30
Juni
2020

Corona-Lockdown und „Neue Normalität“

Was sagen die Kinder und Jugendlichen dazu?

Seit 18. Mai sind die Türen der Volkschulen, der Neuen Mittelschulen und der Unterstufen in den Gymnasien für die Kinder und Jugendlichen wieder geöffnet!

Viele wünschten diesen Moment schon sehnlichst herbei. Eltern, Lehrer*innen, wir Schulsozialarbeiter*innen und auch die Kinder. Und doch ist alles nicht so wie vor dem Lockdown: Die Klassen wurden in zwei Gruppen eingeteilt, die jeweils nur zwei bis drei Tage pro Woche in der Schule sind. Schlangen vor den Eingangstüren der Schulen, Händedesinfektion und Fiebermessen, Abstand halten und Mundschutz – so sieht der neue Schulalltag aus.

Wir stellten uns die Frage, wie geht es den Kindern und Jugendlichen mit dieser Form des neuen Schulalltages? Was sind ihre Gedanken und Gefühle? Dazu haben wir Schulsozialarbeiter*innen in den letzten Wochen Zitate gesammelt, die einen kleinen Einblick in die Gedankenwelt unserer Zielgruppe geben.

Eine Schülerin, 12 Jahre, antwortete auf die Frage, wie es ihr mit dem neuen Schulalltag geht folgendermaßen: „Sehr schlecht, weil einen Tag gehen wir, einen nicht, einen Tag kann ich länger schlafen, einen nicht und so weiter… Unterricht ist ganz ok wie immer.”

Eine andere kann der Einteilung in zwei Gruppen durchaus Positives abgewinnen: „Die Lehrer*innen sind viel chilliger und haben Zeit zum Erklären.“ Schülerin, 13 Jahre.

Ein Kind, 12 Jahre, sieht die Situation ähnlich: „Schule ist so viel schöner, wenn wir nicht alle da sind. Natürlich mag ich die anderen Kinder auch, aber die Lehrer sind ruhiger, wir sind ruhiger, das ganze Haus ist ruhiger. Das ist wirklich angenehm, ich wünschte es wäre immer so.“

Ein*e Schüler*in, 12 Jahre, beschrieb die neue Normalität so: „Es ist alles viel ruhiger und es fühlt sich trotzdem so an, als würde die Welt aufwachen. Wie in einem langen Traum, oder in dem Märchen, wo man lange schläft und dann ist immer noch alles gleich und trotzdem alles anders.“

Freunde, Lehrer*innen und Schulsozialarbeit wurden vermisst, was nachfolgend nachzulesen ist: „Es war so krass nach 8 oder 9 Wochen die Lehrer zu sehen und meine Freunde! Mit manchen habe ich von Zeit zu Zeit geredet, halt so, wir spielen über PS4 zusammen.” Schüler, 11 Jahre.

Ein anderes Kind, 13 Jahre, meinte dazu: „Ich habe die Schule nicht so sehr vermisst wie meine Freunde, aber ich bin draufgekommen, dass Schule schon viel mehr ist als nur Mathe lernen“.

Eine Schülerin, 12 Jahre, freute sich besonders, endlich wieder persönlichen Kontakt zur Schulsozialarbeiterin zu haben: „Ich hab dich richtig vermisst in der Zeit, ich fühle mich so wohl bei dir und würd’ am liebsten jeden Tag zu dir kommen.“

Auch Distance Learning wurde bei den Beratungsgesprächen zum Thema, wo ein Schüler, 12 Jahre, beispielsweise diese Art des Unterrichts als sehr belastend beschrieb: „Bin ich froh, dass wieder Schule ist. Daheim vor dem ganzen Zeug hatte ich überhaupt keine Ahnung, wie das geht“.

Doch es gab auch positive Rückmeldungen auf die Frage “Wie war das Distance Learning für dich?“: „Voll gut! Ich habe alle meine Frühwarnungen ausgebessert. Daheim finde ich es viel cooler, da habe ich mehr Ruhe. Nicht so einen Druck. Ich mache die Aufgaben in meinem Tempo, nach der Reihe. Das find ich viel besser!“

Auf die Frage, wie sie die Zeit zu Hause im Lockdown erlebt haben, kamen unterschiedliche Statements. Von langweilig, belastend, bis zu erholsam und entspannend:

“Die Corona-Zeit war für mich langweilig. Ich habe 4-5 Filme geschaut und viele Spiele geladen und gespielt, mir war es aber trotzdem langweilig.” Schülerin, 12 Jahre.

Ein Schüler, 12 Jahre, nutzte die Zeit für Gespräche mit seinen Eltern: „Ich habe mit meinen Eltern viele Gespräche geführt, auch über die Welt, weil Corona betrifft alle, und dann haben wir auch über Trump und über die Weltpolitik gesprochen und das fand ich sehr schön und auch spannend. Dann habe ich darüber viel im Internet gelesen und habe das Gefühl, wirklich viel gelernt zu haben.“

Oder ein anderes Kind sieht den positiven Effekt des Lockdowns für die Umwelt:

„Ja es war nicht so schön, immer zu Hause zu sitzen, aber es ist schon auch was Positives dran, an dieser Corona-Geschichte, weil es gibt jetzt wieder Delphine in Italien.“ (11 Jahre).

Belastende Situationen gab es für die eine oder den anderen bestimmt genug, doch manchmal konnten diese sehr gut gemeinsam in der Familie gemeistert werden, wie das folgende Zitat zeigt: „Meine Eltern waren immer sehr gestresst, weil ich habe viele Geschwister. Und jetzt haben wir das alles gemeinsam gemacht, aufgeräumt, Betten gemacht, gekocht und wir waren auch sehr oft spazieren. Ich dachte immer, das machen nur langweilige Erwachsene, aber sowas kann echt schön sein.“ Schülerin, 13 Jahre.

Einige Kinder nutzten die Zeit, um mehr Sport zu treiben, um gemeinsam mit den Eltern Zeit zu verbringen oder auch einfach um sich an den kleinen Dingen des Lebens zu erfreuen: „Ich habe oft an andere Kinder gedacht, die sich alleine fühlen und denen es nicht so geht wie mir, weil wir hatten wirklich gutes Essen und auch Spaß und haben viel gemeinsam gemacht. Das hab’ ich von dir (Anmerkung: der Schulsozialarbeit) gelernt, auch an andere zu denken.“ Schüler*in, 12 Jahre.

„Ich habe in der Corona-Zeit jeden Tag in der Früh Sport mit meinem Vater gemacht; entweder Laufen, Fußballspielen oder Wandern. Danach war ich immer froh, mich zum Schreibtisch setzen und lernen zu dürfen.“, Schüler, 12 Jahre.

„In der Corona-Zeit hab ich jeden Tag Haribos gegessen, das war wirklich schön, daran könnte ich mich gewöhnen!“, Schülerin, 12 Jahre.

„Wir waren in den Corona-Ferien jeden Tag bei unseren Schafen, in unserer Höhle im Wald, Radfahren oder einfach unterwegs. Die Corona-Ferien waren so schön!“, Schülerin, 12 Jahre.

Erkennbar an den Statements ist die durchwegs positive Grundeinstellung der Kinder. Trotz ihres jungen Alters schafften sie es, in dieser beispiellosen Zeit das Positive zu sehen und den zum Teil sicherlich sehr herausfordernden Lebensalltag im Lockdown und mit Distance Learning gut zu meistern. Mit ihrer positiven Art und ihren ehrlichen Zitaten zauberten sie der einen oder dem anderen Schulsozialarbeiter*in ein Lächeln auf die Lippen.

Vielen Dank Kids, ihr seid die BESTEN!

 

 

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