019

Bubengruppe im Sozialraum 3 in Graz

Die Stadt Graz bietet für Jugendliche und junge Erwachsene im Rahmen der offenen Jugendarbeit viele Möglichkeiten. So wurden etwa in den letzten Jahren einige Jugendzentren neu- bzw. umgebaut, die der Zielgruppe in Kooperation mit anderen Organisationen vielfältige Angebote – von sportlichen Aktivitäten, über gemeinsames Kochen bis hin zu Tonstudios, Berufs- und Ausbildungsberatung und Lernhilfe – offerieren. In der täglichen Arbeit der Schulsozialarbeiter*innen kann jedoch regelmäßig festgestellt werden, dass der Bedarf an Freizeitangeboten auch schon im Kindesalter bzw. vor dem Erreichen des, durch die Träger der offenen Jugendarbeit definierten Alters ihrer Zielgruppe, besteht.

Basierend auf der bereits seit mehreren Jahren etablierten Mädchengruppe, die sich speziell an Mädchen im Alter von 10 bis 12 Jahren richtet, die per Definition noch nicht zur Zielgruppe der Einrichtungen der offenen Jugendarbeit gehören, entstand im Schuljahr 2018/2019 die Idee, auch eine entsprechende Bubengruppe einzurichten. Gemeinsam mit der AG Sozialraum 3, Jugend am Werk, den Kinderfreunden und der Offenen Jugendarbeit der ISOP GmbH wurde ein vielfältiges Programm mit Schwerpunkten erstellt, die interessierte Buben zuvor selbst erarbeitet und festgelegt haben. Diese Schwerpunkte reichen vom gemeinsamen Eislaufen, über einen Filmnachmittag, gemeinsames Kochen bis hin zum Besuch eines Tonstudios und einem gemeinsamen Ausflug in ein Freibad.

Besonderer Vorteil der Bubengruppe ist, dass interessierte Buben ihre Freizeit so in einem sicheren Rahmen, mit ihnen vertrauten Personen aus dem Schulalltag verbringen, gleichzeitig auch Kontakt zu den handelnden Personen der offenen Jugendarbeit und Kinder- und Jugendhilfe aufbauen und dadurch im Idealfall auch Barrieren bzgl. der selbstständigen Freizeitgestaltung abgebaut bzw. Brücken zu anderen Einrichtungen geschlagen werden können. Außerdem besteht die Möglichkeit, nachhaltigere Beziehungsarbeit zu leisten, da sich die Kinder außerhalb der Schule natürlich in einem völlig anderen Regelrahmen bewegen und das Grundprinzip der Freiwilligkeit schon im Vorhinein für gänzlich neue Rahmenbedingungen sorgt. Selbstverständlich wird versucht, alle Freizeitangebote im Rahmen der Bubengruppe für die Kinder und ihre Eltern gratis anzubieten, um das Angebot möglichst niederschwellig zu gestalten.

Die ersten Termine der Bubengruppe zeigten eindeutig, wie groß der Bedarf an einem solchen Angebot ist und wie dankbar die Buben dafür sind. Zusätzlich konnte festgestellt werden, dass die Beziehungsarbeit, die im Rahmen der Freizeitangebote geleistet wird, auch im Schulkontext Früchte trägt und es den Schulsozialarbeiter*innen stark erleichtert, mit den an der Bubengruppe teilnehmenden Kindern zu arbeiten.

Weiterlesen | Hinterlasse einen Kommentar
13
Mai
2019

„Jugend(t)raum“ an der NMS Graz-Engelsdorf

Im Schuljahr 2017/18 entstand die Idee, an der NMS Engelsdorf einen Raum einzurichten, wohin sich SchülerInnen  zurückziehen und wo sich wohlfühlen, unter sich sein oder einfach nur „chillen“ können. Der Wunsch nach Rückzug und mehr Privatsphäre im Schulalltag tauchte mehrmals im SchülerInnenparlament auf, sodass die Schulsozialarbeit gemeinsam mit der Direktorin der NMS Engelsdorf und den KlassensprecherInnen aller Klassen beschloss, einen „Jugendraum“ zu verwirklichen. Hierfür kam das Schulärzte-Zimmer infrage, da es ein wenig genutzter Raum im Schulhaus war (die Funktion des Schulärzte-Zimmers blieb in Absprache mit unserer Schulärztin natürlich erhalten).

Im zweiten Schulhalbjahr wurde begonnen, das Schulärzte-Zimmer mit SchülerInnen umzugestalten, die Wände farbig zu streichen und mit einer Sitzgelegenheit einzurichten. Im BE-Unterricht wurden von einigen SchülerInnen Schablonen für den Schriftzug „JUGEND(T)RAUM“ gefertigt und die Wände damit verziert. Dem Beispiel einer anderen Grazer Schule folgend, in der mit der dortigen ISOP- Schulsozialarbeit so ein Raum für die SchülerInnen zum ersten Mal verwirklicht wurde, haben auch wir unseren Raum nun „Jugend(t)raum“ getauft.

Seit dem Schuljahr 2018/19 ist der Jugend(t)raum nun eröffnet und bietet den SchülerInnen immer dienstags, donnerstags und freitags die Gelegenheit, ihre zweite Hofpause gemeinsam mit der Schulsozialarbeit dort zu verbringen. Meist werden Spiele gespielt und Musik gehört oder es wird einfach nur gequatscht.

Auch wenn es nur 20 Minuten am Schultag sind – für die Kinder bedeutet dies eine Auszeit vom Schulalltag und vom Pausentrubel auf dem Schulhof, ein Zusammensein mit Gleichaltrigen und auch ein näheres Kennenlernen untereinander.

Der Jugend(t)raum ist ein besonders niedrigschwelliges Angebot und es ergibt sich dadurch für die Schulsozialarbeit eine tolle Gelegenheit, auch mit jenen Kindern und Jugendlichen in Kontakt zu treten, die über Beratung oder Freizeitangebote weniger gut erreicht werden können.

Weiterlesen | Hinterlasse einen Kommentar
7
Mai
2019

Achtsamkeit im Arbeitsalltag

Wir achten auf uns und andere

Die Arbeit als SchulsozialarbeiterIn ist eine sehr abwechslungsreiche und herausfordernde Tätigkeit, die phasenweise viel Energie und Zeit in Anspruch nimmt. Genau aus diesem Grund ist es wichtig, dass wir auch gut auf uns selbst achten, um in dieser verantwortungsvollen Tätigkeit so präsent wie möglich zu sein.

Die Arbeitsgruppe mit dem Namen „Achtsamkeit“ entstand genau aus diesem Bedürfnis heraus – nämlich bei Bedarf, die Energiereserven schnell und zuverlässig auftanken zu können. Oder vielleicht sogar noch zielführender, mit im Alltag gut integrierbaren Übungen, die Energiereserven konstant in einem guten Lot zu behalten. Denn auch hier ist nicht Intervention langfristig die zielführende Methode, sondern Prävention.

Jedoch nicht nur wir Erwachsenen stoßen wiederholt an unsere Grenzen, auch Kinder erleben tagtäglich eine Vielzahl an Herausforderungen, denen sie sich stellen müssen. Aus diesem Grund liegt ein weiteres Hauptaugenmerk unserer Arbeitsgruppe auch bei ihnen. Die Übungen solltendaher schnell umsetzbar und sowohl für Kinder- und Jugendliche als auch für Erwachsene geeignet sein, und zwar in der Gruppe ebenso wie im Einzelsetting.

Das neu erworbene Wissen möchten wir in regelmäßigen Abständen auf dem Blog teilen, damit auch Sie angeregt werden, innezuhalten und aufzutanken, damit auch Sie gestärkt den großen und kleinen Herausforderungen des Lebens zu begegnen.

Die Quellen unserer Recherche sind vorrangig BĂĽcher, jedoch gibt es auch im Internet eine Vielzahl an empfehlenswerten, angeleiteten Ăśbungen.

Nachfolgende Übung stammt aus dem Buch „Kinder-Mentaltraining. Kinder für das Leben stärken“ von Saskia Baisch-Zimmer und Gabriela A. Petrig. Das Buch teilt sich in drei Hauptkapitel, zum einen in „Die Grundlagen des Kindermentaltrainings“, zum anderen in „Übungen des Kindermentaltraining“. Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit den Kinderaffirmationskarten „Bärenstarke Gedanken“.

Nun zur angekĂĽndigten Ăśbung:

  • Loslassen nach einer anstrengenden Arbeit
    (geeignet fĂĽr Kinder ab 4 Jahren und Erwachsene )

Diese AtemĂĽbung verfolgt das Ziel, nach einer intensiven Arbeitsphase die Entspannung anzuregen.

Anleitung:

Setz dich bequem auf einen Stuhl und stelle deine Füße nebeneinander auf den Boden. Lege dabei deine Hände auf die Oberschenkel. Stell dir vor, dass du heute schon richtig schwer gearbeitet hast. Vielleicht hast du schwere Dinge getragen, im Garten gearbeitet oder musstest dich in der Schule lange konzentrieren.

Und nun hast du es geschafft – du bist mit deiner Arbeit fertig.

Atme tief durch die Nase ein und halte fĂĽr kurze Zeit den Atem an. Vielleicht zählst du dabei langsam bis 3, wenn du magst. Beug’ dich jetzt mit deinem Oberkörper nach vorne und lass deine Atemluft mit eine tiefen Seufzer aus dir heraus. Scheu dich nicht, lass alle Anstrengungen wegflieĂźen. Gehe mit deine Oberkörper wieder nach oben und atme tief durch die Nase ein. Halte nun wieder fĂĽr kurze Zeit den Atem an und beuge dich deinen Oberkörper wieder nach vorne. Dabei atmest du die Luft mit einem tiefen Seufzer aus. Mach das nun einige Male, solange es dir gut tut.

Lege abschließend deine Hände auf deinen Bauch, atme noch ein paar Mal ruhig ein und aus und fühle dich erfrischt und entspannt.

– – –

Die zweite und dritte Übung haben als Quelle das Buch „Mindful@work. Anleitungen für einen achtsamen Arbeitsalltag“. In diesem Buch von Ralf Braun (2018) sind in sieben Kapiteln kurze Übungen zusammengefasst, die sich mit den Themen Entschleunigung, Pausieren, Sitzen-Stehen-Gehen, Wahrnehmen, was jetzt ist, und den berufsspezifischen Schwerpunkten Teamsitzung und Digitalisierung befassen.

Ralf Braun beschreibt darin den „monkey-mind“ (vgl. Ralf Braun, Mindful@work. Anleitungen für einen achtsamen Arbeitsalltag, Stuttgart 2018, S.46). Dieser aus der buddistischen Tradition entlehnte Begriff steht für den menschlichen Geist, der ab und an herumrennt und nicht stillsitzen kann. Um den Affen zu beruhigen, bekommt er eine Banane. Damit er sich zumindest einem kurzen Augenblick auf das Schälen und Essen dieser konzentrieren muss und somit zur Ruhe kommen kann. Um den menschlichen Geist zu beruhigen, bedarf es ebenso solch einer „Banane“ in Form von Achtsamkeitsübungen. „Die grundlegende Übung der Achtsamkeit besteht im Lenken der Aufmerksamkeit auf den Körper und die im Körper spürbaren Empfindungen“(siehe S. 21). Das bewusstere Wahrnehmen dessen, was gerade ist, ermöglicht bewusstere Entscheidungen hin zu einer Reaktion, die im Hier und Jetzt angemessen ist, und weg von automatisierten Bewertungen der Situation (vgl. Ralf Braun, Mindful@work. Anleitungen für einen achtsamen Arbeitsalltag, Stuttgart 2018, S. 19)

Beispielsweise zwei kurze Übungen – jederzeit und überall anwendbar:

  • Eine Minute in Stille lauschen (siehe S. 38)

Halte eine Minute still und lausche auf die Geräusche, die du in deiner Umgebung oder auch im Inneren deines Körpers wahrnehmen kannst.

  • A-L-I Atmen-Lächeln-Innehalten (siehe S. 38/39)

Unterbrich für eine vorher gewählte Zeit, beispielsweise eine Minute, das, was du gerade tust. Richte nun deine Aufmerksamkeit auf die Atembewegung, die du in deinem Körper spürst. Dabei gilt es nur zu spüren, wie der Körper den Atem bewegt.

Zaubere nun ein deutliches Lächeln auf dein Gesicht und beobachte, wie sich deine Gesichtsmuskulatur verändert.

Verweile nun mit deiner Aufmerksamkeit beim Atmen und Lächeln.

Nach der zuvor festgelegten Zeit setze deine Tätigkeit fort.

Diese Übung hilft dem Körper Glückshormone auszuschütten – ganz ohne Schokolade.

– – –

Diese und die vorhergehende Ăśbung sollen eine kleine Anregung sein, innezuhalten und Energie zu tanken. Viel SpaĂź beim Ăśben.

Weiterlesen | Hinterlasse einen Kommentar
30
April
2019

Perspektivenwechsel fĂĽr mehr Achtsamkeit

In der Lebenswelt Schule treffen Kinder und Jugendliche auf ein sekundäres Bezugs-, Betreuungs- und Beziehungssystem. Viele Bindungstheoretiker bestätigen, dass auch die Beziehung zu sekundären Bezugspersonen bedeutend für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen ist. Diese bringen immer wieder Gefühle, Ängste, Sorgen und belastende Erlebnisse von zu Hause mit und zeigen sich im schulischen System „auffällig“. In der Schule gilt Schulsozialarbeit als wichtiger Ansprechpartner für soziale Problemlagen und andere herausfordernde Themenstellungen der Kinder und Jugendlichen. Schulsozialarbeit wird so viel Vertrauen von Seiten der Kinder und Jugendlichen geschenkt, dass sie in der Lage ist, etwaige Monologe, die in den Köpfen der SchülerInnen geführt werden, zur Sprache zu bringen. Dies wiederum ermöglicht einen Dialog mit den Kindern und Jugendlichen, um einerseits ein vertrauensvolles Beziehungsangebot zu stellen, andererseits aber auch bestmöglich in der inner- und weiterführend in der außerschulischen Lebenswelt der Kinder zu unterstützen und zu vermitteln.

Schulsozialarbeit präsentiert hier einen beispielhaften Monolog eines Schülers. Der innere Monolog soll einerseits die Botschaften, die hinter den offensichtlichen Verhaltensauffälligkeiten und dem Widerstand stecken, übersetzen und andererseits Einblick in die inneren „Gewitter“ von unbeachteten Kindern und Jugendlichen geben.

Ein Perspektivenwechsel kann ein Startschuss zum Dialog sein:

 

Innerer Monolog: Through the eyes of a child
Lebenswelt Schule – Ein Perspektivenwechsel

Er

Während ich die letzten Stufen hinaufgehe werden die Stimmen lauter. Obwohl ich bereits die Pausenhalle betreten habe, die erfüllt ist mit Lachen, drängen meine Stimmen die aufgeregten Klänge in den Hintergrund. Sie sagen mir: „Er hat es auf dich abgesehen. Mach ihn fertig.“ Ich weiß genau von wem sie sprechen. Er sitzt auf dem runden Tisch vor der Klasse. Rund um ihn scharen sich die anderen. Sie sind wie er. Sie feuern ihn an, sie himmeln ihn an. Er hat die Macht. Mein Gesicht verberge ich unter meiner Kapuze.

Du siehst mich nicht. Ich husche einfach schnell an dir vorbei. Nur keine BerĂĽhrungspunkte. Setze dich auf den Platz und versuche ruhig zu atmen.

Ich versuche, die Stimmen abzuwehren. Mein Atem wird flacher als ich dem runden Tisch näherkomme. Ich spüre wie sich seine Blicke in meinen Rücken bohren, obwohl ich nicht zu ihm aufschaue. Ich höre höhnisches Lachen hinter mir. Plötzlich berührt mich jemand am Oberarm. „Zieh sofort die Schuhe aus! Kapuze runter!“ Die Lehrerin erinnert mich an die Schulregeln.

ScheiĂźe, jetzt muss ich nochmal an ihm vorbei. Ich muss mein Gesicht zeigen. Ich kann es nicht. Ich will es nicht.

Wütend reiße ich mich los und hechte in Klassenzimmer. Die haben alle keine Ahnung. Ich würde ja die Regeln befolgen, aber dann müsste ich auch noch an ihr vorbei. Mein Spint liegt auf dem Weg zu ihrem Klassenzimmer. Sie würde mich wertlos und kalt anblicken. Nein sie würde mich nicht anblicken, sie würde direkt durch mich hindurchblicken als hätte ich kein Herz. Als wäre ich kein Mensch. Und die Kapuze, wieso versteht es niemand, sie schützt mich vor den Blicken. Sie ist wie ein Helm, der das Gelächter, die abwertenden Blicke und dieses alberne Kinderlachen abschirmt. Ich hasse es.

„Ich werde deine Eltern anrufen. Du schaffst es nicht einmal dich an die simpelsten Regeln zu halten!“, ruft die Lehrerin mir hinterher als ich panisch auf meinem Stuhl verkrieche.

Mir doch egal. Als wĂĽrde das meine Eltern interessieren. Die kĂĽmmert es doch kein Bisschen, was ich mache. Und wenn ich totgeschlagen werde, das ist denen egal.

Die Klassentür geht zu, endlich Ruhe. Der Unterricht beginnt. Mathematik. Das interessiert mich genauso wenig, wie meine Eltern Interesse an mir zeigen. Ich versuche seinen Blicken zu entkommen. Obwohl wir nicht nebeneinandersitzen, starrt er mich an. Ich spüre es. Eiskalt ist er. „Tu jetzt sofort die Kapuze runter. Hast du noch nie etwas von Respekt gehört?“

Schon wieder diese Lehrerin. Die geht mir sowas von auf die Nerven. Hat die keine anderen Probleme. Die checkt gar nichts. Nicht mal im Traum werde ich die Kapuze runter tun. Soll ich mich ihm ausliefern, seinen Blicken, seinen Hohn, seiner Provokation. Es wird wieder gleich enden. Diesmal aber, werde ich ihn ruhigstellen. Ich habe trainiert. Er wird nicht mehr gewinnen.

„Geh jetzt raus. Ich dulde das in meinem Unterricht nicht. So kann ich nicht unterrichten.“

Was die Lehrerin schon wieder herumstresst, kann ihr doch völlig egal sein, ob ich die Kapuze trage oder nicht. Sie hat mir allerdings die Erlaubnis gegeben, das Klassenzimmer zu verlassen. Endlich kann ich ihm entkommen.

Wortlos stehe ich auf und gehe hinaus. „Nicht einmal zehn Minuten Unterricht und du bist schon draußen? Wieso bemühst du dich nicht?“

Die nächste Lehrerin die mir auf die Nerven geht. Was heißt hier nicht bemühen. Ich bemühe mich, seitdem der Wecker geläutet hat, ihm zu entkommen, ihr zu entkommen, meinem Leben zu entkommen.

Ich antworte ihr nicht und setze mich auf einen freien Sessel. Ich bin müde. Ich lege meinen Kopf auf den Tisch. „Du hast aber keine Freistunde. Mach den Mathe-Zettl, oder willst du wieder ein Jahr wiederholen? Wieso verstehst du nicht, dass du dir selbst dein Leben schwermachst?“

Jetzt redet die Lehrerin noch immer mit mir, dabei habe ich doch gar nichts gesagt. Ich bin doch ruhig auf dem Platz gesessen. Ich bin nur müde. Sie haben den ganzen Abend gestritten. Sich angeschrien, sich beschimpft, ich habe das Geschirr zerspringen gehört. Jedes Mal, wenn etwas zerbricht, spüre ich wie mein Herz dabei kaputt geht. Sie könnten einfach auseinanderziehen, wenn sie sich nicht verstehen. Ich würde bei beiden gleich oft bleiben. Ich liebe sie doch, auch wenn ich sie nicht interessiere.

Ich habe die Frühwarnung auf den Küchentisch gelegt. Mein Vater beschuldigt meine Mutter. Sie wäre an allem schuld, dass ich so ein Trottel bin. „Er ist genauso ein Trottel wie du, das kann er nur von dir haben“, schreit meine Mutter. Ich bin wirklich ein Trottel. Ich schaffe nichts. Ich weiß es. Aber es versteht mich niemand. Keiner hört mir zu. Die könnten einmal meinen Körper tauschen.

„Ich gebe es auf mit dir. Du willst dich ja gar nicht ändern!“ – die Lehrerin spricht immer noch. Ich weiß nicht was sie dazwischen gesagt hat. Ich habe zu viele Gedanken. Ich kann nicht mehr. Diese Stimmen, seine Blicke, seine Provokation. Ich mag nicht im gleichen Gebäude sein wie sie. Sie, mit ihren wunderschönen braunen Augen, dieser unglaubliche Duft, der sie umgibt. Sie hat mich bestimmt auch aufgegeben, weil ich so dumm bin. Ist eigentlich eh klar.

Die Lehrerin hat aufgehört, auf mich einzureden. Endlich. Ich schlieĂźe meine Augen. Im Hintergrund flĂĽstern meine Stimmen immer noch. „Du bist so dumm. Ich wusste du schaffst es wieder nicht. Lass ihn nicht gewinnen. Schlag ihn nieder. Du musst das Blut sehen, dann wird er aufhören.“ …

Die Klassentüren schlagen gegen die Betonmauer. Scheinbar ist die Stunde aus. Hastig stehe ich auf und flüchte aufs Klo. Noch habe ich ihn nicht gesehen. Ich lasse kaltes Wasser über meine Hände laufen, sie sind heiß. Die Klotür geht auf. „Da bist du ja!“ Er steht direkt hinter mir. „Du versteckst dich? Hast du Angst vor mir? Ich mache doch nur Spaß.“ Ich möchte mich nicht umdrehen. Ich weiß wie er mich ansehen wird, mit diesen starren Augen, die sich bis in meine Knochen bohren. Er wird dabei lächeln, weil es ist alles nur Spaß. Ich brauche mehr Wasser, eiskaltes Wasser, bis in meine Hände pocht mein Puls. Ich bekomme kaum Luft. Was mach ich jetzt?

Er tritt mich in die Ferse. „Na komm schon du kleiner Hurensohn. Es passiert dir nichts. Schau mir in die Augen, wenn du dich traust.“ Ich versuche mich an ihm vorbei zu drängen. Er versperrt mir den Weg. „Hast du heute nichts zu sagen?“ „Geh mir aus dem Weg“, rufe ich. „Oh, hast du Angst du kleiner Wixer, machen wir 1 gegen 1. Du wirst wieder verlieren.“ Ich versuche seinen Arm von der Wand zu lösen, um vorbeizukommen, meine Stimmen schreien mich an: „Schlag ihn nieder, bis du das Blut siehst!“ Sein Arm ist wie festgefroren, er ist so stark. „Lasst mich in Ruhe!“, schreie ich alle gleichzeitig an, ihn und meine Stimmen. Er beginnt zu lachen. „Du bist so hoffnungslos. Du bist so ein Opfer. Ich fick deine Mutter!“

Plötzliche Stille. Mein Stimmen sind verstummt. Er sagt nichts mehr. Vor meinen Augen sehe ich tiefrotes Flackern. Meine Hitze hat sich verwandelt. Ich spüre klirrende Kälte, meine Hände sind kalt. Endlich sind alle einmal leise.

Die Klotür wird aufgerissen, zwei seiner Freunde stürmen herein und zerren mich an der Kapuze hinaus. Sie packen mich am Hals. Der eine hält mich so fest, dass ich meinen Puls nun in meinen Schläfen spüre. Ich ringe nach Luft. Der andere tritt auf mich ein. Auf einmal sind sie wieder überall. Aufgeregte Klänge. Alle schreien. Schon wieder. Immer schreien alle. Ich falle zu Boden, ich spüre wie mein Kopf auf den Boden schlägt. Es wird schwarz um mich. Stille.

Sie

Aufgeregt laufen sie zu mir. „Er hat ihn blutig geschlagen. Er war sogar bewusstlos! Dann haben die ihn rausgezerrt. Das ist am Klo passiert. Jetzt ist er auch bewusstlos. Komm schon. Wir müssen in die Pausenhalle.“

Scheiße. Jetzt ist er völlig durchgedreht. Seine Eltern haben sicher wieder gestritten. Der gestörte Junge kann ihn auch nicht in Frieden lassen. Ich muss zu ihm.

Sofort laufe ich mit ihnen in die Pausenhalle. Alle tummeln sich vor dem Klo. Die Lehrer versuchen sich durchzudrängen. „Ruft die Rettung!“, höre ich eine rufen. „Geht in die Klassen. Ihr habt Unterricht!“, ruft eine andere. Ich nähere mich dem Schülerauflauf. Ich dränge mich durch und sehe ihn am Boden liegen. Regungslos. Durch die halboffene Klotür sehe ich den gestörten Jungen liegen. Es läuft Blut über seinen Kopf. Der liegt ebenfalls regungslos am Boden. Alle schreien durcheinander. Ein Lehrer zerrt mich weg. „Geh sofort in deine Klasse!“ „Greif mich nicht an!“, schrei ich als ich mich von ihm losreiße. „Schrei mich nicht an und geh aus dem Weg!“, brüllt er. „Du schreist selbst du Idiot. Das ist mein Freund!“

Die schreien selbst und ich soll leise sein? Als ob ich in die Klasse gehe. Ich liebe ihn. Keiner darf es wissen. Mein Herz ist gebrochen. Lebt er noch? Sag doch was. Mach die Augen auf. Scheiße. Ich hätte ihn nicht verlassen dürfen. Nicht jetzt, wo seine Eltern noch mehr Stress machen. Ich bin schuld.

Meine Gedanken überschlagen sich, während ich zu Allah bete, dass er wieder aufwacht.

 

Abschlussworte

LehrerInnen haben den Auftrag, den Schülerinnen Wissen zu vermitteln. Bestenfalls tun sie das kreativ, flexibel, dynamisch und passgenau für die individuellen Bedürfnisse jedes einzelnen Kindes, was eine große Herausforderung ist! Wenn LehrerInnen sich zusätzlich zum Bildungsauftrag auf weitere Lebenswelten und Themenstellungen, die aus dem außerschulischen Kontext in die Schule mitgebracht werden, konzentrieren und darauf eingehen sollen, stoßen sie immer wieder an ihre Grenzen. Dabei dürfen sie ihre Vorbildwirkung als Erwachsene im Schulsystem auch nicht vergessen.

Für eine gesunde Entwicklung ist das Gefühl von Empathie und Mitgefühl von achtsamen Personen in der Umgebung essentiell – sowohl sie von diesen zu spüren als auch sie zu selbst zu entfalten und zu vertiefen, um in den Kontakten und Beziehungen zu anderen Menschen positive Gefühle zu erlangen und Vertrauen wachsen lassen zu können.  Achtsame Fragen von Seiten der Erwachsenen geben den Kindern und Jugendlichen das Gefühl, beachtet zu werden:

Fragen Sie nach: „Wie geht es dir heute?
Fragen Sie nach: „Wie war dein Tag?
Frage Sie nach: „Was hast du heute gemacht?“

Sagen Sie den Kindern und Jugendlichen:

„Ich mag dich“
„Ich bin stolz auf dich“
„Du schaffst das“
„Schön, dass wir zusammen sind“
„Ich glaube an dich“
„Danke, dass du mir (…) erzählt hast“
„Das hast du gut gemacht“
„Trau dich, du kannst das!“

Haben Sie SpaĂź und nehmen Sie sich Zeit zum Spielen!

 

 

Quelle Achtsamkeitsstudie:

Ziegler, H. & Saalfrank, K. & Siggelkow, B. (2017): Achtsamkeit in Deutschland: Kommen unsere Kinder zu kurz?. Universität Bielefeld.

Presse-Information (2017): „Meine Eltern interessiert das nicht“: Jedes dritte Kind in Deutschland fühlt sich unbeachtet. Presse Beyer.

 

Weiterlesen | 2 Kommentare
24
April
2019

Kinder brauchen Achtsamkeit

Im Jahr 2017 wurde in Deutschland eine Studie zum Thema „Achtsamkeit“ durchgeführt. Der Titel der Studienergebnispräsentation lautete: „Meine Eltern interessiert das nicht“: Jedes dritte Kind in Deutschland fühlt sich unbeachtet.“ Derzeit gibt es keine vergleichbaren Studien für Österreich, dennoch ist anzunehmen, dass sich viele der Kinder und Jugendlichen in Österreich ähnlich fühlen.

Die Studie zeigt auf, dass mangelnde Achtsamkeit gravierende Folgen für die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen hat. Zudem weisen unbeachtete Kinder und Jugendliche Defizite in ihrer Lebenszufriedenheit, Empathiefähigkeit und in ihrem Selbstwert und -vertrauen auf.

Bevor weiter auf die Ergebnisse und Forderungen der Studie eingegangen werden kann, sollte der Begriff Achtsamkeit in Bezug auf das System Familie erläutert werden.

Achtsamkeit meint im Zusammenhang mit der Familie eine „Liebes-Sorge-Beziehung“ („Love-Care-Relationship“). Diese soll Neugier und Interesse am Kind, Akzeptanz zum und für das Kind und Bewusstsein im Sinne der kindlichen Entwicklungen und deren Herausforderungen beinhalten. „Sorge“ meint das Besorgt-Sein und gleichermaßen das Sich-Kümmern um das Kind, wobei Bedingungslosigkeit in allem als Voraussetzung gilt und gegeben sein soll. Die Studie benennt dieses Verhalten als ein „originäres Gut“, was primär im Familiensystem herzustellen ist.

Weiterführend beruht Achtsamkeit auf emotionaler Bedürfnisbefriedigung, Unterstützung im Alltag, Sicherheit in der Elternrolle, Interesse am Wohlergehen und materielle Bedürfnisbefriedigung und soll den Kindern und Jugendlichen Geborgenheit, Vertrauen, Empathie, Mut, Selbstbewusstsein und Lebenszufriedenheit geben. Die Studie hebt hervor, dass Achtsamkeit auch unter ungünstigen Bedingungen möglich ist, denn Bewusstsein, Neugier und Akzeptanz sind keine Frage der Familienstruktur.

Folglich werden ein paar Ergebnisse beispielhaft skizziert:

  • Jede zehnte Familie kann das Gut der Liebe-Sorge-Beziehung fĂĽr ihre Kinder nicht herstellen, wodurch die Kinder zu wenig oder gar keine Achtsamkeit erfahren.

  • Jedes dritte Kind erfährt zu wenig oder keine Achtsamkeit.

  • Jedes dritte Kind und jeder fĂĽnfte Jugendliche fĂĽhlt sich nicht beachtet – das sind 1,9 Mio. Kinder und Jugendliche in Deutschland.

Die im nächsten Schritt angeführten Studienergebnisse verdeutlichen, dass Achtsamkeit nicht im direkten Zusammenhang mit dem sozialen Status steht.

  • Kinder aus einer niedrigen sozialen Schicht:
    9% fühlen sich beachtet, während 28% sich nicht beachtet fühlen.

  • Kinder aus einer mittleren sozialen Schicht:
    35% fühlen sich beachtet, während 39% sich nicht beachtet fühlen.

  • Kinder aus einer hohen sozialen Schicht:
    36% fühlen sich beachtet, während 32% sich nicht beachtet fühlen.

Hiermit untermauert die Studie, dass Achtsamkeit keine Frage des sozialen Status oder der ökonomischen Situation der Familie ist. Dazu nennt sie folgendes Beispiel:

Gemeinsam die Wohnung putzen und dabei gemeinsam Radio hören und Lieder singen ist achtsamer als ein gemeinsamer Zoobesuch, wo die Eltern die ganze Zeit aufs Handy schauen.

Kinder müssen lernen, dass für eine proaktive Selbstbestimmung und adäquate Entwicklung, Empathie und Mitgefühl essenziell sind. Nur durch diese erzeugen Kontakte und Beziehungen zu anderen Menschen positive Gefühle und kann Vertrauen wachsen.

  • 69% der Kinder vertrauen ihren Eltern Ă„ngste und Sorge nicht an,
    bei den Jugendlichen sind es 94%.

Die Studie schlussfolgert, dass „die Gesellschaft nicht mehr mitfühlt. Die Vermittlung von Solidaritätswerten nimmt ab – auch in der Erziehung“.

Wenn Eltern die Ängste ihrer Kinder nicht wahrnehmen oder als unwichtig abtun, lernen Kinder, dass ihre Gefühle nicht wichtig sind. Sie lernen zu schweigen. Dies bezieht sich allerdings auf das verbale Schweigen, denn ihr Verhalten und ihre Handlungsstrategien nach außen schweigen keineswegs – sie werden zu „auffälligen“ Kindern und Jugendlichen.

Eigene emotionale Bedürfnisse wahrzunehmen, sie zu erkennen und zu befriedigen, ist wichtig für die seelische und körperliche Entwicklung des Menschen. Eltern übernehmen das zunächst für die Kinder, indem sie auf die wahrgenommenen Bedürfnisse achtsam und regulierend einwirken. So können Kinder schrittweise ihre eigene emotionale Landkarte kennenlernen und auch Achtsamkeit für sich selbst entwickeln.

Es wird daher mehr Dialog, statt Monolog in der Erziehung gefordert.

 

Quelle Achtsamkeitsstudie:

Ziegler, H. & Saalfrank, K. & Siggelkow, B. (2017): Achtsamkeit in Deutschland: Kommen unsere Kinder zu kurz?. Universität Bielefeld.

Presse-Information (2017): „Meine Eltern interessiert das nicht“: Jedes dritte Kind in Deutschland fühlt sich unbeachtet. Presse Beyer.

 

Weiterlesen | Hinterlasse einen Kommentar
4
April
2019

Der AuĂźenseiter oder die AuĂźenseiterin

Teil 1 des Mobbing-Projekts an der NSMS Trofaiach

Der Schulsozialarbeiter an der NSMS Trofaiach bietet jährlich in den 2. Klassen ein umfassendes Projekt zum Thema Mobbing an. Unter anderem werden folgende Fragen behandelt: Was ist eigentlich Mobbing? Wie kann ich Mobbing vermeiden? Was kann ich tun? Welche Erfahrungen habe ich schon gemacht? Welche rechtlichen Grundlagen gibt es?  Im Rahmen des Projekts werden  diese und andere Fragen dann mit den Kindern bearbeitet.

Im Fokus stehen die Kinder und ihr vorhandenes Wissen beziehungsweise ihre Erfahrungen und der aktuelle Umgang mit Mitschülerinnen und Mitschülern. Das Projekt ist prozessorientiert, das heißt, es wird auf aktuelle Entwicklungen in den Klassen und auf Prozesse, die im Laufe der Workshops ablaufen, bestmöglich eingegangen. Den Abschluss des Projekts bietet ein Abend für die Eltern der Kinder, die an diesen Workshops teilgenommen haben und andere Interessierte mit ExpertInnen.

Das Projekt gliedert sich in vier Teile:

  1. Workshop I – Außenseiter(in)

  2. Workshop II – Mobbing Grundlagen

  3. Workshop III – Cybermobbing und Abschluss

  4. Elternabend

 

Die Sensibilisierung mit der Thematik ganz allgemein steht im Mittelpunkt. Das Einbringen konkreter Erfahrungen hat ebenso Platz wie die experimentelle Auseinandersetzung. Insbesondere im ersten Teil dürfen die Kinder an ihre Grenzen gehen und persönlich Erlebtes und Erfahrenes spielerisch ausleben. Dabei geht es vor allem um den Umgang mit Anderssein und um die eigene Verantwortung in diesem Zusammenhang:

Den Kindern wird die Möglichkeit geboten, einen Außenseiter zu kreieren (gemeinsame Gestaltung eines Plakats „AS“) und diese Figur auch explizit schlecht zu behandeln. Das Zulassen der Beschimpfungen und das „Wirkenlassen“ der Ergebnisse führt zu großen Irritationen und unterschiedlichen Reaktionen.

 

AS mit den Beschimpfungszetteln vor der „Veröffentlichung“

 

Durch das offene Gespräch über die eigene Gefühlswelt und die des (der) betroffenen AS kommt es zur deutlich wahrnehmbaren Sensibilisierung. Die Reaktionen reichen von zur Schau getragener Ignoranz und Humor bis zu absoluter Betroffenheit. Die meisten Kinder nützen dann auch die Chance, sich erneut AS mitzuteilen. Auf die Frage „Was wollt ihr AS jetzt sagen?“ folgen entschuldigende und versöhnliche Aussagen.

 

AS mit den persönlichen Aussagen nach der Sensibilisierung

 

SchlieĂźlich wird versucht, AS zu re-integrieren, indem alle Kinder gebeten werde, AS gleichzeitig und gemeinsam aufzuheben und zu tragen.

In diesem Workshop passiert sicht- und spĂĽrbar sehr viel: Kinder haben merkbar SpaĂź, werden aber zum Teil auch sehr an ihre Grenzen gefĂĽhrt. Sowohl die Beschimpfungen am Anfang als auch der letzte Schritt des gemeinsamen Tragens dienen sehr gut als Grundlage fĂĽr die weitere Behandlung des Themas Mobbing in den darauffolgenden Workshops. Immer wieder wird an dieses Erlebnis erinnert.

 

Konzept, Planung, Organisation und DurchfĂĽhrung des Projekts:

Mag. Alexander KrĂĽckl, MSc., ISOP-Schulsozialarbeiter, 0699 / 14 6000 33, alexander.krueckl@isop.at

Weiterlesen | Hinterlasse einen Kommentar
2
April
2019

R – E – S – P – E – C – T

Im Herbst 2018 entwickelte die 3B Klasse der NMS Algersdorf die Idee, das Thema Respekt kreativ und ausdrucksstark umzusetzen. „Respekt“ wird von den SchülerInnen in der Klasse nicht nur an die Tafel geschrieben, sondern auch gelebt. In der Klasse verbringen unterschiedliche Persönlichkeiten viele gemeinsame Stunden, weshalb ein respektvoller Umgang miteinander umso wichtiger ist .

Die Idee entsprang dem Wunsch, in der Musikstunde Aretha Franklins Song „Respect“ nicht nur zu singen, sondern auch tänzerisch umzusetzen. Schulsozialarbeit konnte eine unglaublich talentierte junge Tänzerin für das Projekt begeistern, Nouhaila el Amine Demnati , eine junge Marokkanerin, die in Graz ein Erasmusjahr absolvierte und die mit den SchülerInnen gemeinsam die Choreografie einstudierte. Dieser erste Projektteil wurde im Herbst/Winter 2018 umgesetzt.

Anfang des Jahres 2019 erarbeiteten die Schulsozialarbeiter der Schule ein Konzept zur thematischen Annährung rund um die umfassende Bedeutung des Wortes „Respekt“. Es erschien uns nötig, einen so bedeutungsschweren Begriff für die SchülerInnen greifbar zu machen. Auch wenn er in der Lebenswelt und Alltagssprache der Jugendlichen ebenso wie der Gesellschaft allgegenwärtig ist, scheint es wegen seiner vielfältigen Bedeutung, je nach Kontext, gar nicht so einfach zu sein, ihn klar zu definieren. Dennoch ist er für ein gemeinsames Miteinander sowohl in einer Gesellschaft als auch im Mikrokosmus Schule unabdinglich.

In einem gemeinsamen Workshop stellten wir zusammen persönliche Statements und auch Erfahrungen rund um das Thema „Respekt“ und „respektvoller Umgang miteinander“ zusammen und versuchten, ein gemeinsames Verständnis des Begriffes und seines breiten Bedeutungsfeldes zu erarbeiten. Die SchülerInnen brachten viele unterschiedliche Erlebnisse ein, sprachen über Situationen aus dem Alltag und über die Schule. Aufgrund der vielen unterschiedlichen Kulturen in der Klasse und Sprachen, die die Jugendlichen sprechen, konnten wir unsere erarbeiteten Statements auch in viele unterschiedliche Sprachen übersetzen. Hier ein paar Auszüge:

„Respekt bedeutet für mich … höflich zu sein.“

„Respekt bedeutet für mich … jeden so zu akzeptieren wie er ist.“

Dank des unglaublichen Engagements der SchülerInnen und der beiden Klassenlehrerinnen Frau Meditz und Frau Tauber wurde dieses Projekt zu etwas ganz Besonderem. Viele gemeinsame Stunden verbrachten wir damit, unser Videoprojekt „Respect“ kreativ umzusetzen und dieses mit Ideen zu füllen. Der interkulturelle Kontext und das Herausarbeiten der Bereicherung dieses Zusammenarbeitens spielten dabei eine große Rolle. Sprachliche und kulturelle Vielfalt,  ihre Akzeptanz und ihre Integration sowie Bereicherung in und für die schulische Lebenswelt sind genau das was RESPEKT ausmacht: ein wertfreies Miteinander und Füreinander.

 

 

Weiterlesen | Hinterlasse einen Kommentar
28
März
2019

Singen ist Vielfalt

Der Schulchor der NMS Dr. Renner

Bereits im Schuljahr 2015/2016 startete an der NMS Dr. Renner das Projekt „Schulchor“, das seit diesem Jahr ein fixes Freizeitangebot ist und von den SchülerInnen freudig angenommen wird.

Die NMS Dr. Renner ist eine integrativ geführte Schule, die auch viele Kinder mit Migrationshintergrund besuchen. So treffen hier viele Kulturen und Sprachen aufeinander, die  gelebt werden wollen.

Kunst und Kultur sind zwei Faktoren, die zu einer positiven, individuellen Entwicklung beitragen und die jedem Menschen, unabhängig von seiner finanziellen Situation, zugänglich sein sollten. Hier setzten die Schulsozialarbeit, engagierte LehrerInnen und vor allem die SchülerInnen selbst an und versuchten zusammen, Interkulturalität, Solidarität und gemeinsame Freude miteinander zu verbinden und in Musik auszudrücken. Dabei sollte vor allem die kognitive sowie auch die sozial-emotionale Ebene der Kinder gefördert und gestärkt werden. Ziel ist es, dass sich die SchülerInnen wöchentlich zum gemeinsamen Singen und Musizieren treffen und so die eigene Persönlichkeit sowie soziale Kompetenzen schulen und zu einem besseren Miteinander beitragen.

Gesungen werden Lieder aus den verschiedensten Kulturen und natĂĽrlich auch in den verschiedensten Sprachen. Dabei wird auch Platz fĂĽr die eigene musikalische Entfaltung gegeben, damit sich jedes Kind auf seine Art und Weise in den Chor einbringen und entfalten kann. Geleitet wird der Schulchor von Herr Mag. Roland Wesp, einen begnadeten Musiker, der den Kindern SpaĂź an der Musik vermittelt.

Dieses Projekt bereitet vielen SchülerInnen sehr viel Freude und bietet ihnen die Möglichkeit, sich selbst besser kennenzulernen, auf andere Acht zu geben und gemeinsam Musik zu machen. Nur durch das große Engagement der SchülerInnen konnte der Schulchor zu einem fixen Bestandteil des Schulalltags werden.

 

 

Weiterlesen | Hinterlasse einen Kommentar
21
März
2019

ISOP-Lehrgang zur interkulturellen (Kompetenz)Bildung 2019/2020

Ein Baustein zur interkulturellen Ă–ffnung

Die österreichische Gesellschaft ist längst und unwiderruflich eine Migrationsgesellschaft, die auch ihrem Schutzauftrag gemäß der Genfer Flüchtlingskonvention nachzukommen hat. Gesellschaft, Arbeitsmarkt und Alltag sind vor diesem Hintergrund durch Heterogenität charakterisiert und die AkteurInnen bzw. RepräsentantInnen des Systems Österreich mit neuen Anforderungen konfrontiert, um der zunehmenden, sich auch ständig verändernden Diversität der Gesellschaft Rechnung tragen zu können.

Andererseits werden die Themen Flucht/Migration – Integration – Diversität – Antidiskriminierung in der Öffentlichkeit häufig zur Polarisierung, Emotionalisierung und Verunsicherung der Bevölkerung verwendet.

Deswegen brauchen Personen, die Menschen mit Migrations- oder Fluchtgeschichte beraten und unterstützen bzw. mit ihnen in ihrem beruflichen Alltag als KundInnen, KlientInnen oder TeilnehmerInnen zu tun haben, eine Möglichkeit, ihre interkulturellen Kompetenzen zu erweitern sowie Probleme und Unsicherheiten zu diskutieren. Weiters bedarf es eines Ortes, an dem diversitätsorientierte und antidiskriminatorische Handlungsstrategien vorgestellt und entwickelt werden können bzw. auch Wege zur interkulturellen Öffnung gefunden werden.

Ein Baustein in der Steiermark dazu ist der berufsbegleitende ISOP-Lehrgang:

BEGINN: APRIL 2019

ZIELE

  • die individuelle Kompetenz in der (Beratungs)Arbeit mit ImmigrantInnen und Schutzsuchenden erhöhen

  • das kulturelle, politische, rechtliche und soziale Hintergrundwissen erweitern

  • vor dem Hintergrund der eigenen (beruflichen) Erfahrungen und Alltagsprobleme mit den ReferentInnen und Teilnehmenden in einen Dialog treten

  • Sicherheit in interkulturellen Zusammenhängen entwickeln

  • Kompetenz zur Einleitung und Weiterentwicklung von interkulturellen und diskriminierungsfreien Ă–ffnungsprozessen erwerben

 

ZIELGRUPPE
Der Lehrgang richtet sich an MitarbeiterInnen von öffentlichen und privaten Einrichtungen aus den Bereichen Soziales, Schule, Jugend, Bildung, arbeitsmarktpolitische Maßnahmen, Flüchtlingsbetreuung, Integration, Gemeinwesen/Verwaltung, SozialpartnerInnen, ehrenamtlich Engagierte

 

AUFBAU & KOSTEN

  • Gruppenfindung Ă  4 Unterrichtseinheiten

  • 10 Seminare Ă  12 Unterrichtseinheiten

  • 2 Reflexionseinheiten Ă  4 und 12 Unterrichtseinheiten

  • Transfergruppenarbeit

  • Einzel- und Gruppencoaching

  • Schriftliche Abschlussarbeit

  • Abschluss mit Zertifikat


TeilnahmegebĂĽhr
: € 580,-

Details unter
http://www.isop.at/2019/lehrgang-zur-interkulturellen-kompetenzbildung-20192020/

 

ANMELDUNG & BERATUNG
Helga Schicho
ISOP Innovative Sozialprojekte GmbH
Dreihackengasse 2, 8020 Graz

Tel. 0316 | 76 46 46-35

E-Mail: helga.schicho@isop.at, www.isop.at

 

Dieses Bildungsangebot ist durch die Weiterbildungsakademie Ă–sterreich akkreditiert.
www.wba.or.at

 

Gefördert von Land Steiermark, Soziales, Arbeit und Integration.

Weiterlesen | Hinterlasse einen Kommentar