24
April
2019

Kinder brauchen Achtsamkeit

Im Jahr 2017 wurde in Deutschland eine Studie zum Thema „Achtsamkeit“ durchgeführt. Der Titel der Studienergebnispräsentation lautete: „Meine Eltern interessiert das nicht“: Jedes dritte Kind in Deutschland fühlt sich unbeachtet.“ Derzeit gibt es keine vergleichbaren Studien für Österreich, dennoch ist anzunehmen, dass sich viele der Kinder und Jugendlichen in Österreich ähnlich fühlen.

Die Studie zeigt auf, dass mangelnde Achtsamkeit gravierende Folgen für die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen hat. Zudem weisen unbeachtete Kinder und Jugendliche Defizite in ihrer Lebenszufriedenheit, Empathiefähigkeit und in ihrem Selbstwert und -vertrauen auf.

Bevor weiter auf die Ergebnisse und Forderungen der Studie eingegangen werden kann, sollte der Begriff Achtsamkeit in Bezug auf das System Familie erläutert werden.

Achtsamkeit meint im Zusammenhang mit der Familie eine „Liebes-Sorge-Beziehung“ („Love-Care-Relationship“). Diese soll Neugier und Interesse am Kind, Akzeptanz zum und für das Kind und Bewusstsein im Sinne der kindlichen Entwicklungen und deren Herausforderungen beinhalten. „Sorge“ meint das Besorgt-Sein und gleichermaßen das Sich-Kümmern um das Kind, wobei Bedingungslosigkeit in allem als Voraussetzung gilt und gegeben sein soll. Die Studie benennt dieses Verhalten als ein „originäres Gut“, was primär im Familiensystem herzustellen ist.

Weiterführend beruht Achtsamkeit auf emotionaler Bedürfnisbefriedigung, Unterstützung im Alltag, Sicherheit in der Elternrolle, Interesse am Wohlergehen und materielle Bedürfnisbefriedigung und soll den Kindern und Jugendlichen Geborgenheit, Vertrauen, Empathie, Mut, Selbstbewusstsein und Lebenszufriedenheit geben. Die Studie hebt hervor, dass Achtsamkeit auch unter ungünstigen Bedingungen möglich ist, denn Bewusstsein, Neugier und Akzeptanz sind keine Frage der Familienstruktur.

Folglich werden ein paar Ergebnisse beispielhaft skizziert:

  • Jede zehnte Familie kann das Gut der Liebe-Sorge-Beziehung für ihre Kinder nicht herstellen, wodurch die Kinder zu wenig oder gar keine Achtsamkeit erfahren.

  • Jedes dritte Kind erfährt zu wenig oder keine Achtsamkeit.

  • Jedes dritte Kind und jeder fünfte Jugendliche fühlt sich nicht beachtet – das sind 1,9 Mio. Kinder und Jugendliche in Deutschland.

Die im nächsten Schritt angeführten Studienergebnisse verdeutlichen, dass Achtsamkeit nicht im direkten Zusammenhang mit dem sozialen Status steht.

  • Kinder aus einer niedrigen sozialen Schicht:
    9% fühlen sich beachtet, während 28% sich nicht beachtet fühlen.

  • Kinder aus einer mittleren sozialen Schicht:
    35% fühlen sich beachtet, während 39% sich nicht beachtet fühlen.

  • Kinder aus einer hohen sozialen Schicht:
    36% fühlen sich beachtet, während 32% sich nicht beachtet fühlen.

Hiermit untermauert die Studie, dass Achtsamkeit keine Frage des sozialen Status oder der ökonomischen Situation der Familie ist. Dazu nennt sie folgendes Beispiel:

Gemeinsam die Wohnung putzen und dabei gemeinsam Radio hören und Lieder singen ist achtsamer als ein gemeinsamer Zoobesuch, wo die Eltern die ganze Zeit aufs Handy schauen.

Kinder müssen lernen, dass für eine proaktive Selbstbestimmung und adäquate Entwicklung, Empathie und Mitgefühl essenziell sind. Nur durch diese erzeugen Kontakte und Beziehungen zu anderen Menschen positive Gefühle und kann Vertrauen wachsen.

  • 69% der Kinder vertrauen ihren Eltern Ängste und Sorge nicht an,
    bei den Jugendlichen sind es 94%.

Die Studie schlussfolgert, dass „die Gesellschaft nicht mehr mitfühlt. Die Vermittlung von Solidaritätswerten nimmt ab – auch in der Erziehung“.

Wenn Eltern die Ängste ihrer Kinder nicht wahrnehmen oder als unwichtig abtun, lernen Kinder, dass ihre Gefühle nicht wichtig sind. Sie lernen zu schweigen. Dies bezieht sich allerdings auf das verbale Schweigen, denn ihr Verhalten und ihre Handlungsstrategien nach außen schweigen keineswegs – sie werden zu „auffälligen“ Kindern und Jugendlichen.

Eigene emotionale Bedürfnisse wahrzunehmen, sie zu erkennen und zu befriedigen, ist wichtig für die seelische und körperliche Entwicklung des Menschen. Eltern übernehmen das zunächst für die Kinder, indem sie auf die wahrgenommenen Bedürfnisse achtsam und regulierend einwirken. So können Kinder schrittweise ihre eigene emotionale Landkarte kennenlernen und auch Achtsamkeit für sich selbst entwickeln.

Es wird daher mehr Dialog, statt Monolog in der Erziehung gefordert.

 

Quelle Achtsamkeitsstudie:

Ziegler, H. & Saalfrank, K. & Siggelkow, B. (2017): Achtsamkeit in Deutschland: Kommen unsere Kinder zu kurz?. Universität Bielefeld.

Presse-Information (2017): „Meine Eltern interessiert das nicht“: Jedes dritte Kind in Deutschland fühlt sich unbeachtet. Presse Beyer.

 

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4
April
2019

Der Außenseiter oder die Außenseiterin

Teil 1 des Mobbing-Projekts an der NSMS Trofaiach

Der Schulsozialarbeiter an der NSMS Trofaiach bietet jährlich in den 2. Klassen ein umfassendes Projekt zum Thema Mobbing an. Unter anderem werden folgende Fragen behandelt: Was ist eigentlich Mobbing? Wie kann ich Mobbing vermeiden? Was kann ich tun? Welche Erfahrungen habe ich schon gemacht? Welche rechtlichen Grundlagen gibt es?  Im Rahmen des Projekts werden  diese und andere Fragen dann mit den Kindern bearbeitet.

Im Fokus stehen die Kinder und ihr vorhandenes Wissen beziehungsweise ihre Erfahrungen und der aktuelle Umgang mit Mitschülerinnen und Mitschülern. Das Projekt ist prozessorientiert, das heißt, es wird auf aktuelle Entwicklungen in den Klassen und auf Prozesse, die im Laufe der Workshops ablaufen, bestmöglich eingegangen. Den Abschluss des Projekts bietet ein Abend für die Eltern der Kinder, die an diesen Workshops teilgenommen haben und andere Interessierte mit ExpertInnen.

Das Projekt gliedert sich in vier Teile:

  1. Workshop I – Außenseiter(in)

  2. Workshop II – Mobbing Grundlagen

  3. Workshop III – Cybermobbing und Abschluss

  4. Elternabend

 

Die Sensibilisierung mit der Thematik ganz allgemein steht im Mittelpunkt. Das Einbringen konkreter Erfahrungen hat ebenso Platz wie die experimentelle Auseinandersetzung. Insbesondere im ersten Teil dürfen die Kinder an ihre Grenzen gehen und persönlich Erlebtes und Erfahrenes spielerisch ausleben. Dabei geht es vor allem um den Umgang mit Anderssein und um die eigene Verantwortung in diesem Zusammenhang:

Den Kindern wird die Möglichkeit geboten, einen Außenseiter zu kreieren (gemeinsame Gestaltung eines Plakats „AS“) und diese Figur auch explizit schlecht zu behandeln. Das Zulassen der Beschimpfungen und das „Wirkenlassen“ der Ergebnisse führt zu großen Irritationen und unterschiedlichen Reaktionen.

 

AS mit den Beschimpfungszetteln vor der „Veröffentlichung“

 

Durch das offene Gespräch über die eigene Gefühlswelt und die des (der) betroffenen AS kommt es zur deutlich wahrnehmbaren Sensibilisierung. Die Reaktionen reichen von zur Schau getragener Ignoranz und Humor bis zu absoluter Betroffenheit. Die meisten Kinder nützen dann auch die Chance, sich erneut AS mitzuteilen. Auf die Frage „Was wollt ihr AS jetzt sagen?“ folgen entschuldigende und versöhnliche Aussagen.

 

AS mit den persönlichen Aussagen nach der Sensibilisierung

 

Schließlich wird versucht, AS zu re-integrieren, indem alle Kinder gebeten werde, AS gleichzeitig und gemeinsam aufzuheben und zu tragen.

In diesem Workshop passiert sicht- und spürbar sehr viel: Kinder haben merkbar Spaß, werden aber zum Teil auch sehr an ihre Grenzen geführt. Sowohl die Beschimpfungen am Anfang als auch der letzte Schritt des gemeinsamen Tragens dienen sehr gut als Grundlage für die weitere Behandlung des Themas Mobbing in den darauffolgenden Workshops. Immer wieder wird an dieses Erlebnis erinnert.

 

Konzept, Planung, Organisation und Durchführung des Projekts:

Mag. Alexander Krückl, MSc., ISOP-Schulsozialarbeiter, 0699 / 14 6000 33, alexander.krueckl@isop.at

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2
April
2019

R – E – S – P – E – C – T

Im Herbst 2018 entwickelte die 3B Klasse der NMS Algersdorf die Idee, das Thema Respekt kreativ und ausdrucksstark umzusetzen. „Respekt“ wird von den SchülerInnen in der Klasse nicht nur an die Tafel geschrieben, sondern auch gelebt. In der Klasse verbringen unterschiedliche Persönlichkeiten viele gemeinsame Stunden, weshalb ein respektvoller Umgang miteinander umso wichtiger ist .

Die Idee entsprang dem Wunsch, in der Musikstunde Aretha Franklins Song „Respect“ nicht nur zu singen, sondern auch tänzerisch umzusetzen. Schulsozialarbeit konnte eine unglaublich talentierte junge Tänzerin für das Projekt begeistern, Nouhaila el Amine Demnati , eine junge Marokkanerin, die in Graz ein Erasmusjahr absolvierte und die mit den SchülerInnen gemeinsam die Choreografie einstudierte. Dieser erste Projektteil wurde im Herbst/Winter 2018 umgesetzt.

Anfang des Jahres 2019 erarbeiteten die Schulsozialarbeiter der Schule ein Konzept zur thematischen Annährung rund um die umfassende Bedeutung des Wortes „Respekt“. Es erschien uns nötig, einen so bedeutungsschweren Begriff für die SchülerInnen greifbar zu machen. Auch wenn er in der Lebenswelt und Alltagssprache der Jugendlichen ebenso wie der Gesellschaft allgegenwärtig ist, scheint es wegen seiner vielfältigen Bedeutung, je nach Kontext, gar nicht so einfach zu sein, ihn klar zu definieren. Dennoch ist er für ein gemeinsames Miteinander sowohl in einer Gesellschaft als auch im Mikrokosmus Schule unabdinglich.

In einem gemeinsamen Workshop stellten wir zusammen persönliche Statements und auch Erfahrungen rund um das Thema „Respekt“ und „respektvoller Umgang miteinander“ zusammen und versuchten, ein gemeinsames Verständnis des Begriffes und seines breiten Bedeutungsfeldes zu erarbeiten. Die SchülerInnen brachten viele unterschiedliche Erlebnisse ein, sprachen über Situationen aus dem Alltag und über die Schule. Aufgrund der vielen unterschiedlichen Kulturen in der Klasse und Sprachen, die die Jugendlichen sprechen, konnten wir unsere erarbeiteten Statements auch in viele unterschiedliche Sprachen übersetzen. Hier ein paar Auszüge:

„Respekt bedeutet für mich … höflich zu sein.“

„Respekt bedeutet für mich … jeden so zu akzeptieren wie er ist.“

Dank des unglaublichen Engagements der SchülerInnen und der beiden Klassenlehrerinnen Frau Meditz und Frau Tauber wurde dieses Projekt zu etwas ganz Besonderem. Viele gemeinsame Stunden verbrachten wir damit, unser Videoprojekt „Respect“ kreativ umzusetzen und dieses mit Ideen zu füllen. Der interkulturelle Kontext und das Herausarbeiten der Bereicherung dieses Zusammenarbeitens spielten dabei eine große Rolle. Sprachliche und kulturelle Vielfalt,  ihre Akzeptanz und ihre Integration sowie Bereicherung in und für die schulische Lebenswelt sind genau das was RESPEKT ausmacht: ein wertfreies Miteinander und Füreinander.

 

 

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28
März
2019

Singen ist Vielfalt

Der Schulchor der NMS Dr. Renner

Bereits im Schuljahr 2015/2016 startete an der NMS Dr. Renner das Projekt „Schulchor“, das seit diesem Jahr ein fixes Freizeitangebot ist und von den SchülerInnen freudig angenommen wird.

Die NMS Dr. Renner ist eine integrativ geführte Schule, die auch viele Kinder mit Migrationshintergrund besuchen. So treffen hier viele Kulturen und Sprachen aufeinander, die  gelebt werden wollen.

Kunst und Kultur sind zwei Faktoren, die zu einer positiven, individuellen Entwicklung beitragen und die jedem Menschen, unabhängig von seiner finanziellen Situation, zugänglich sein sollten. Hier setzten die Schulsozialarbeit, engagierte LehrerInnen und vor allem die SchülerInnen selbst an und versuchten zusammen, Interkulturalität, Solidarität und gemeinsame Freude miteinander zu verbinden und in Musik auszudrücken. Dabei sollte vor allem die kognitive sowie auch die sozial-emotionale Ebene der Kinder gefördert und gestärkt werden. Ziel ist es, dass sich die SchülerInnen wöchentlich zum gemeinsamen Singen und Musizieren treffen und so die eigene Persönlichkeit sowie soziale Kompetenzen schulen und zu einem besseren Miteinander beitragen.

Gesungen werden Lieder aus den verschiedensten Kulturen und natürlich auch in den verschiedensten Sprachen. Dabei wird auch Platz für die eigene musikalische Entfaltung gegeben, damit sich jedes Kind auf seine Art und Weise in den Chor einbringen und entfalten kann. Geleitet wird der Schulchor von Herr Mag. Roland Wesp, einen begnadeten Musiker, der den Kindern Spaß an der Musik vermittelt.

Dieses Projekt bereitet vielen SchülerInnen sehr viel Freude und bietet ihnen die Möglichkeit, sich selbst besser kennenzulernen, auf andere Acht zu geben und gemeinsam Musik zu machen. Nur durch das große Engagement der SchülerInnen konnte der Schulchor zu einem fixen Bestandteil des Schulalltags werden.

 

 

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21
März
2019

ISOP-Lehrgang zur interkulturellen (Kompetenz)Bildung 2019/2020

Ein Baustein zur interkulturellen Öffnung

Die österreichische Gesellschaft ist längst und unwiderruflich eine Migrationsgesellschaft, die auch ihrem Schutzauftrag gemäß der Genfer Flüchtlingskonvention nachzukommen hat. Gesellschaft, Arbeitsmarkt und Alltag sind vor diesem Hintergrund durch Heterogenität charakterisiert und die AkteurInnen bzw. RepräsentantInnen des Systems Österreich mit neuen Anforderungen konfrontiert, um der zunehmenden, sich auch ständig verändernden Diversität der Gesellschaft Rechnung tragen zu können.

Andererseits werden die Themen Flucht/Migration – Integration – Diversität – Antidiskriminierung in der Öffentlichkeit häufig zur Polarisierung, Emotionalisierung und Verunsicherung der Bevölkerung verwendet.

Deswegen brauchen Personen, die Menschen mit Migrations- oder Fluchtgeschichte beraten und unterstützen bzw. mit ihnen in ihrem beruflichen Alltag als KundInnen, KlientInnen oder TeilnehmerInnen zu tun haben, eine Möglichkeit, ihre interkulturellen Kompetenzen zu erweitern sowie Probleme und Unsicherheiten zu diskutieren. Weiters bedarf es eines Ortes, an dem diversitätsorientierte und antidiskriminatorische Handlungsstrategien vorgestellt und entwickelt werden können bzw. auch Wege zur interkulturellen Öffnung gefunden werden.

Ein Baustein in der Steiermark dazu ist der berufsbegleitende ISOP-Lehrgang:

BEGINN: APRIL 2019

ZIELE

  • die individuelle Kompetenz in der (Beratungs)Arbeit mit ImmigrantInnen und Schutzsuchenden erhöhen

  • das kulturelle, politische, rechtliche und soziale Hintergrundwissen erweitern

  • vor dem Hintergrund der eigenen (beruflichen) Erfahrungen und Alltagsprobleme mit den ReferentInnen und Teilnehmenden in einen Dialog treten

  • Sicherheit in interkulturellen Zusammenhängen entwickeln

  • Kompetenz zur Einleitung und Weiterentwicklung von interkulturellen und diskriminierungsfreien Öffnungsprozessen erwerben

 

ZIELGRUPPE
Der Lehrgang richtet sich an MitarbeiterInnen von öffentlichen und privaten Einrichtungen aus den Bereichen Soziales, Schule, Jugend, Bildung, arbeitsmarktpolitische Maßnahmen, Flüchtlingsbetreuung, Integration, Gemeinwesen/Verwaltung, SozialpartnerInnen, ehrenamtlich Engagierte

 

AUFBAU & KOSTEN

  • Gruppenfindung à 4 Unterrichtseinheiten

  • 10 Seminare à 12 Unterrichtseinheiten

  • 2 Reflexionseinheiten à 4 und 12 Unterrichtseinheiten

  • Transfergruppenarbeit

  • Einzel- und Gruppencoaching

  • Schriftliche Abschlussarbeit

  • Abschluss mit Zertifikat


Teilnahmegebühr
: € 580,-

Details unter
http://www.isop.at/2019/lehrgang-zur-interkulturellen-kompetenzbildung-20192020/

 

ANMELDUNG & BERATUNG
Helga Schicho
ISOP Innovative Sozialprojekte GmbH
Dreihackengasse 2, 8020 Graz

Tel. 0316 | 76 46 46-35

E-Mail: helga.schicho@isop.at, www.isop.at

 

Dieses Bildungsangebot ist durch die Weiterbildungsakademie Österreich akkreditiert.
www.wba.or.at

 

Gefördert von Land Steiermark, Soziales, Arbeit und Integration.

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19
März
2019

„Ei-Rettung“ im Team

Rohe Eier aus dem Fenster werfen und dabei noch was lernen?! Warum Teamwork nicht immer „fad“ sein muss.

Als sogenannter „Eierfall“ wird eine pädagogische Methode bezeichnet, die aufgrund ihrer originellen Aufgabenstellung zur Vermittlung von sozialen bzw. persönlichen Kompetenzen (nicht nur) in Schulen eingesetzt wird. Dabei werden die Teilnehmenden vor eine anspruchsvolle Aufgabe gestellt, die sie am ehesten im Austausch miteinander lösen können. Viele Kinder begegnen aufgrund schlechter Erfahrungen im Unterricht Gruppenarbeiten mit Skepsis. Der „Eierfall“ bietet die Möglichkeit, gruppenbezogenen Aktivitäten motivierend und lustig zu gestalten, um Neugier bei den SchülerInnen zu wecken.

SchülerInnen einer dritten Klasse der NMS Eisenerz stellten sich der Herausforderung, ein Ei in vorgegebener Zeit so zu verpacken, dass es einen „Flug“ aus dem zweiten Stock des Schulgebäudes unversehrt übersteht. Im Rahmen eines zweistündigen Workshops wurden die Mädchen und Buben dazu ermutigt, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen bzw. ihre Problemlösungskompetenzen und Kooperationsfähigkeit unter Beweis zu stellen. Spielerisch und ohne Bewertungsdruck sollten die Jugendlichen lernen, sich schwierigen Situationen zu stellen und klassische Denkmuster zu überwinden, um kreative Lösungswege beschreiten zu können.

In einem ersten Schritt bekamen die in fünf Vierergruppen eingeteilten SchülerInnen das vorgesehene Material von der Schulsozialarbeiterin, die die Übung anleitete. Außer Papier, Strohhalmen, Schnur, Luftballon und Klebeband durfte nichts verwendet werden, aber ansonsten waren der Fantasie bei der Konstruktion der potentiellen Flugobjekte keine Grenzen gesetzt.

In der nächsten Phase der Übung erhielten die Teams den Auftrag, einen Plan ihres „Ei-Rettungs-Systems“ zu entwerfen. Angeregte Diskussionen bzw. lebhafte Verhandlungen in den Gruppen bzw. zwischen den einzelnen Teammitgliedern, über die Frage, wie der ominöse Apparat zur Ei-Rettung schlussendlich auszusehen hat, waren ausdrücklich erwünscht. Dabei war es gleichermaßen von Bedeutung, im Team Entscheidungen zu treffen, ohne die Bedürfnisse und Interessen der anderen außer Acht zu lassen. Um die Übung erfolgreich meistern zu können, war es unumgänglich, unterschiedliche Herangehensweisen an das Problem zumindest in Betracht zu ziehen.

Die SchülerInnen hatten in der darauffolgenden Bauphase 40 Minuten Zeit, ihr Konzept zu realisieren. Im intensiven Arbeitsprozess und Austausch in den Kleingruppen lernten die Buben und Mädchen unterschiedliche Denk- und Herangehensweisen kennen und bemerkten schnell, dass das Akzeptieren und gemeinsame Bewerten von alternativen Lösungsmöglichkeiten bei der Bewältigung der Aufgabe von Vorteil war. Bei der Betrachtung der entstandenen Modelle wurde klar, dass hinsichtlich Originalität und Qualität ein Gruppenvorteil bestand. Vielfältige Ideen und Ansätze konnten zu erstaunlichen Objekten zusammengeführt werden. Stolz ließen sich manche Teams noch einen Namen für ihr Werk einfallen.

Als Höhepunkt und gleichzeitig Abschluss des Workshops ließen die SchülerInnen ihre Flugmaschinen samt „Passagieren“ aus dem zweiten Stock starten – es gab Überlebende, auch welche, die es nicht geschafft haben.

Spaß hat es gemacht, etwas Neues auszuprobieren, darin waren und sind sich alle einig.

 

 

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11
März
2019

Freizeitangebot „Ich bin bärenstark“

An der NMS Straßgang treffen Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Lebenswelten aufeinander: Manche haben ihre eigene Migrationsgeschichte, andere tragen die ihrer Elterngeneration noch in sich; teils kommen sie aus dem städtischen Ballungsraum, teils sind sie im ländlichen Gebiet wohnhaft; Einzelkinder treffen auf Kinder und Jugendliche aus Großfamilien u.v.m. So unterschiedlich ihre Lebenswelten auch sein mögen, für das Freizeitangebot „Ich bin bärenstark“ gab es den gemeinsamen Schwerpunkt:

Stärkung des Selbstwerts und Selbstvertrauen wie auch Stärkung des Wir-Gefühls als Gruppe.

Am Freizeitangebot teilgenommen haben SchülerInnen aus den 1. und 2. Klassen der NMS Straßgang. Sie wurden einerseits durch die Schulsozialarbeiterin selbst sowie nach Gesprächen mit den Klassenvorständinnen ausgewählt. Insgesamt waren es 10 Buben und 2 Mädchen, die immer donnerstags am Nachmittag freiwillig und mit großer Begeisterung beim Freizeitangebot dabei waren.

Inhaltlich begann jede der sechs Einheiten mit ein oder zwei selbstwertstärkenden Übungen in der Gruppe wie z.B. einer Phantasiereise, in der die Kinder und Jugendlichen sich an eine Situation erinnern sollten, in der sie sich besonders stark, glücklich, fähig und selbstbewusst fühlten, wodurch sie ihre eigenen Stärken erkennen konnten. Danach ging es darum, überfordernde und problembehaftete Situationen an der Schule zu sammeln, in der Gruppe zu thematisieren und mögliche Verhaltensstrategien für die Zukunft zu erarbeiten, die nach einem Praxistest nötigenfalls in der nächsten Einheit adaptiert wurden. Die TeilnehmerInnen konnten dadurch immer mehr Parallelen zueinander sehen und ihnen wurde bewusst, dass auch ihre MitschülerInnen teilweise mit desselben oder ähnlichen Herausforderungen konfrontiert waren und sind. Mit der Zeit nahmen die Kinder und Jugendlichen selbst ebenso wie die Schulsozialarbeiterin immer mehr das Gruppengeschehen wahr und sie erlebten ein immer stärker werdendes Zusammenwachsen. In der Gruppe gemeinsam gestaltete Schul- und Hofpausen führten darüber hinaus dazu, dass sich klassenübergreifende neue Freundschaften bildeten und ein stärkeres Wir-Gefühl einstellte.

Als Abschluss des Freizeitangebots „Ich bin bärenstark“ ging die gesamte Gruppe gemeinsam in die Boulderhalle Graz klettern/bouldern. Dort konnten die TeilnehmerInnen ihren neuen Mut erproben. Und tatsächlich sind sie über ihre Grenzen hinausgewachsen (z.B. Höhenangst), sie haben sich durchwegs positiv ge- und bestärkt und vor allem hatten sie GEMEINSAM SPASS!

Großer Dank gilt allen SchülerInnen der NMS Straßgang, die am Freizeitangebot teilgenommen haben. Sie waren mutig, fleißig, konzentriert, reflektiert, motiviert und brachten viele wertvolle und gute Ideen ein. Weiters ist den Eltern zu danken, die gemeinsam mit uns bouldern waren und somit den Ausflug durch ihre Begleitung ermöglicht haben.

DANKE – IHR SEID BÄRENSTARK!

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5
März
2019

Buddy-Projekt

Hiermit dürfen wir Ihnen folgend unser Buddy Projekt vorstellen, das seit mehreren Jahren in einigen von ISOP-Schulsozialarbeit betreuten Schulen erfolgreich durchgeführt wird. Konzept, Verantwortung und Durchführung des Projekts liegen dabei in den Händen der Schulsozialarbeit.

Das Buddy Projekt an sich basiert auf der Idee des Peer Learning, dh. Kinder sollen von- und miteinander lernen und sich gegenseitig unterstützen. Die Peers, sogenannte „Buddys“ (dt. Freund, Kumpel) sind Freiwillige aus den 4. Klassen der NMS, die ErstklässlerInnen beim Einstieg in die Neue Mittelschule unterstützen, sodass der oft herausfordernde Übergang für die neuen SchülerInnen leichter gelingt und sie sich in der neuen Schule willkommen fühlen. Die Buddys beweisen sich dabei in einem dreistufigen Aufnahmeverfahren (bereits in der dritten Klasse NMS) unter Leitung der Schulsozialarbeit. Nachdem sie eine schriftliche Bewerbung eingereicht haben, werden sie zum persönlichen Gespräch mit der Schulsozialarbeit (oft auch im Beisein der Direktion) eingeladen und interviewt. Darauf folgt eine Qualifizierung/Ausbildung durch die SchulsozialarbeiterInnen bei der die SchülerInnen wichtige Kompetenzen und Wissen für ihre Buddy-Tätigkeit erwerben:  insbesondere ihre Aufgaben und auch Grenzen werden intensiv besprochen und reflektiert sowie das Thema (Körper)sprache und selbstbewusstes Auftreten werden vermittelt und in Rollenspielen praktisch erprobt. Ihre Vorbildrolle für die Jüngeren und welche Verantwortung ihnen dabei zukommt, wird den Buddys in diesen Einheiten besonders bewusst. Am Ende der Ausbildungseinheiten (die in der Freizeit der SchülerInnen am Nachmittag stattfinden) wird dann von den SchulsozialarbeiterInnen entschieden, welche BewerberInnen als Buddy aufgenommen werden.

Ausgestattet mit ihren erworbenen Kompetenzen und Wissen starten die Buddys in der Schule ihre Tätigkeit und sind gleich von Anfang an fixer Bestandteil im Alltag der ersten Klassen. Anfangs geht es vor allem um ein erstes Kennenlernen und Aufbau von Beziehungen. Im ersten Halbjahr, vor allem zu Schulbeginn, sind die Buddys dann für die ErstklässlerInnen Ansprech- und Vertrauenspersonen, die ihnen helfen und mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn sie dies benötigen. Gemeinsame Aktionen wie z.B. Spielenachmittage oder gemeinsames Kochen werden von der Schulsozialarbeit organisiert und bieten sowohl den Buddys als auch den ErstklässlerInnen die Möglichkeit, mehr Zeit miteinander zu verbringen, sich besser kennenzulernen und dann auch von- und miteinander zu lernen.

Die Schulsozialarbeit unterstützt die Buddys im Semester ihres Buddy-Daseins. Einerseits gibt es Reflexionsgespräche, um gemeinsam zu besprechen wie das Projekt läuft und wie es den Buddys geht, andererseits kann natürlich jede/r Buddy bei Bedarf zur Schulsozialarbeit kommen, um Fragen zu klären oder Hilfestellung zu erhalten. Zum Abschluss des Projekts erhalten die Buddys eine Urkunde, die ihre sozialen Kompetenzen und ihr Engagement bestätigt. Zusätzlich findet als Belohnung immer eine gemeinsame Abschlussaktion der Schulsozialarbeit mit den Buddys statt, wie z.B. Kinobesuch oder Pizza backen.

Damit Sie einen Eindruck in die Motivation der Buddybewerber/innen erhalten, lesen Sie hier nun ein paar ausgewählte Zitate aus den Bewerbungen, die wir für dieses Schuljahr 2018/19 an der NMS Karl Morre in Graz erhalten haben:

 

(weiblich 13 Jahre alt)

„Weil ich es liebe Personen zu helfen. Weil ich eine Person bin, die Leute zum Lachen bringen kann.“ (weiblich 12 Jahre)

(weiblich 13 Jahre alt)

„Als Buddy wäre ich sehr verlässlich, indem ich für die Kleinen da wäre. Ich würde ihnen eine gewisse Sicherheit geben um sich hier wohl zu fühlen. Sie sollen keine Angst haben oder sich unwohl fühlen. Ich mag Kinder sehr. Ich weiß, dass man als neue/r schüchtern ist. Aber darum kann ich mich sorgen.“ (weiblich 12 Jahre)

(weiblich 13 Jahre)

„Weil ich Kinder liebe und ich möchte gerne Kindergärtnerin werden und bin schon eine Babysitterin und passe auf kleine Kinder sehr gut auf. Ich mag sie und liebe sie. Und ich möchte gerne Buddy sein.“ (weiblich 13 Jahre)

(weiblich 13 Jahre)

„Ich möchte gerne Buddy werden, weil nur Mädchen Buddys sind und es sollten auch Buben Buddys werden. Ich will ihnen sehr viel lernen, zB. Wenn er sich nicht auskennt in der Schule.  Und wenn er ein Integrationskind ist oder er kann kein Deutsch, dann werde ich mich bemühen und alles geben“ (männlich 13 Jahre)

 

Auch sonst beweisen die SchülerInnen schon in den Bewerbungsbögen großen Eifer:

Wir sind sehr stolz auf unsere Buddys und ihr tolles freiwilliges Engagement.

 

 

 

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25
Februar
2019

Chancen ermöglichen

ISOP Schulsozialarbeit & NMS Graz-Fröbel
in Kooperation mit STRESSLESS ROCK OG

Viele Schüler*innen der NMS Fröbel haben ihre frühe Kindheit in einem anderen Land verbracht und sind aus unterschiedlichsten Beweggründen mit ihren Familien nach Graz gekommen. Die Kinder/Jugendlichen müssen sich neu orientieren, in neue Strukturen hineinfinden und sich Sprache und Wissen aneignen. Dank der gezielten Förderung durch die hochengagierten Lehrer*innen entwickeln sie sich im geschützten Rahmen der Schule sichtbar. Das Ende der Pflichtschulzeit bedeutet für die Jugendlichen jedoch oftmals das Ende eines strukturierten Lebens. Umso mehr bedarf es der Stärkung von Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen und Selbstverantwortung, um zuversichtlicher in die Zukunft blicken zu können.

In Kooperation mit innerschulischen und außerschulischen Unterstützungssystemen werden die Schüler*innen der vierten Klassen in diesem Schuljahr noch intensiver in ihrer Persönlichkeitsentwicklung und in eigenverantwortlichem Handeln gefördert. Eine großartige Ergänzung zu dieser kontinuierlichen Unterstützung bot die Kooperation mit STRESSLESS ROCK OG.

Während eines erlebnisorientierten Vormittages mit den Trainern Martin Pöstinger und Thomas Machinger wurde – aufbauend auf der wichtigen kontinuierlichen Arbeit der Lehrer*innen – noch offensichtlicher, welches Potential in den Schüler*innen steckt. Sie entdeckten besondere Fähigkeiten, zeigten Selbstvertrauen, überlegten und erprobten Lösungswege zu völlig neuen Aufgabenstellungen. Bei Übungen mit hohen Seilaufbauten wuchsen die Jugendlichen im wahrsten Sinne des Wortes über sich hinaus. Die Fähigkeit, zusammen zu arbeiten und auf andere zu achten, war notwendig für die Absolvierung der Übungen. Der Schwerpunkt lag auf ressourcen- und lösungsorientiertem Handeln. Die beiden Trainer bewiesen ein hervorragendes Gespür für die Jugendlichen, nahmen die Gruppendynamik innerhalb kürzester Zeit wahr und konnten die Schüler*innen stärken, ihnen aber auch Grenzen aufzeigen.

Die Wahrnehmungen (Selbst- und Fremdwahrnehmung) und Erfahrungen der Jugendlichen wurden bzw. werden im Sinne der Nachhaltigkeit auch weiterhin in Beratungsgesprächen mit der Schulsozialarbeiterin bearbeitet.

Dank gilt dem Land Steiermark und der Stadt Graz sowie der Schulleitung der NMS Fröbel und privaten Sponsoren, die es überhaupt erst möglich gemacht haben, dieses Angebot in Anspruch zu nehmen. Eine weiterführende Zusammenarbeit mit STRESSLESS ROCK OG wird angestrebt, denn die positiven Effekte sind auch Monate danach noch zu beobachten.

 

 

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19
Februar
2019

Ich schaffs -Ben Furman

Hier eine Erklärung von Dr. Ben Furman, wie das Programm “Ich schaffs” aufgebaut ist und funktioniert! Fokus auf (manchmal fehlende) Kompetenzen, statt Probleme! Ist sehr empfehlenswert!

 

 

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