11
April
2018

„Und was genau macht ihr da bei Schulsozialarbeit eigentlich?“

Das ist eine Frage, die jedeR SchulsozialarbeiterIn schon gehört hat. Eine berechtigte Frage, da es doch ein ziemlich neues Arbeitsfeld ist. 1997 waren sie zu zweit und heute gibt es sie erfreulicherweise in jedem Bundesland, auch wenn das Angebot in Österreich im internationalen Vergleich durchaus ausbaufähig ist. In vielen Ländern gehört Schulsozialarbeit zum Standard (wussten Sie, dass z.B. Ghana da sehr vorbildlich ist?). Sie wird in Schulen angeboten, die für unser Angebot offen sind, und definitiv nicht, weil die LehrerInnen dort versagt haben. Ganz im Gegenteil! Gute Kooperation mit DirektorInnen und LehrerInnen ist Voraussetzung dafür, dass unser Angebot auch greift: LehrerInnen nehmen in ihren Klassen viel wahr und können uns auf SchülerInnen aufmerksam machen, die unsere Unterstützung brauchen könnten – so funktioniert Früherkennung am besten!

Bei Schulsozialarbeit geht es um Beziehungsaufbau und Vertrauen. Viele Kinder lernen allzu früh, dass sie Erwachsenen nicht vertrauen können, und brauchen Zeit, um sich jemandem zu öffnen. Daher ist es wichtig, dass die SchulsozialarbeiterInnen in der Schule präsent sind, wo SchülerInnen niederschwelligen Zugang zu ihnen haben: Ohne Voranmeldung und Bürokratie können sie Beratung im Schulgebäude bei jemandem mit bekanntem Gesicht in Anspruch nehmen. Viele Kinder brauchen jemanden, der ihnen zuhört. Sie wollen ihren Frust oder auch Freude mit jemanden teilen oder sie fühlen sich gerade überfordert. Wir begleiten und unterstützen sie bei der Suche nach einer Lösung für ihr Anliegen, in Krisen ebenso wie in alltäglichen Belangen, damit sie sich gut entwickeln können – auch die Eltern spielen in diesem Prozess eine wichtige Rolle. Manchmal weisen wir auf andere HelferInnensysteme oder Beratungseinrichtungen hin, wenn andere oder zusätzliche Hilfe nötig ist.

Wenn die SchulsozialarbeiterInnen nicht im nett eingerichteten Büro zu finden sind, bieten sie vielleicht gerade in einer Klasse einen Workshop zu Themen wie Kooperation, Mobbingprävention oder Selbstwert stärken an. Am Nachmittag findet möglicherweise ein Freizeitangebot statt: Wir wollen die Kinder in einem nicht-problemorientieren Setting kennen lernen, klassenübergreifende Freundschaften fördern und einen Beitrag zur Schule zum Wohlfühlen leisten.

Schulsozialarbeit ist eine sehr anspruchsvolle Arbeit: Wo sonst findet man einen Beruf, in dem so viele Methoden der sozialen Arbeit täglich verwendet werden, wo mit Kindern und Jugendlichen jeden Alters, Eltern und Professionellen gearbeitet wird? Noch dazu im stark hierarchisch geprägten System Schule, aber als MitarbeiterInnen einer Organisation, die viel von Basisdemokratie hält. Manchmal fängt der Tag um 7:45 Uhr in einer Klasse mit 7-jährigen an, am Nachmittag gibt es eine Teamsitzung und im Anschluss geht es dann noch schnell zu einem Elternabend… Flexibilität und Selbstmanagement sind Grundvoraussetzungen! Besonderes Engagement auch!

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