11
Mai
2021

“Lachen ist gesund”

Humor als Ressource für Resilienz oder ein täglicher Witz als Möglichkeit, lächelnd und somit gelassener durch den Tag zu gehen!

Folgender Beitrag befasst sich mit dem Einsatz von Humor im Beratungsalltag der Schulsozialarbeit und zeigt an einem konkreten Beispiel, dass ein Witz interventionstauglich sein kann.

Zuerst mal ein Blick ins Wörterbuch

Der Duden beschreibt Humor einerseits als Charaktereigenschaft in Form eines heiteren Wesens, die Fähigkeit, Unangenehmes und alltägliche Schwierigkeiten gelassen und heiter zu betrachten sowie die Fähigkeit, Witze zu machen und zu verstehen. Es folgt eine klare Abgrenzung zu Ironie, Spott und Zynismus (vgl. https://www.duden.de/rechtschreibung/Humor_Stimmung_Frohsinn)

„Humor ist, wenn man trotzdem lacht“ – (Otto Julius Bierbaum)

Im Leben werden wir immer wieder mit Krisen, unvorhersehbaren, unangenehmen Situationen konfrontiert, die wir zum Teil nur bedingt beeinflussen können. Wie wir aber mit diesen Situationen umgehen, haben wir selbst in der Hand. Humor, in welcher Form auch immer, kann hier für mehr Gelassenheit sorgen, um sozusagen Abstand zu gewinnen. Beeindruckende Ergebnisse aus der Humorforschung belegen die gesundheitsfördernde, emotionsregulierende und stressreduzierende Wirkung, die durch den Prozess des Lachens über z.B. einen Witz in Gang gebracht wird. Wer mehr über Studien zur Humorforschung und der Wirkung von Humor erfahren möchte findet am Ende des Beitrags weiterführende Links.

Wie alles begann

Kurz vor dem 2. Lockdown lernte ich in der Beratung ein Mädchen mit einem schweren familiären/persönlichen Rucksack kennen. Zudem drohte der Schulerfolg, nicht erreicht zu werden, und auch diese Sorge sowie der Druck, der damit verbunden war, wurde zusätzlich auf ihren Rücken geschnürt. Gemeinsam machte ich mich mit ihr auf eine Reise zu ihren (verborgenen) Ressourcen, um die Schwere ihres Rucksackes ein wenig zu erleichtern, vordergründig mit dem Ziel, Motivation für die Schule wieder zu finden.

Im Laufe der Beratungen kam es immer wieder zu dem Punkt, dass die Interventionen zwar schön und gut waren, aber das Mädchen nur „gestreift“ haben. Das Lernen falle ihr schwer, sie kann sich nicht überwinden, sich hinzusetzen und zu arbeiten, und wenn doch, dann bliebe nicht viel hängen.

„Irgendwie tu ich mir leichter beim Lernen, wenn es was zum Lachen gibt!“

Mit dieser entscheidenden Aussage suchten wir gemeinsam nach Situationen, Ereignissen, Personen, die sie bis dato zum Lachen gebracht haben und zum Lachen bringen. Während sie überlegte und ihre Gedanken zu Papier brachte, überlegte auch ich, was mich zum Lachen bringt. Ich erzählte ihr spontan einen Witz, denn wenn ein Vogel durch den Misthaufen fliegt und dann Kotflügel hat, finde ich persönlich das unglaublich amüsant, zaubert mir ein Lächeln auf den Lippen und ich spüre eine gewisse Leichtigkeit für eine gewisse Zeit. Die Schwere ist dann nicht weg, aber ich trage sie irgendwie leichter, und wenn es auch nur für einen kleinen Moment ist (der für jemand anderen schon wieder ein bisschen länger andauern kann).

Und siehe da, auch ihre Mundwinkel gingen nach oben, die Zähne waren zu sehen und sie unterbrach kurz ihre Sammlung, um gemeinsam mit mir zu lachen. Ich spürte, wie für kurze Zeit Last von ihren Schultern fiel. Und nicht nur das: Das gemeinsame Lachen in diesem Moment (die in der Folge mehr wurden) war besonders.

Letztendlich schickte ich ihr täglich einen Witz auf MS Teams, denn die Zeit des 2. Lockdowns war herangebrochen, und ihre Rückmeldungen reichten von lachenden Smileys bis hin zu „der war wirklich witzig“, „den habe ich heute nicht verstanden, bitte erkläre ihn mir!“ und „ich freu‘ mich schon auf deinen morgigen!“.

Wie ging es weiter?

Der tägliche Witz blieb, wurde erweitert durch ein Witzebuch, das sie selbst zur Hand nehmen kann, wann sie es für sich richtig hält. Zudem machte die Intervention die Runde: Die Empfänger*innenliste für den „Der Witz des Tages“ wurde durch mein Team und Freund*innen erweitert. Und die Resonanz ist echt atemberaubend!

In diesem Sinne: Was sagt der große Stift zum kleinen Stift? „Wachs-mal-stift“

 

Weiterführende Links:

https://www.nifbe.de/component/themensammlung?view=item&id=663:humor-als-ressource&catid=70

https://www.argejugend.at/2020/04/humor-ist-wenn-man-trotzdem-lacht/#:~:text=%E2%80%A6so%20sprach%20bereits%20der%20ber%C3%BChmte,mehr%20G%C3%BCltigkeit%20denn%20je%20hat.

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