15
Februar
2022

Sexualpädagogische Workshops in Schulen

Der Grundsatzerlass Sexualpädagogik verankert das Thema Sexuelle Bildung bereits seit 50 Jahren als Unterrichtsprinzip an den Schulen (https://www.bmbwf.gv.at/Themen/schule/schulrecht/rs/1997-2017/2015_11.html). Dennoch findet es sich weder flächendeckend in den Curricula der Ausbildungen für Lehrer*innen, noch gibt es standardisierte Ausbildungen für Sexualpädagog*innen in Österreich. Zusätzlich sorgt die Thematik der externen Workshop-Anbieter auch medial immer wieder für großes Aufsehen, was Eltern verunsichert – und damit auch Lehrer*innen.

Was gilt es bei externen Anbieter zu beachten?

Über die Schulsozialarbeit ist es relativ einfach, sich professionelle Unterstützung in puncto Sexueller Bildung an die Schule zu holen. Die Inhalte des klassischen Biologie-Aufklärungsunterricht decken Themen wie Verliebtsein, Pornografie, Umgang mit Medien und Beziehung, Erstes Mal und Diversität oft nicht ab. Für all diese Themen gibt es Expert*innen, die die Lebenswelten der Jugendlichen gut kennen und sich ausreichend Zeit nehmen. Auf der Plattform Sexuelle Bildung (https://sexuellebildung.at/aktuelles/statement-sexualpadagik-externer-vereine-in-schulen/) können sich alle Interessierten einen Überblick über die anbietenden Vereine verschaffen; insbesondere über das Netzwerk Sexuelle Bildung in der Steiermark.

Jeder Anbieter hat unterschiedliche Schwerpunkte und Fördervorgaben. Bei der Buchung sollte geklärt werden, ob die Workshops kostenlos oder teilfinanziert sind, wie viele Stunden sie dauern, ob Eltern- und Lehrer*innengepräche ebenfalls involviert sind, welche räumliche Ausstattung es braucht (z.B. um Gruppen zu teilen) und welche Inhalte in etwa besprochen werden.

Für die Vorbereitung der Workshopleiter*innen ist es außerdem hilfreich zu erfahren, ob Materialien in unterschiedlichen Sprachen benötigt werden, Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen in der Klasse sind und ob noch zusätzlich Schulassistent*innen dabei sein werden.

Eine Ankündigung (anstatt einer „Überraschung“) solcher Workshops für Kinder und Jugendliche ist zudem unumgänglich, wenn ein traumapräventiver Umgang gewährleistet werden soll. Rein statistisch, ist es sehr wahrscheinlich, dass in jeder Klasse Jugendliche anwesend sind, die Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt gemacht haben. Sie sollen sich bewusst oder unbewusst auf etwaige Trigger einstellen können.

Um etwaigen Konflikten mit Eltern vorzubeugen, empfiehlt sich auch eine Elterninformation vom anbietenden Verein und/oder ein Elternabend, um die Themen der Workshops zu klären. Die „stille Post“ der Schüler*innen macht aus einem vom Bundesministerium geförderten Aufklärungsfilm schnell mal einen „Porno“ und versetzt somit Eltern leicht in Angst und Schrecken. Besonders deshalb ist ein guter Austausch zwischen Externen, Schulleitung, Lehrpersonen und Eltern notwendig.

Sexuelle Bildung im eigenen Unterricht

Für Sexuelle Bildung braucht es nicht unbedingt das Fach Biologie. Als fächerübergreifendes Unterrichtsprinzip kann etwa der Gender Pay Gap in Mathematik herangezogen werden, Geschlechterrollen, Beziehungs- und Familienformen lassen sich in allen Sprachen, in Psychologie, Ethik und Geschichte gut als Diskussionsthemen unterbringen, ebenso der Zusammenhang von Care-Arbeit und Migration im Geografie und Wirtschaftskunde-Unterricht. Pubertäre Hormoncocktails können in Chemie beleuchtet sowie das nachhaltigste und kostengünstigste Menstruationsprodukt berechnet werden. Auch die Frage, wie der Pearl-Index, der die Verhütungssicherheit angibt, zustande kommt, kann ein spannendes und praxisnahes Thema für den Mathematikunterricht sein. Selbst Gewaltprävention lässt sich im Sportunterricht problemlos einfügen, indem Konsens vor dem Sichern der Schüler*innen bei diversen Übungen geübt wird.

Es gibt also zahlreiche Möglichkeiten, dem Grundsatzerlass Sexualpädagogik gerecht zu werden. Für weitere Hilfestellungen empfehlen wir folgende Online-Quellen:

Hilfreiche Informationen für Lehrer*innen und Eltern

Im Internet gibt es eine Vielzahl an Materialien und Handreichungen für den Unterricht. Hier eine kleine Auswahl zu verschiedenen Themen und für unterschiedliche Zielgruppen:

Informative und niederschwellige Cartoons zu Geschlecht, Identität, sexualisierter Gewalt, Sprechen über Sexualität und vieles mehr – unter:
https://ausgesprochen.jetzt/

Gesundheits- und Rechtsinformationen rund um Liebe und Sexualität in vielen Sprachen (auch Gebärdensprache, zum Anhören, auf Arabisch, Farsi, Türkisch, etc.) – unter: https://www.zanzu.de/

Aktuelle Infos und Lehrmaterialien rund um Medien und Sexualität findet mensch auch auf:
https://www.schau-hin.info/,
https://www.klicksafe.de/,
https://www.saferinternet.at/,
https://www.youtube.com/c/wienerm%C3%A4dchenchannel

Broschüren in leichter Sprache für Schüler*innen mit besonderen Bedürfnissen gibt es kostenlos bei pro familia zu bestellen:
https://www.profamilia.de/publikationen/themen/in-leichter-sprache

Umfangreiche Materialien zu Diversität und Geschlecht für den Unterricht gibt es bei Queerformat:
https://www.queerformat.de/category/material-schule/,
https://www.queerformat.de/handreichung-bio-divers/,
https://www.queerformat.de/broschuerenquartett-wie-sie-vielfaeltige-lebensweisen-in-ihrer-schule-unterstuetzen-koennen/

Das Thema Menstruation bearbeitet das österreichische Unternehmen Erdbeerwoche auf ihrer Webseite https://erdbeerwoche.com/. Ihre Plattform „Ready for Red“ wurde für Mädchen und Burschen für die Sekundarstufe I entwickelt:
https://www.ready-for-red.at/start/

 

 

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