26
April
2022

Gefühle, Grenzen und Gewaltprävention in der Volksschule thematisieren

Soziales Lernen in der Volksschule beschäftigt sich mit unterschiedlichen Aspekten des Zusammenlebens. Ein besonders wichtiges Thema für gelingende zwischenmenschliche Beziehungen und Konfliktlösung ist die Beschäftigung mit den eigenen Grenzen. Wenn ich selbst spüren kann, wann ich meine Grenzen erreiche und mich traue, das anzusprechen, stärke ich meine Selbstwirksamkeit und mein Selbstvertrauen. Gleichzeitig kann ich besser akzeptieren, dass auch andere Menschen Grenzen haben und diese ziehen. – Ganz zu schweigen davon, dass die Auseinandersetzung mit Grenzen schon im Volkschulalter ein essenzieller Baustein für die Gewaltprävention darstellt.

„Mein unsichtbarer Gartenzaun“

Die Sozialarbeiterin und Sexualpädagogin Michaela Datscher aus Oberösterreich hat das Kinderbuch mit dem Titel „Mein unsichtbarer Gartenzaun“ (https://grenzbewusst.com/) verfasst, für das sie 2016 sogar mit dem Salzburger Kinderrechtspreis ausgezeichnet wurde. Mittlerweile liegt es in einer überarbeiteten Version auf, die die Vielfalt unserer Gesellschaft noch mehr widerspiegelt. Ergänzt wird ihr Buch von Gefühlskarten rund um die Familie MUG, die Eva Hohensinner illustriert hat. Wer in den Genuss einer Fortbildung bei ihr kommt, erhält viele weitere Ideen, wie sich die Thematik für das Soziale Lernen in der Volkschule aufbereiten lässt. Einige davon, möchten wir im Folgenden gerne vorstellen.

Arbeit mit Gefühlen

Nicht nur Erwachsenen fallen ad hoc selten wenige Begriffe ein, die Gefühle beschreiben, auch Kinder – vor allem wenn sie mehrsprachig aufwachsen – beschränken sich meist auf die gängigsten (Angst, Wut, Trauer, Freude). Dabei gibt es so viel mehr und so unterschiedliche Nuancen. Die MUG-Gefühlekarten regen zur Diskussion über diese Feinheiten an, aber auch dazu, wie unterschiedlich jemand ein Gefühl wahrnehmen kann.

Wie sieht eine Person aus, die wütend ist? Wie sieht jemand aus, der sich freut? Mit Spielen wie Gefühlspantomime, Gefühle-Stille Post (Gesichtsausdrücke weitergeben) oder Tiergefühle (Darstellung einer wütenden Schnecke, eines traurigen Kängurus, einer gelangweilten Spinne usw.) lässt sich gut in das Thema einsteigen.

Wenn wir die Begriffe für Gefühle kennen, lassen sich auch Situationen besprechen, in denen sie auftauchen und wie wir mit ihnen umgehen:

Was kann ich tun, wenn ich wütend bin, um mich zu beruhigen? Was ist der Unterschied zwischen wütend und zornig? Was tut mir gut, wenn ich traurig, erschöpft oder gestresst bin?

Auch hier gibt es eine Vielzahl an Übungen, wie die Nein-Spirale, den Holzfäller-Atem, die Energie-Tankstelle uvm., um sich intensiver mit verschiedenen Gefühlen zu beschäftigen. Anhand eines Arbeitsblattes kann auch eingezeichnet werden, wo ich welches Gefühl in meinem Körper spüre. Vielleicht erkenne ich ein Gefühl ganz leicht und bei einem anderen weiß ich gar nicht, wie es sich anfühlt.

Grenzen spüren

Vom Gefühle spüren lässt sich der Bogen zum Thema Grenzen spannen. Folgende Übung kann gut verdeutlichen, dass wir auch unsichtbare Grenzen spüren: Ein Kind geht auf ein anderes zu und das stehende Kind sagt „Stopp“, wenn der Punkt erreicht wird, wo es langsam zu nahe wird. Dasselbe kann umgekehrt oder mit anderen Personen ausprobiert werden. Wir überlegen gemeinsam, woran unser unterschiedliches Empfinden liegt, wo und wie wir dieses „zu nah“ spüren und welche Situationen für uns ebenfalls zu nah oder grenzüberschreitend sein können (über den Kopf streicheln, ins Schwimmbecken schubsen, ein Hund der mich abschleckt, ein Onkel, der mir ein Bussi gibt). Durch das etappenweise Vorlesen des Buches „Mein unsichtbarer Gartenzaun,“ lassen sich alle genannten Themen wiederholen und vertiefen bis die Kinder schließlich ihren eigenen Gartenzaun, ihre eigene Grenze malen.

Gewaltprävention praktisch umgesetzt

Wer im Sinne der Gewaltprävention noch einen Schritt weitergehen möchte, kann auch ein Stück im Buch weiter vorlesen und über leichte und schwere Geheimnisse diskutieren. Dazu lassen sich konkrete Beispiele groß ausdrucken und auflegen. Gemeinsam kann zugeordnet werden, was ein „leichtes  Tuch“-Geheimnis ist (Geburtstagsüberraschung) und was sich wie ein „schwerer Stein“-Geheimnis anfühlt (jemand zwingt mich, etwas zu verheimlichen, das unangenehm ist). Auch dazu finden sich passende MUG-Karten in der Box.

Körperliche Grenzen können hier ebenfalls nochmals genauer thematisiert werden. Mag ich den kratzigen Bart vom Onkel beim Bussi geben oder das feuchte Bussi von der Oma? Mag ich, wenn mich jemand hochnimmt oder mir aus Spaß extra fest die Hand gibt? Mag ich das, wenn mir jemand (ungefragt) in meine krausen Locken fasst? Hier lässt sich der Bogen prima zur Prävention sexualisierter Gewalt spannen.

Das sehr eingängige Lied „Mein Körper gehört mir“ (https://www.youtube.com/watch?v=bYSF2tWqj70) eignet sich zudem wunderbar, um es gemeinsam mit den Kindern zu singen und sich eine Choreografie dazu zu überlegen.

Den Abschluss bildet schließlich das Thema „Hilfe holen“ vs. „petzen“. Was sind die Unterschiede? Wem kann ich vertrauen? Bei wem kann ich Hilfe holen in meinem Umfeld, wenn ich mich nicht „nein“ oder „Stopp“ zu sagen traue oder wenn ich ein schweres Geheimnis mit mir herumtrage?

Damit eignet sich der unsichtbare Gartenzaun auch als Vorbereitung und Überleitung zu den Mutmacher*innen-Puppen, die vom Amt für Jugend und Familie von der Stadt Graz an alle Schüler*innen der 3. Klassen Volksschule ausgeteilt werden. (https://www.graz.at/cms/beitrag/10341699/7752042/Mutmacher_Initiative_gegen_Gewalt_an_Kindern.html) Sie sollen die Kinder dabei unterstützen, über ihre Sorgen zu sprechen und gegebenenfalls Hilfe zu holen. Dazu finden sich ebenfalls mehrere Übungen online.

 

 

Eine Antwort auf Gefühle, Grenzen und Gewaltprävention in der Volksschule thematisieren

  1. Es ist unumstritten, dass Kinder eine eigene Sexualitat haben. Sie unter- scheidet sich aber grundlegend von der der Erwachsenen. Kinder entdecken ihre Gefuhle und ihren Korper durch Beruhrungen und experimentieren mit ihrer Sexualitat. Sie sind neugierig auf die Korper Gleichaltriger (Doktorspiele). Sie fordern aber niemals zu sexuellen oder sexualisierten Kontakten mit Erwachsenen auf, wie Taterinnen und Tater oft glauben machen wollen. Mehr erfahren

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