1
März
2022

Grenzen – meine, deine, unsere!

Mädchen kommen in die Beratung zur Schulsozialarbeit und erzählen, dass sie sich in ihrer Klasse nicht mehr so wohl fühlen. Sie werden von den Jungen angestarrt und permanent mit Bemerkungen konfrontiert, die ihnen zu nahe gehen. In niederschwelligen Pausengesprächen erzählen Jungen, dass die Mädchen sich ständig über ihre Größe lustig machen. Auch in Workshops zum Thema Kommunikation und Bekleidung zeigt sich immer wieder, dass Schüler*innen mit gewissen Handlungen oder Aussagen ihrer Mitschüler*innen Schwierigkeiten haben.

In Gesprächen wird nicht nur deutlich, dass es den betroffenen Schüler*innen schwer fällt, Strategien gegen solche „Grenzverletzungen“ zu entwickeln, sondern auch, dass den sogenannten „Tätern“ meist gar nicht bewusst ist, was sie sagen oder tun und erst recht nicht, was sie dadurch verursachen. Jede Handlung, Aussage oder Berührung wirkt sich aber auf das Gegebenüber aus und jede*r empfindet es anders. Was für den einen Spaß ist, kann für den anderen zu nah und sehr belastend sein. Und so entstand bei der Schulsozialarbeit die Idee, einen Workshop zum Thema „Grenzen“ anzubieten.

Ziel des Workshops war es, über die eigenen Grenzen nachzudenken und sich ihrer bewusst zu werden, um in weiterer Folge auch zu lernen, die Grenzen seiner Mitmenschen zu erkennen und zu respektieren. Das Ergebnis sollte eine Vereinbarung zwischen den Klassenkamerad*innen sein, die die Grenzen jedes einzelnen in der Klasse respektieren.

Um die eigenen Grenzen zu erkennen, füllten die Schüler*innen einen Fragebogen aus, der anregte, darüber nachzudenken, wer aus dem eigenen Umfeld was darf (z.B. etwas in meiner Schultasche suchen, mich umarmen, meine Hand nehmen, etwas über mein Äußeres sagen, mir ans Knie fassen…). Anfangs wurden manche Aussagen ins Lächerliche gezogen, aber einige erkannten, dass es an gewissen Punkten für sie Grenzen gibt, die ihnen bis jetzt gar nicht bewusst gewesen waren.

Im Anschluss daran sammelte die Klasse Ideen, wie die Grenzen der Mitmenschen erkannt werden können, denn nur, wer ihre Grenzen kennt, kann sie auch respektieren.

Ein gutes Miteinander ist immer davon abhängig, was jede*r einzelne dazu beitragen kann, und so erarbeiteten die Schüler*innen Strategien, Grenzen zu schützen und zu akzeptieren. Diese wurden in Form einer Ampel dargestellt:

Grün: Was kann ich tun, damit die Grenzen aller in der Klasse eingehalten werden?
Hier wird unbedingt auch das Thema Zivilcourage aufgegriffen. Es ist immer richtig, Hilfe zu holen!

Orange: Was kann ich tun, damit meine Grenzen eingehalten werden?
Wie kann ich mich selbst schützen?

Rot: Was überschreitet meine Grenzen, was ist mir zu nah, welche Aussagen belasten mich, was stört mich?
Hier haben die Schüler*innen noch einmal die Möglichkeit, klar zu machen, wo ihre Grenzen überschritten werden.

Diese Ampel dient als Vereinbarung, dass alle in der Klasse darauf achten, dass die roten Punkte nicht überschritten werden. Um das zu festigen, kann die Ampel auch von den Schüler*innen unterschrieben und in der Klasse aufgehängt werden.

Als Abschluss wurde noch eine Übung gemacht, bei der eine Person auf die andere zugeht, bis ihre Grenze erreicht ist. Diese Übungen kann in unterschiedlichen Varianten durchgeführt werden und zeigt wieder, wie ich die Grenzen meines Gegenübers erkennen und meine eigenen aufzeigen kann.

Gespräche in Beratungen oder in den Pausen ergaben, dass sich die Situation in der Klasse nach dem Workshop etwas verbessert hatte und sich die Schüler*innen dadurch wieder wohler fühlten.

Dieser Workshop soll die Schüler*innen aufmerksamer machen, aber auch sie ermutigen, sich für ihre Wünsche, Bedürfnisse und Grenzen stark zu machen.

 

 

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