20
Februar
2018

Eine Reise in den hohen Norden

Bildungsreise nach Malmö

CIMG0237 Im Herbst 2011 reiste eine 15-köpfige Gruppe aus SchulsozialarbeiterInnen von ISOP und Caritas sowie Schulpsychologinnen aus Steiermark und Kärnten nach Malmö in Schweden. Dort hatten wir vier Tage volles Programm, da wir uns einen umfassenden Überblick über und Einblick in das schwedische Schulsystem und die schulischen Unterstützungssysteme verschaffen wollten.

Bereits in den 40er Jahren wurde in Schweden festgestellt, dass „…das ultimative Ziel der Schule nicht Wissensvermittlung sein sollte, sondern Erziehung im weitesten und tiefsten Sinne.“ Deshalb ist dort Schulsozialarbeit bereits seit den 1950er Jahren flächendeckend eingerichtet und gesetzlich verankert: Jedes Kind muss Zugang zu den schulischen Unterstützungssystemen, also Schulsozialarbeit, SchulärztInnen, PsychologInnen, SpezialpädagogInnen und Schulkrankenschwestern haben. Das ermöglicht auch den ganzheitlichen Ansatz, für den eine wertschätzende Grundhaltung der Schulen und ihrer Beteiligten die Basis bildet.

Einsätze sollen stattfinden bevor es brennt bzw. das Problem schwerwiegende Konsequenzen hat. Die Schule ist für die SchülerInnen da, d.h. die Schule soll sich an die Bedürfnisse des Kindes anpassen, anstatt die SchülerInnen verändern zu wollen. An jeder Schule gibt es daher mindestens eine/n SchulsozialarbeiterIn, was Schulsozialarbeit für die Kinder zum selbstverständlichen Teil ihres Alltags macht – für uns damals noch ein bisschen unglaublich. Mittlerweile, ein paar Jahre nach dieser Reise, ist Schulsozialarbeit auch in der Steiermark und in Österreich weiter verbreitet und dort, wo es uns schon länger gibt, fast schon genauso selbstverständlich – unsere kontinuierliche Arbeit trägt also Früchte!

Für uns war natürlich besonders der direkte Vergleich von Schulsozialarbeit hier und dort interessant. Das Konzept der ISOP-Schulsozialarbeit ist sehr stark von der schwedischen Schulsozialarbeit inspiriert, weshalb wir bei allen Unterschieden auch viele Gemeinsamkeiten in der Art zu arbeiten feststellen konnten. Das ist etwas, worauf wir – glauben wir jedenfalls – stolz sein dürfen. In vergleichsweise kurzer Zeit haben wir es geschafft, gute Qualität auf die Beine zu stellen!

CIMG0333Natürlich haben wir von unserer Reise neben für uns spannenden Eindrücken auch einige Ideen für die Arbeit zuhause mitgebracht. Obwohl die Reise mittlerweile viele Jahre her ist, ist ihr Mehrwert weiterhin spürbar. Zusätzlich zu der engeren Kooperation Schulpsychologie-Schulsozialarbeit, die sich durch den regen Austausch über mehrere intensive Tage und die gemeinsamen Erlebnisse vertieft hat, hat sie uns einen neuen und kritischeren Blick auf das eigene Schul- und Unterstützungssystem geöffnet. Durch die Bildungsreise haben alle TeilnehmerInnen ein größeres Verständnis für Schulsozialarbeit insgesamt entwickelt und nicht nur dafür, was Schulsozialarbeit leisten kann, sondern auch dafür, wie eine Kooperation zwischen den schulischen Unterstützungssystemen aussehen könnte.

Ein „Produkt“ waren die Vorträge zum schwedischen Bildungs- und Unterstützungssystem, die wir nach der Reise hielten und durch die wir unsere Erkenntnisse mit anderen teilen konnten. Für die Arbeit an den Schulen haben wir uns von unseren schwedischen KollegInnen die „Übung der Woche“ abgeschaut, d.h. eine Übung zum sozialen Lernen, die von uns so aufbereitet wird, dass die LehrerInnen sie leicht und ohne viel Vorbereitung in den Klassen durchführen können. In vielen der von ISOP-Schulsozialarbeit betreuten Schulen gibt es jetzt solche Übungen. Vielleicht weit spannender haben wir aus Schweden auch die Anregung zur Schaffung von Schulgesundheitsteams mitgenommen: Schulische Unterstützungssysteme sowie die Direktion der jeweiligen Schule treffen sich, um fallunspezifisch Themen und Ideen zu diskutieren, die die ganze Schule betreffen, wobei der Fokus auf dem Wohlbefinden des einzelnen Kindes (aber natürlich auch der LehrerInnen) liegt. Diese Teams gibt es seit etwa 2012 an vielen der von uns betreuten Schulen und, trotz anfangs zum Teil vorhandener Skepsis, wollen die TeilnehmerInnen es mittlerweile nicht mehr missen.

Schulsozialarbeit in Schweden seit fast 80 Jahren, ISOP-Schulsozialarbeit seit 20 Jahren und man sieht hier wie dort: Kontinuität macht sich bezahlt!

Und vielleicht machen wir ja bald wieder so eine Reise und holen uns neue Ideen für die nächsten 20 Jahre?!

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