4
Mai
2021

Lina Touihri

Hier ein Artikel von Sigrun Karre, der ursprünglich im Megaphon #302 – Mai 2021 erschienen ist. Die dreizehnjährige Lina Touhiri schildet darin sehr offen, wie Coronakrise, Lockdown und Homeschooling sich auf ihr Leben ausgewirkt haben und wie sie darüber denkt.

Wir danken der Autorin, dem Fotografen Arno Friebes sowie der Herausgeberin des Straßenmagazins für die Erlaubnis zur Wiederveröffentlichung auf unserem Blog.

 


 

Derzeit bin ich zweimal in der Woche in der Schule im Präsenzunterricht, die Klasse ist in zwei Gruppen geteilt. Ich habe das Glück, dass meine besten Freunde und ich in einer Gruppe sind. Meine Gruppe hat diese Woche z.B. Mittwoch und Donnerstag, nächste Woche dann Montag und Dienstag Präsenzunterricht. Für die anderen Tage bekommen wir Aufträge, die wir zu Hause erledigen und beim nächsten Unterricht in der Schule abgeben müssen. Manchmal ist das anstrengend und ein wenig kompliziert, aber es geht eigentlich. Wenn man etwas nicht versteht, schreibt man die Lehrerin oder den Lehrer über „Microsoft Teams“ an und bekommt dann meist schnell eine Antwort. Am Anfang, also letztes Jahr, als ich noch in die zweite Klasse ging, war es sehr schwer, aber man gewöhnt sich langsam daran, eigenständig zu arbeiten, und wir haben schon vor dem Lockdown mit dem Programm gearbeitet, da hatten wir an unserer Schule sicher einen Vorteil. Ich habe dann auch von der Schule einen Laptop bekommen, weil mein Bruder in der 1. Klasse auch einen Laptop für das Homeschooling gebraucht hat und wir nur einen hatten.

Früher war ich sehr motiviert, etwas für die Schule zu arbeiten, aber langsam sinkt die Motivation, weil man hat im Lockdown voll viel Stress gehabt in der Schule, die Lehrer haben viel Aufgabe gegeben und man wusste zwischendurch nicht, wo man welche Aufgabe hat. Das war schon ein bisschen stressig. Wenn man etwas Neues lernt, dann finde ich es über den Bildschirm schwieriger, es zu verstehen. Daher ist es gut, dass wir jetzt wieder zweimal in der Woche Unterricht in der Schule haben. Besonders bei Mathematik ist es für mich im Präsenzunterricht leichter. Ein- oder zweimal im Online-Unterricht hat die Lehrerin gesagt, wir sollen unsere Kameras einschalten, da musste ich schnell meine Haare kämen und einen Pulli überziehen. Man saß mehr Zeit alleine am Schreibtisch als früher. Aber man muss eben trotzdem die Zeit finden, rauszugehen am Nachmittag an die frische Luft. Ich versuche da, bewusst eine Routine einzuhalten und dazwischen Pausen zu machen und z.B. nicht zu lange zu schlafen, damit ich den Rhythmus beibehalte.

Ich wohne mit meinen Eltern und meinem jüngeren Bruder in einer Siedlung, da haben wir schon sehr viele Spielmöglichkeiten im Freien und das nütze ich. Ich vermisse es, normalen Unterricht zu haben, sechs Stunden lang die Maske zu tragen, wird mit der Zeit schon anstrengend, oder eben auch mit Maske Schularbeit zu schreiben oder zwischen den Stunden in den dritten Stock zu gehen. Man gewöhnt sich ein bisschen daran, aber es ist schon anstrengend. Es ist schade, dass man sonst seine Freunde nicht treffen kann. Für mich ist es aber kein Problem, im Lockdown viel Zeit mit meiner Familie zu verbringen, wir machen immer was Lustiges, z. B. backen oder spazieren gehen. Ich finde es eigentlich sogar schön, Zeit für die Familie zu haben.

Andere finden das nicht so toll. Manche haben auch Panik und desinfizieren ständig ihre Hände und tragen im Freien eine Maske. Ich verstehe natürlich, dass sie Angst haben, weil besonders ältere Menschen sterben und das schlimm ist. Aber ich finde, man soll auch das Leben leben, natürlich die Maßnahmen befolgen, aber auch irgendwie normal bleiben. Man soll schon auch frische Luft einatmen und genießen und nicht immer nur Maske tragen, das ist nicht so gesund. Ich glaube, wenn es jemandem wegen dem Lockdown nicht so gut geht, dann sollte er versuchen, zu entspannen. Für manche ist es z.B. entspannend, Musik zu hören. Dann beruhigt man sich. Mir hilft auch Rausgehen an die frische Luft, wenn ich traurig bin wegen einer Sache. Wenn man jeden Tag die neuesten Informationen zu Corona liest und jeden Tag liest soundsoviele Fälle oder Tote, dann geht es der Person nicht so gut. Ich versuche, das nicht zu machen, ich kenne Leute, die jeden Tag auf Facebook oder Instagram die neuesten Zahlen anschauen, ich finde das nicht so gut. Vielleicht werden die Leute davon ein bisschen aggressiv, ist mein Eindruck, weil sie haben dann das Gefühl, die Zahlen steigen und sie können nichts machen. Und sie sagen „Oh, mein Gott“ und bekommen negative Gedanken. Ich denke mir, ich bin ein Kind und sollte einfach auch meine Zeit leben. Ich weiß gar nicht genau, was jetzt wieder erlaubt ist, Shopping ist auf jeden Fall erlaubt, aber das mach ich jetzt nicht. Mein Taekwondo-Training findet derzeit online statt, das ist OK, aber es ist jetzt nicht so ganz meines. Man kann da auch nicht so viel springen wie beim normalen Training – wegen der Nachbarn, die unter uns wohnen.

Ich möchte später gerne Volksschullehrerin werden, weil ich kleine Kinder sehr gerne mag und voll niedlich finde und gerne mit ihnen rede oder spiele. Ich habe sehr viele Cousinen und Cousins in Tunesien, die noch klein sind, gefühlt kommen jedes Jahr zwei Neue dazu. Ich bin in Österreich geboren und aufgewachsen, aber meine Eltern stammen aus Tunesien. Wenn ich mit meiner Oma oder Tante telefoniere, dann sagen die man merkt in Tunesien gar nicht, dass Corona existiert, wenn man rausgeht. Sie gehen ganz normal raus und arbeiten auch ganz normal, nicht so wie in Österreich. Aber man bekommt von Corona in den Medien mit. Ich telefoniere mit meiner Großfamilie in Tunesien jeden Tag über Messenger und hoffe sehr, dass ich sie diesen Sommer wieder besuchen kann, ich hab sie vor drei Jahren zuletzt gesehen. Ich habe zu meinen 13. Geburtstag im November keine Party mit meinen Freunden gefeiert, wahrscheinlich wird das dieses Jahr auch nicht möglich sein, das geht eben gerade nicht. Ich wünsche mir, dass wir gesund bleiben und dass die Leute versuchen, sich an die Regeln halten, damit die Zahlen nicht steigen, damit wir bald wieder normal leben und uns normal treffen können.

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27
April
2021

Verlorene Generation?

Wöchentlich werden neue Studien bekannt, die belegen, dass sich die psychische Gesundheit vieler Kinder und Jugendlicher massiv verschlechtert hat. Es mangelt an sozialen Kontakten und am Miteinander. Die Möglichkeiten zu körperlichen Aktivitäten sind seit langer Zeit stark eingeschränkt und wie der Steirische Landesjugendbeirat in einer Stellungnahme feststellt, fällt es auch den Kinder- und Jugendorganisationen immer schwerer, die jungen Leute, die sie besonders in dieser schwierigen Zeit unterstützen können und wollen, zu erreichen.

Die Schule als sozialer Lernort kann nur teilweise besucht werden, gemeinschaftsstiftende Elemente wie beispielsweise Gruppenaktivitäten sind rar. Der seit Februar praktizierte „Schichtbetrieb“ ermöglicht es Schüler*innen, zwei aufeinanderfolgende Tage pro Woche in der Schule anwesend zu sein. Sind die Schüler*innen in der einen Woche am Montag und Dienstag im Unterricht, müssen sie dann bis zum Mittwoch der folgenden Woche, also sieben Tage auf den nächsten Schulbesuch warten. Das sind weitere sieben Tage, in denen viel Zeit am Laptop und am Handy verbracht wird, was oft eine Zunahme der psychischen Beschwerden verursacht.

An den Präsenztagen wird Unterrichtsstoff vermittelt, wird für Schularbeiten und Tests geübt, werden Arbeitsaufträge des Distance Learning vor- und nachbesprochen. Die meisten Lehrer*innen sind hochengagiert und bemühen sich um das Wohl der Kinder und Jugendlichen. Die derzeitigen Rahmenbedingungen erschweren es allerdings, die psychische Verfassung der Schüler*innen wahrzunehmen.

Die vielzitierte Formulierung der „verlorenen Generation“ suggeriert eine geringe Wahrscheinlichkeit auf Veränderung oder Verbesserung der Situation. Offensichtlich ist jedenfalls, dass viele Kinder und Jugendliche Unterstützung brauchen. Sie wollen nicht nur gehört werden – sie brauchen Angebote, die ihnen helfen, sich trotzdem gut und gesund entwickeln zu können.

Diejenigen Kinder und Jugendlichen, die sehr laut auf ihre Probleme aufmerksam machen, bekommen die Aufmerksamkeit eher. Oft passiert das zwar innerschulisch und außerschulisch auf zurechtweisende Art und Weise, aber sie werden gehört. Manch ruhigere Schüler*innen im Blick zu haben, fällt weitaus schwerer. Sie agieren angepasst und rücksichtsvoll, sie halten sich an die Regeln und erledigen ihre Arbeitsaufträge. Fragt man genauer nach, machen sich Einsamkeit und Ängste bemerkbar. Die Symptomatik reicht von Schlafstörungen bis hin zu Selbst- und Fremdgefährdung.

Um für möglichst viele Schüler*innen da sein zu können, ist ein gut aufeinander abgestimmtes Netzwerk notwendig. Innerschulisch bedeutet dies eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Lehrer*innen, mit den Schulleiter*innen, mit den Beratungslehrer*innen, mit den Schulpsycholog*innen, mit den Schulärzt*innen und mit den Jugendcoaches. Durch gute innerschulischer Zusammenarbeit können persönliche und psychische Probleme früher erkannt werden.

In schulsozialarbeiterischen Beratungsgesprächen klären sich manche Problemlagen und durch kleinere Intervention kann eine große Veränderung erzielt werden. Schwerwiegende Probleme bedürfen zusätzlicher außerschulischer Unterstützung. Um dies überhaupt initiieren zu können, brauchen die Schüler*innen Zeit und Raum, um der Schulsozialarbeiterin oder dem Schulsozialarbeiter von ihren Sorgen und den belastenden Themen zu erzählen. Gemeinsam mit der Schülerin oder dem Schüler werden die weiteren Schritte besprochen und Schulsozialarbeit kann zu themenspezifischen Expert*innen vermitteln und begleiten. Wichtig wäre, dass für psychosoziale Angebote ausreichend Ressourcen zur Verfügung stehen und dass auch Angebote von Jugendzentren und anderen niederschwelligen Einrichtungen in Anspruch genommen werden dürfen.

Die Kinder und Jugendlichen wollen großteils nicht als „verlorene Generation“ wahrgenommen werden. Sie sehen sich eher als ein vorerst vergessener oder wenig beachteter Teil der Gesellschaft. Die Corona-Krise und die damit einhergehenden Maßnahmen haben für Schüler*innen zahlreiche negative, aber auch manch positive Auswirkungen mit sich gebracht. Die Belastungen sind unterschiedlich hoch und die soziale Ungleichheit ist wesentlich deutlicher zu erkennen. Es ist dringend notwendig, die Kinder und Jugendlichen mehr im Blick zu haben und die Rahmenbedingungen und Ressourcen für eine gesunde Entwicklung aller zu schaffen!

 

 

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20
April
2021

Wir, das Team Obersteiermark-Ost, haben eine neue Facebook-Seite!

Auf unserer neu eingerichteten Facebook-Seite posten wir wöchentliche Updates zu verschiedensten Themen, welche brandaktuell sind und in unserer Bildungsregion umgesetzt werden.

Unser regionales Angebot umfasst Beratungen und Workshops, Prävention und Intervision, Beitrag zur Sicherung des Schulerfolgs und Chancengleichheit in den Bezirken Bruck/Mur und Leoben.

Unseren Stakeholdern, den Schulen, Lehrer*innen, Erziehungsberechtigten, Schüler*innen, Fördergeber*innen etc. wird die Möglichkeit geboten, auf dem Laufenden zu bleiben. Informationen zu unterschiedlichen Themen wie beispielsweise Projektarbeit, Vernetzungstreffen, Umgang mit Internetkonsum, Workshops sowie Freizeitangebote und vieles mehr können hier eingeholt werden. Ziel ist es, einen guten Überblick über ISOP Schulsozialarbeit im Raum Obersteiermark-Ost zu schaffen.

Zusätzlich hält euch unsere neue Facebook-Seite auch über den ISOP Schulsozialarbeit Blog auf dem neuesten Stand!

Hier ist unser Link zum Stöbern. Schaut‘s vorbei!

https://www.facebook.com/Schulsozialarbeit-Obersteiermark-Ost-100340798555312

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13
April
2021

„Mindful classroom“

Ein Einblick in ein achtsames Klassenzimmer in der Volksschule

Bei einem „mindful classroom“, also einem achtsamen Klassenzimmer, geht es darum, dass Kinder lernen, freundlich miteinander umzugehen sowie achtsam und aufmerksam gegenüber anderen zu sein. Dabei ist es wichtig, dass sie ihre eigenen Ressourcen kennen, um diese sozial kompetent einsetzen zu können, dass sie Mitgefühl und Wertschätzung für andere entwickeln und dass sie lernen mit herausfordernden Situationen umzugehen. Durch aufbauende Übungen, die Schulsozialarbeit im Sozialen Lernen in der Volksschule durchführt, kann ein bewusster, achtsamer und freundlicher Umgang miteinander geübt werden.

Zu Beginn der Sozialen Lernen Stunde findet immer ein Begrüßungsritual statt. Dieses startet mit Atemübungen. Die Kinder stehen hinter ihren Sesseln, legen ihre Hände auf den Bauch und konzentrieren sich auf ihre Atmung. Schulsozialarbeit zählt langsam von eins bis fünf und die Kinder verfolgen aufmerksam ihre eigene Atmung, ihren Bauch wie dieser sich hebt und senkt. Ziel der Übung ist es, dass sie lernen, sich auf sich selbst zu fokussieren und ruhiger zu werden, und so in der Sozialen Lernen Stunde ankommen. Anschließend wird eine Yoga-Übung gemacht wie zum Beipiel der Baum, der Elefant oder die Giraffe. Die Kinder lernen dabei, Gleichgewicht und Stabilität zu finden. Für die Konzentration wird danach eine Brain-Gym-Übung angewendet. Danach legen alle Kinder zum Abschluss des ersten Teils des Begrüßungsrituales wieder ihre Hände auf den Bauch und es wird wieder fünfmal tief ein- und ausgeatmet. Die Kinder setzen sich und das Begrüßungsspiel wird gespielt. Dafür hat Schulsozialarbeit vier Karten mit Begrüßungsformen vorbereitet: Umarmen, High-five (Einklatschen), Fist-Bump (Faustabschlag) und Hände schütteln. Pro Runde wird ein Begrüßungskind ausgewählt, das die Kartenscheibe in der Hand hält. Die restlichen Kinder kommen nach der Reihe zu dem Kind und begrüßen speziell dieses Kind. Sie suchen sich die jeweils für sie passende Begrüßungsform aus. Nachdem alle Kinder das Kind begrüßt haben, wird das Begrüßungskind auch von der Lehrperson und der Schulsozialarbeit begrüßt.

Die Soziale Lernstunde beginnt also immer gleich. Beim Begrüßungsritual lernen die Kinder, sich selbst wahrzunehmen, und dass sich gegenseitig zu begrüßen höflich und respektvoll ist. Zusätzlich lernen sie auch das Wort Ritual kennen. Rituale und Routinen können Kindern Sicherheit vermitteln, sodass sie in unsicheren Situationen dieses Gefühl abrufen lernen.

Anmerkung: in Zeiten von social distancing findet das Begrüßungsritual in einer angepassten Form statt. Die Kinder bleiben auf ihren Plätzen sitzen. Sie haben vier runde Papierkarten vor sich auf denen sie im Vorfeld unterschiedliche Symbole gezeichnet haben. Ein Herz steht für eine gedankliche Umarmung, ein Smiley für ein Lächeln, eine Hand für Einklatschen und ein Hallo für eine freundliche, wertschätzende Begrüßung. Jedes Kind sucht sich, wenn es an der Reihe ist, eine Begrüßungsform aus, wie es die Klasse begrüßen möchte und hält seine Karte hoch.

Um Achtsamkeit füreinander empfinden zu können, ist es wichtig, dass Kinder vor allem sich selbst kennen lernen. Daher verfolgt Schulsozialarbeit im Rahmen des Sozialen Lernens den Ansatz vom Ich zum Wir. Bei der Tankstellen-Übungen beispielsweise lernen die Kinder sich selbst besser kennen und werden sich ihrer eigenen Ressourcen bewusst, um diese sozial kompetent einsetzen zu können. Bei dieser Übung wird die Tankstelle als Metapher verwendet, um Kindern ihre Ressourcen und Energiespender näher zu bringen. Schulsozialarbeit zeichnet eine Tankstelle auf die Tafel und fragt die Kinder, was bei einer Tankstelle passiert (Auto tanken, Auto putzen, Auto waschen, Essen kaufen sind gängige Antworten). Schulsozialarbeit fragt die Kinder, was passiert, wenn ein Auto nicht getankt wird. Antwort: Das Auto kann nicht mehr fahren, es hat keine Energie zum Fahren. Schulsozialarbeit erklärt in weiterer Folge den Kindern, was das Wort „Energie bekommen“ noch alles bedeuten kann und zieht Parallelen zur Tankstelle und dem Tanken des Autos. Die Kinder bemerken im Dialog mit Schulsozialarbeit, dass alle Menschen etwas brauchen, das ihnen Energie gibt. Einerseits Grundbedürfnisse wie Essen und Trinken und andererseits noch weitere Dinge, die helfen, Energie zu bekommen. Die Kinder werden gefragt, was ihnen gut tut, ihnen Energie gibt, wenn sie beispielsweise nach einem langen Schultag müde nach Hause kommen. Gemeinsam werden die Ideen der Kinder auf der Tafel gesammelt. Dabei werden Dinge genannt wie im Park spielen, Fernsehen, kochen, backen, lesen, mit Mama kuscheln, mit Papa Fußball spielen, Musik hören oder machen, tanzen, singen. Die Kinder zeichnen ihre eigene Tankstelle mit allen Energiespendern/Ressourcen, die sie haben und brauchen, damit es ihnen gut geht. Im Anschluss dürfen die Kinder ihre Tankstelle vorstellen, wenn sie das möchten.

Nach vielen weiteren Übungen, bei denen die Kinder sich selbst und ihre eigenen Ressourcen kennenlernen, ist ein wesentlicher Schritt, die eigenen Gefühle benennen sowie die Gefühle der anderen wahrnehmen zu lernen. Durch pantomimisches Darstellen der Gefühle beispielsweise, erfahren die Kinder, dass Gefühle auch durch Körpersprache erkennbar sind und im Körper spürbar sind. Zusätzlich wird daran gearbeitet, was sie selbst für sich tun können, wenn sie gewisse Gefühle haben, positive wie auch negative, aber auch was sie für andere tun können.

Anschließend wird an einem wertschätzenden Umgang miteinander gearbeitet. Eine Übung dazu ist zum Beispiel, die Klassenfeedback-Übung. Die Kinder üben sich darin, sich gegenseitig Rückmeldung zu geben und auch bei unangenehmen Rückmeldungen eine wertschätzende Kommunikation beizubehalten. Dabei liegen Karten mit vier unterschiedlichen Symbolen – Stern, Herz, Blumen und Stopp – in der Mitte eines Sitzkreises. Der Stern steht für „Mir gefällt, dass …“, das Herz für „Danke, dass …“, die Blumen für „Es tut mir leid, dass …“ und das Stopp für „Bitte hör auf, …“. Bevor sich jedes Kind eine Karte nehmen darf, wird besprochen, was die Karten bedeuten und dass die Meldungen der Kinder nicht kommentiert werden. Nachdem jedes Kind eine Karte für sich genommen hat, legen die Kinder nach der Reihe ihre jeweilige Karte zu einem Kind aus der Klasse. Dabei sagt es den Satz, der zur jeweiligen Symbolkarte gehört. Beispiele dafür sind: „Mir gefällt, dass wir heute zusammen gespielt haben“ oder „Bitte hör auf, mich auszulachen!“ Im Anschluss gibt es eine Reflexionsrunde, bei der Schulsozialarbeit mit den Kindern das Gesagte gemeinsam als Klasse bespricht und die Kinder etwas dazu sagen können, wenn sie möchten.

Kinder lernen in einem mindful classroom, freundlich, respektvoll und wertschätzend miteinander umzugehen. Sie werden achtsamer, mitfühlender und empathischer für ihr Gegenüber und stehen Herausforderungen selbstbewusster gegenüber.

 

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6
April
2021

Digitale Medien und Spiele als Suchtgefahr – was ist dran?

Was machen digitale Medien und Computerspiele mit uns allen? Welche Risiken stecken dahinter? Ist ein Jugendlicher süchtig, wenn er mehrmals in der Woche drei Stunden am Stück an der Konsole zockt? Ist das Mädchen, das um 23 Uhr noch am Handy auf Tiktok postet, suchtgefährdet? Welche Möglichkeiten haben wir Erwachsene, zu unterstützen und helfen? Eine ISOP Schulsozialarbeiterin nahm anlässlich dieser Fragen an einer Fortbildung von VIVID – Fachstelle für Suchtprävention teil, in deren Rahmen es um Digitale Medien im Kontext der Suchtprävention ging. Die wichtigsten persönlichen Erkenntnisse teilt sie hier gerne J

In der Schulsozialarbeit arbeiten wir täglich mit Kindern und Jugendlichen. Es ist für uns, aber auch für andere erwachsene Bezugspersonen essentiell, Verständnis für ihre Situation zu haben. Wir sollten die Faszination von digitalen Spielen und Medien kennen und verstehen und uns gleichzeitig deren Risiken bewusst sein. Für uns Erwachsene ist es wichtig, neue Dinge nicht automatisch als „Blödsinn“, „gefährlich“ oder „Zeitverschwendung“ abzuwerten, sondern uns mit dem Thema vertraut zu machen. Hilfreich kann es sein, das Gespräch mit dem Kind bzw. Jugendlichen zu suchen, Interesse zu zeigen (und auch ehrlich zu haben!) und in die Beziehung zu investieren. Neben den üblichen Fragen, wie oft und wie lange ein Jugendlicher spielt, sind noch weitere Fragen wichtig: „Warum spielst du, wie ist deine Stimmung dabei?“, „Was ist für dich so interessant daran?“, „Kannst du dich selbst einschränken?“ und „Leiden andere Interessen/Hobbies darunter?“. Sich ein individuelles Bild von der/dem Jugendlichen zu machen und dann passend zu reagieren, kann Hilfe und Orientierung für die Betroffenen ermöglichen. Gut ist es auch, wenn man mitreden kann! Wir können uns über soziale Plattformen und Online-Spiele informieren, indem wir im Internet recherchieren… Hier ein paar Beispielvideos:

Was ist Tiktok? https://www.youtube.com/watch?v=bcAAC8QIHMc

Was ist Instagram? https://www.youtube.com/watch?v=OKDTg0ZatDc^

Was ist Fortnite Battle Royale? https://www.youtube.com/watch?v=eln9G51bBv4

Was ist Among us? https://www.youtube.com/watch?v=ukkJZbn5jdI

Wie viel ist zu viel? Digitale Medien sind heutzutage nicht mehr wegzudenken – das ist ein Fakt. Es gibt keine „Anzahl“ an Stunden, an der man Sucht festmachen kann. Besonders im Jugendalter ist eine Abstinenz nicht möglich, wenn man Teil der Peer-Group sein will. Gerade wenn persönliche Treffen aufgrund der derzeitigen Situation nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich sind, ist diese Kommunikations- und Unterhaltungsmöglichkeit wichtig und darf nicht „aus Prinzip“ als etwas Schlechtes angesehen werden. Wichtig ist dabei aber, dass junge Menschen einen bewussten Umgang mit Medien erlernen. Das Ziel muss sein, dass die Medien eine Bereicherung und nicht eine Belastung bzw. ein Problem für die Betroffenen sind. Wenn andere Bereiche wie z.B. Familie, Schule, Treffen mit Freunden, Sport nicht drunter leiden, steht einem Spielmarathon nichts im Weg.

Wichtiger als die Frage, wie oft und wie lange Kinder oder Jugendliche online spielen oder Tiktok, Instagram oder WhatsApp benutzen, ist es, sie nach ihrem Befinden zu fragen und ihnen zuzuhören! In einem wertschätzenden Klima können gemeinsam klare Regeln erarbeitet und alternative Beschäftigungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Je älter die Jugendlichen werden, umso mehr Selbstbestimmung sollte ihnen möglich sein. Wenn die (elterliche) Kontrolle mit dem Erwachsenenalter wegfällt, ist die Gefahr einer Abhängigkeit groß, wenn nicht schon in den Jahren davor ein gesunder Umgang erlernt wurde.

Gefährlich wird es, wenn viele Risikofaktoren auf wenig Schutzfaktoren treffen. Risikofaktoren können z.B. eine schwierige familiäre Situation, keine alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten und aktuelle Krisen sein. Schutzfaktoren können z.B. eine ausgeprägte Empathie-Fähigkeit, gute Bewältigungs-und Lösungsstrategien und eine gute Integration in Schule, Vereinen oder ähnlichem sein. Wenn die Herausforderungen, die zum Leben dazugehören größer sind als die Ressourcen, die der junge Mensch in seinem Leben hat, kann es zu einem Ungleichgewicht kommen und die Situation „kippen“. Unsere Aufgabe als Erwachsene ist es, Ressourcen der Schüler*innen und Schutzfaktoren zu finden und zu stärken.

Warum ist das alles eigentlich für die Kinder und Jugendlichen so interessant? Das Spielen von Online-Spielen oder das Sammeln von Likes oder Reaktionen auf Social Media ist darauf ausgelegt, dass das Belohnungssystem aktiviert wird. Und zwar relativ schnell und unkompliziert, was im „echten Leben“ oft mehr Anstrengung und Unsicherheiten bedeutet. Diese Medien sind nämlich so konzipiert und aufgebaut, dass es schwierig ist, aufzuhören. Es gibt selten ein echtes „Ende“ (wie bei einem Brettspiel), oft geht es um die Gemeinschaft und ums „Dazugehören“ zu einer sozialen Gruppe (was den Ausstieg erschwert) und auch um das Bedürfnis, sich zu beweisen oder darzustellen. All dies ist anzuerkennen und kann nicht weggeredet werden. Wiederum gilt es, in einem wertschätzenden Umgang ins Gespräch zu kommen und die eigene Haltung immer wieder zu hinterfragen.

Nicht zu vergessen ist die eigene Vorbildfunktion von uns Erwachsenen. Wenn auch wir bei jeder Nachricht zum Handy greifen und uns vom analogen Leben „ablenken“ lassen, können wir von den Jugendlichen nicht das Gegenteil verlangen. In Familien gilt, dass handyfreie Zeiten (beim Essen, abends und nachts) daher für alle gelten müssen. Das digitale Leben soll eine Ergänzung zum analogen Leben sein, kein Ersatz dafür. Ein kleiner Gedanke dazu: In Schulen gibt es „Handyverbote“ in Unterricht und Pausensituationen, die meist nur für die Schüler*innen gelten – vielleicht sollte das überdacht werden?

Was ist also wichtig, wenn man mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt ist und ein suchtgefährdetes Verhalten vermutet? MITEINANDER REDEN! Das interessierte Gespräch suchen, Verständnis für die Sicht des Gegenübers haben und gemeinsam Ressourcen suchen und Regeln vereinbaren – die dann auch für einen selber gelten sollten.

Dazu ein kurzer Film, der zum kritischen Hinterfragen des eigenen Umgangs mit dem Handy dienen kann… viel Spaß bei dieser Anregung, über sich selbst nachzudenken.

https://youtu.be/qZabjYyr6Vw

 

 

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30
März
2021

Wie Fake News erkennen und mit ihnen umgehen?

Oft ist es eine echte Herausforderung, Informationen und Nachrichten, die wir im Internet lesen und finden, auf ihre Richtigkeit zu überprüfen, vor allem dann, wenn wir von ihnen regelrecht überflutet werden. Die steirische Fachstelle für Jugendinformation und -kommunikation in Graz, LOGO Jugendmanagement, beschäftigt sich unter anderem mit dem Thema Fake News, sprich mit Fehlinformationen im Internet.

Was können wir machen, wenn wir Kettenbriefe gesendet bekommen? Wie können Falschinformationen enttarnt werden und um was handelt es sich bei sogenannten „Hoaxes“?

Um Kinder- und Jugendliche, Erziehungsberechtigte, Pädagog*innen und interessierte Personen dabei zu unterstützen, genau mit diesen Themen umzugehen, sorgt LOGO auch auf seinen Internetseiten für Aufklärung. Konkrete Tipps und Links zum Thema gibt es hier https://www.logo.at/fake-news#. Viel Spaß beim Lesen!

 

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23
März
2021

Lernen und Emotionen

In der Schule fallen Lehrer*innen, neben weiteren wichtigen, teilweise nicht „sichtbaren“ Tätigkeiten zwei Aufgaben zu: Wissen vermitteln und Wissen überprüfen. Im Unterricht spielt sich angesichts dieser Aufträge Vieles gleichzeitig für die Teilnehmer*innen ab. Es wird erzählt, erklärt, zugehört, geschrieben, gegrübelt, nachgefragt und manchmal auch geschwitzt. Und damit ist nicht (nur) die Turnstunde gemeint. Kaum ein*e Schüler*in durchläuft die Schulzeit ohne Bauchgrimmen vor der Mathe-Schularbeit in der zweiten Stunde, schweißnassen Händen vor der mündlichen Geschichte-Prüfung bei Frau Müller oder plötzlich auftretendem Brechreiz vor dem anstehenden Grammatiktest in Englisch.

Wie sich Schüler*innen beim Lernen und Leisten fühlen, sollte grundsätzlich auch im Unterricht Beachtung finden bzw. thematisiert werden. Lehrer*innen sind dabei häufig buchstäblich hin- und hergerissen zwischen ihren rein unterrichtsbezogenen Aufgaben und zahlreichen „nicht-lehrenden“ Tätigkeiten wie Streitschlichten, Kopieren, Korrigieren, Organisieren und vielem anderen mehr. Dabei kommt es (nicht nur) in Lern- und Leistungssituationen maßgeblich darauf an, inwieweit sich Emotionen auf den/die Schüler*in auswirken bzw. er/sie sich derer bewusst wird. Der Einfluss, den Gefühle auf die Lern- und Leistungsfähigkeit und -bereitschaft haben, ist grundsätzlich als groß anzusehen. Schulsozialarbeiter*innen können sich im Rahmen ihrer begleitenden und beratenden Funktion der Problematik annehmen und den Schüler*innen in Kooperation mit Lehrer*innen zu einem gelasseneren und bewussteren Umgang mit den Themen Lernen, Leistung und Stress verhelfen.

Ist die Angst vor Tests und Prüfungen (zu) groß, kann es vorkommen, dass Schüler*innen nicht in der Lage sind, ihr volles Leistungspotential abzurufen; umgekehrt ist es jedoch auch möglich, dass ein kleiner Adrenalinstoß vor der Mathe-Schularbeit dabei hilft, den letzten Rest an Wissen zusammenkratzen und zu Papier bringen zu können. Schulsozialarbeiter*innen unterstützen Schüler*innen in unterschiedlichen Settings dabei, sich unerwünschte und erwünschte Auswirkungen von negativen und positiven Emotionen bewusst zu machen. So können Schüler*innen erkennen, dass es beim Lernen und Leisten unter anderem darauf ankommt, sich selbst wahrzunehmen, zu beobachten, welche Gefühle und Stimmungslagen sie in ihrem Tun beeinflussen und (unbewusst) steuern. Eine sogenannte „chillige“ Stimmung beim Lernen fühlt sich sicherlich angenehm an, kann jedoch verhindern oder zumindest erschweren, dass Lernstoff „hängen“ bleibt. Die (Aus-)Wirkungen von subjektiv negativ oder positiv empfundenen Emotionen auf Lernen und Abrufen von Wissen/Leistung sind folglich nicht immer eindeutig und teilweise sogar paradox. Schulsozialarbeiter*innen können auf das Lernverhalten und den Lernerfolg von Schüler*innen einwirken, indem sie in Beratungen und Workshops bzw. Gruppenangeboten Themen, die Schüler*innen beschäftigen, aufgreifen und den Schüler*innen Zeit und Raum zur Reflexion bieten.

Prüfungsangst und Lernhemmungen sind klassische Themen, mit denen Schulsozialarbeiter*innen im schulischen Alltag häufig konfrontiert werden. Sowohl in Beratungssettings als auch bei Gruppenangeboten bieten Schulsozialarbeiter*innen den Schüler*innen die Gelegenheit, mögliche Gründe für das Aufkommen genannter Emotionen zu erfahren und spielerisch zu lernen, wie man diese regulieren kann. Beispielsweise lernen die Schüler*innen bei der Übung „Befindlichkeitsrunde“, die oft dazu genutzt wird, die Teilnehmer*innen auf einen Workshop einzustimmen, dass Gefühle oft „nur“ erkannt und benannt werden müssen, um über sie „hinwegzukommen“ bzw. besser mit ihnen umgehen zu können.

 

 

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16
März
2021

Spielenachmittag an der MS Eisenerz

Seit das Coronavirus den Alltag auf der Erde, insbesondere auch in österreichischen Schulen auf den Kopf stellt, ist vieles anders und fast immer schwieriger geworden. Das gilt nicht zuletzt für die Arbeit der Schulsozialarbeiter*innen, besonders aber für Freizeitangebote, die nur zu einem sehr kleinen Teil in die digitale Welt verlegt werden können. Wie es bis zum Beginn der Coronakrise war und hoffentlich bald wieder sein wird, zeigt der folgende Beitrag am Beispiel der Eisenerzer Schulen.

In den vergangenen Jahren fanden in Eisenerz zahlreiche, von Schulsozialarbeit organisierte und durchgeführte Freizeitangebote mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten statt. Angebote wie diese sind grundsätzlich kostenlos und freiwillig, weshalb sie zumeist großen Anklang bei den Schüler*innen finden. Bei der Planung und Auswahl der Aktivitäten legt die Schulsozialarbeiterin großen Wert auf ein Mitspracherecht der Mädchen und Buben. Für die Schüler*innen ist es oft eine neue Erfahrung, dass ihre eigenen Ideen und Vorschläge zur Gestaltung der Nachmittage berücksichtigt werden, und das führt zu begeisterter Beteiligung am Mitgestalten.

Besonders hervorzuheben ist ein im Herbst 2019 veranstalteter Spielenachmittag im Rahmen des Buddy-Projekts für Schüler*innen der ersten und vierten Klassen der MS.

Treffpunkt an diesem Tag war der Beratungsraum der Schulsozialarbeiterin, die mit einem Willkommensplakat die Schüler*innen begrüßte und zunächst im Raum versammelte, um den Ablauf des Nachmittags und einige wichtige Regeln zu besprechen. Danach führte die Schulsozialarbeiterin die Buben und Mädchen in ein großes, ehemaliges Klassenzimmer im obersten Stockwerk der Schule. Im Raum selbst erwarteten die Schüler*innen ausgebreitet am Boden bzw. auf den Tischen Spiele aller Art. Viele sehr bekannte Spiele-Klassiker wie „Activity“ und „Twister“, aber auch unbekanntere Varianten wie „Sudoku“ in Form eines großen Holzbretts mit Vertiefungen und dazugehörigen, mit Zahlen versehenen Klötzen warteten auf ihren Einsatz.

Mit großem Vergnügen stimmten die Mädchen und Buben ab, welches Spiel zuerst getestet werden sollte. Die Wahl fiel auf „Activity“, das erfahrungsgemäß besonderen Anklang bei Schüler*innen findet. Vor Spielbeginn wurden gemeinsam die Spielregeln besprochen und die Teams eingeteilt. Bei der Einteilung wurde darauf geachtet, die Gruppen bunt durchzumischen, um eine weitere Gelegenheit zur Annäherung von Groß und Klein, Viert- und Erstklässler*innen bzw. Mädchen und Buben etc. zu bieten.

In den kleinen Pausen zwischendurch gab es für die Teilnehmer*innen die Möglichkeit, sich an der gesunden Jause, die zuvor von der Schulsozialarbeiterin und den Buddys vorbereitet worden war, zu bedienen.

Gegen Ende des Freizeitnachmittags sammelten die Schüler*innen mit der Schulsozialarbeiterin Ideen für weitere Nachmittage, die auf einem Flipchart festgehalten wurden. Abschließend wurde mit vereinten Kräften aufgeräumt und die letzten Überbleibsel der Jause wurden auch noch verspeist.

 

 

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9
März
2021

Wozu niederschwellige Angebote in der Schulsozialarbeit?

Erfahrungen und Überlegungen von einem Schulsozialarbeiter

Alle folgenden Beispiele beruhen auf den Erfahrungen der Schulsozialarbeit, haben sich aber weder in genau der dargestellten Form noch mit den genannten Personen jemals konkret an einer Schule ereignet.

Die Ausgangslage

Gerhard (10) hat kein Interesse an Schulsozialarbeit. Eigentlich weiß er nicht einmal, was das ist, weil er bei der persönlichen Vorstellung der Schulsozialarbeiterin nicht aufgepasst hat.

Corinna (14) hatte vor einem Jahr richtig Spaß bei einem Workshop der Schulsozialarbeit. Sie hat zwar vergessen, worum es damals ging, aber sie erinnert sich noch an die fixen Beratungszeiten und sie weiß, wo der Beratungsraum ist. Sie war jedoch noch nie dort und hat auch nicht vor, dorthin zu gehen. Wozu auch?

Ahmed (15) ist ein aufgeweckter Schüler und sehr beliebt. Es gibt keine Probleme mit ihm. Weder die Klassenlehrerin noch er selbst sehen einen Bedarf, das Beratungsangebot der Schulsozialarbeit in Anspruch zu nehmen.

Alltagsarbeit

Gerhard hat von seinem besten Freund aus der Nebenklasse erfahren, dass es in der Schule einen Drehfußballtisch gibt. Er begleitet ihn zum Spielen und merkt, dass es ihm großen Spaß macht. Außerdem ist der Schulsozialarbeiter, der immer dabei ist, sehr nett. Er kommt immer öfter und meldet sich sogar zu einem Turnier an.

Corinna trifft die nette Schulsozialarbeiterin, die sie vom Workshop kennt, immer wieder in den Pausen, da sie regelmäßig durch die Gänge und Klassen spaziert. Manchmal plaudert sie auch ganz ungezwungen mit ihr, und einmal hat sie in der großen Pause sogar UNO mit ihr und ihrer besten Freundin gespielt.

Ahmed kommt mit dem Schulsozialarbeiter einmal bei einem Schulausflug und einmal bei einem Handballturnier ins Gespräch. Es geht um Belangloses, aber sie haben Spaß. Ahmed hätte nicht gedacht, dass sich der Schulsozialarbeiter so für Sport interessiert. Außerdem gefällt ihm, dass er zuhört – egal, worum es geht.

Anlassfälle

Gerhard bekommt unerwartet Schwierigkeiten mit einem Lehrer. Er ist verärgert und weiß nicht, wie er damit umgehen soll. Er möchte so bald wie möglich mit einem erwachsenen Mann darüber reden? Aber mit wem? Er lebt alleine bei seiner Mutter und hat kaum Kontakt zu seinem Vater. Mit Freunden will er nicht darüber sprechen, da es ihm irgendwie peinlich ist. Auch andere Männer, die ihm einfallen, scheinen nicht passend für so ein Gespräch zu sein. Da hat Gerhard eine Idee: „Ich könnte doch nach dem nächsten Drehfußballspiel den Schulsozialarbeiter darauf ansprechen. Der hat uns ja eh immer gesagt, dass er alles vertraulich behandelt.“

Am Wochenende hatte Corinna eine heftige Auseinandersetzung mit ihrem um drei Jahre älteren Freund. Es ging auch um Sex und sie ist völlig verunsichert. Was soll sie machen? Was darf sie machen? Worauf muss sie achten? Viele Fragen gehen ihr durch den Kopf und sie weiß nur, dass sie auf keinen Fall mit den Eltern darüber reden will. Auch mit ihrer besten Freundin kann sie den Vorfall nicht besprechen, da diese ja selbst gerade nicht weiß, was sie mit ihrem Freund machen soll. Außerdem wäre es sicher besser, denkt sie, wenn sie mit einer erwachsenen Frau darüber spricht. Da fällt ihr die sympathische Schulsozialarbeiterin ein.

Ahmed hat eine unglaubliche Erfahrung gemacht: Er hat sich in einen Buben verliebt! Es ist ihm peinlich und er weiß niemanden, mit dem er darüber sprechen kann. Seine Gedanken gehen wild durcheinander: „Soll ich es einfach verschweigen? Was bedeutet das denn überhaupt? Ich muss das jemanden erzählen! Mit dem Klassenlehrer, Freunden und Sportkollegen, seinem Bruder oder gar den Eltern reden? Unmöglich! Aber da gibt es doch noch den Schulsozialarbeiter, der so gut zuhört. Er ist auch eine Ansprechperson, oder?“

Fazit

Die Teilnahme von Schulsozialarbeit an Schulveranstaltungen, unterschiedliche Freizeitangebote, kurzes Fragen nach dem Befinden und „problemfreie“ Gespräche, freundliches und ungezwungenes Auftreten, Spiele und die ständige Präsenz sowie das wiederholt ausgesprochene Unterstützungsangebot sind niederschwellige Maßnahmen, die den SchülerInnen nicht nur in der konkreten Situation gut tun, sondern darüber hinaus die notwendige Grundlage für eine gute Beratung im Bedarfsfall schaffen.

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2
März
2021

Auf der Suche nach dem Glück…

Auf das Schuljahr bezogen ist der März stets ein durchaus anstrengender Monat. Zwischen Semester- und Osterferien liegt für gewöhnlich nicht viel Zeit. Schularbeiten, Tests und aufkommende Frühlingsgefühle sind meist äußerst schwer unter einen Hut zu bringen. In diesem Jahr aber haben wir den bereits dritten Corona-Lockdown hinter uns, in dem die Kinder Großteils im Distance Learning zu Hause betreut wurden, und nun findet der Unterricht an den Schulen bis auf weiteres auch nur im Schichtbetrieb mit einem Teil der Schüler*innen in den Klassen und dem anderen zu Hause statt. Schulsozialarbeit arbeitet ebenfalls einerseits vor Ort an den Schulen, andererseits verstärkt von zu Hause aus und nutzt hier viele Mittel der virtuellen Kommunikation, um gut mit Schüler*Innnen, Eltern und Erziehungsberechtigten, Lehrer*Innen und Direktor*Innen sowie Kooperationspartner*Innen in Kontakt zu bleiben.

Diese spezielle Situation wirft einige Fragen auf. Wir haben viel Zeit, uns mit uns selbst zu beschäftigen, mit Themen, denen wir uns in der Hektik des Lebens oft nicht widmen. Als Schulsozialarbeiterin versuchte ich, positiv zu bleiben und mit Kraft und guten Worten stets für die Schüler*innen da zu sein, ihnen ein offenes Ohr zu bieten, sie über Teams und auch vor Ort so gut es geht zu begleiten. Und so drängte sich die Frage danach auf, was ich tun kann, um ein wenig Glück zu verbreiten in einer doch außerordentlich schwierigen Zeit.

Aber was ist Glück eigentlich? Viele Male fragte ich die Schüler*innen, was sie denn einmal erreichen wollen? Oft kam darauf die Antwort „glücklich sein“, aber was ist das? Und was kann ich selbst denn dafür tun, um glücklich zu sein? Schauen wir zuerst einmal auf das Wort selbst.

„Das Wort ‚Glück‘ kommt vom mittelniederdeutschen ‚gelucke‘ (ab 12. Jahrhundert) bzw. dem mittelhochdeutschen ‚gelücke‘. Es bedeutete ‚Art, wie etwas endet‘, ‚Art, wie etwas gut ausgeht‘. Glück war demnach der günstige Ausgang eines Ereignisses.“ (Glücksinstitut Berlin o.J., o.S.)

Der Duden definiert Glück wie folgt:

„etwas, was Ergebnis des Zusammentreffens besonders günstiger Umstände ist; besonders günstiger Zufall, günstige Fügung des Schicksals.

angenehme und freudige Gemütsverfassung, in der man sich befindet, wenn man in den Besitz oder Genuss von etwas kommt, was man sich gewünscht hat; Zustand der inneren Befriedigung und Hochstimmung“ (Duden o.J., o.S.)

Was genau Glück nun aber ist kommt aus beiden Definitionen nicht klar und deutlich hervor. Glück ist etwas Allgegenwärtiges. Ein Wort, das wir gerne auch ohne genau Definition verwenden. Viele, wenn nicht alle Menschen, streben nach einem glücklichen Leben. Wir wollen glücklich sein. Aber was bedeutet das? In der Literatur finden sich zahlreiche Abhandlungen über die Thematik. Aristoteles schrieb zum Beispiel eine ganze Abhandlung darüber, Paul Watzlawick drehte die Thematik um und erklärte in seinem Buch „Anleitung zum Unglücklichsein“, was wir jeden Tag alles tun, um dem Glück den Rücken zu kehren. Eines steht aber definitiv fest: Glück ist ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens. Ein erstrebenswerter Bestandteil, der nicht fehlen darf.

Es existieren zahlreiche Anleitungen, Ratgeber und Selbsthilfebücher zum Glück, aber auch diverse Filme, die die Thematik behandeln. Denken wir hier nur an „Das Streben nach Glück“ oder „Eat Pray Love“. Auf der Suche nach sich selbst und der Suche nach dem Glück. Vor Jahren entstand ein wunderbares Projekt „Glück macht Schule“, in dem ein eigenes Unterrichtsfach nur dem Glück gewidmet wurde. Kinder und Jugendliche sollten gezielt lernen, dieses zu erkennen und für sich zu behalten. Während der Lockdowns versuchte Schulsozialarbeit gezielt, die Kinder zu unterstützen, ihnen ein Stück Glück zu vermitteln. Die positiven Dinge im Blick zu behalten, erschien dabei als sehr hilfreich. Aber nicht nur zur Unterstützung anderer, auch für das eigene Wohlbefinden ist es wichtig. Selfcare!

Was tue ich nun täglich für mein persönliches Glück? Insbesondere um so auch andere positiv begleiten zu können?

Hier eine kleine Checkliste für den Alltag. Finde dein Glück, um andere positiv bestärken und begleiten zu können. Die Checkliste stammt von FutureNet 2020 PSB Kompakt 3DG.

  • Ich achte darauf was mir wichtig ist. Ich kenne meine eigenen Werte und stehe für sie ein.

  • Ich sehe meine Erfolge und würdige sie.

  • Ich setze mir Ziele und arbeite stets daran, sie auch zu erreichen.

  • Ich höre auf meine Bedürfnisse.

  • Ich tue mir selbst auch einmal etwas Gutes.

  • Ich kann mit Rückschlägen und Niederlagen umgehen und lerne aus ihnen.

  • Ich kenne meine Grenzen und sorge dafür, dass man sie nicht ständig übertritt.

  • Ich lache gerne und oft.

  • Ich weiß, dass ich Einfluss auf mein Leben nehmen kann.

  • Ich erfreue mich an den kleinen Dingen im Leben.

Das ist hier ein kleiner Auszug aus all den vielen Möglichkeiten, die sich auf das persönliche Glück auswirken. Nicht alle Punkte können gleichzeitig erfüllt werden und auch nicht erfüllt sein. Selbst wenn nur ein Punkt davon gerade einmal so zutrifft, ist es gut sich auf diesen zu fokussieren und den persönlichen Glücksfaktor hier zu stärken. Außerdem empfinde ich es als hilfreich, sich einen dieser Punkte vorzunehmen und sich mit diesen gezielt auseinanderzusetzen. Nicht nur in Privatleben, auch in Beratungen mit den Schüler*innen.

Was auch immer Glück für jeden selbst ist – der tägliche Kaffee, die schnurrende Katze oder die Sterne am Abend –, besonders in schwierigen Zeiten ist es wichtig, sich darauf zu fokussieren und den Glauben an das Glück zu bewahren.

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