23
März
2021

Lernen und Emotionen

In der Schule fallen Lehrer*innen, neben weiteren wichtigen, teilweise nicht „sichtbaren“ Tätigkeiten zwei Aufgaben zu: Wissen vermitteln und Wissen überprüfen. Im Unterricht spielt sich angesichts dieser Aufträge Vieles gleichzeitig für die Teilnehmer*innen ab. Es wird erzählt, erklärt, zugehört, geschrieben, gegrübelt, nachgefragt und manchmal auch geschwitzt. Und damit ist nicht (nur) die Turnstunde gemeint. Kaum ein*e Schüler*in durchläuft die Schulzeit ohne Bauchgrimmen vor der Mathe-Schularbeit in der zweiten Stunde, schweißnassen Händen vor der mündlichen Geschichte-Prüfung bei Frau Müller oder plötzlich auftretendem Brechreiz vor dem anstehenden Grammatiktest in Englisch.

Wie sich Schüler*innen beim Lernen und Leisten fühlen, sollte grundsätzlich auch im Unterricht Beachtung finden bzw. thematisiert werden. Lehrer*innen sind dabei häufig buchstäblich hin- und hergerissen zwischen ihren rein unterrichtsbezogenen Aufgaben und zahlreichen „nicht-lehrenden“ Tätigkeiten wie Streitschlichten, Kopieren, Korrigieren, Organisieren und vielem anderen mehr. Dabei kommt es (nicht nur) in Lern- und Leistungssituationen maßgeblich darauf an, inwieweit sich Emotionen auf den/die Schüler*in auswirken bzw. er/sie sich derer bewusst wird. Der Einfluss, den Gefühle auf die Lern- und Leistungsfähigkeit und -bereitschaft haben, ist grundsätzlich als groß anzusehen. Schulsozialarbeiter*innen können sich im Rahmen ihrer begleitenden und beratenden Funktion der Problematik annehmen und den Schüler*innen in Kooperation mit Lehrer*innen zu einem gelasseneren und bewussteren Umgang mit den Themen Lernen, Leistung und Stress verhelfen.

Ist die Angst vor Tests und Prüfungen (zu) groß, kann es vorkommen, dass Schüler*innen nicht in der Lage sind, ihr volles Leistungspotential abzurufen; umgekehrt ist es jedoch auch möglich, dass ein kleiner Adrenalinstoß vor der Mathe-Schularbeit dabei hilft, den letzten Rest an Wissen zusammenkratzen und zu Papier bringen zu können. Schulsozialarbeiter*innen unterstützen Schüler*innen in unterschiedlichen Settings dabei, sich unerwünschte und erwünschte Auswirkungen von negativen und positiven Emotionen bewusst zu machen. So können Schüler*innen erkennen, dass es beim Lernen und Leisten unter anderem darauf ankommt, sich selbst wahrzunehmen, zu beobachten, welche Gefühle und Stimmungslagen sie in ihrem Tun beeinflussen und (unbewusst) steuern. Eine sogenannte „chillige“ Stimmung beim Lernen fühlt sich sicherlich angenehm an, kann jedoch verhindern oder zumindest erschweren, dass Lernstoff „hängen“ bleibt. Die (Aus-)Wirkungen von subjektiv negativ oder positiv empfundenen Emotionen auf Lernen und Abrufen von Wissen/Leistung sind folglich nicht immer eindeutig und teilweise sogar paradox. Schulsozialarbeiter*innen können auf das Lernverhalten und den Lernerfolg von Schüler*innen einwirken, indem sie in Beratungen und Workshops bzw. Gruppenangeboten Themen, die Schüler*innen beschäftigen, aufgreifen und den Schüler*innen Zeit und Raum zur Reflexion bieten.

Prüfungsangst und Lernhemmungen sind klassische Themen, mit denen Schulsozialarbeiter*innen im schulischen Alltag häufig konfrontiert werden. Sowohl in Beratungssettings als auch bei Gruppenangeboten bieten Schulsozialarbeiter*innen den Schüler*innen die Gelegenheit, mögliche Gründe für das Aufkommen genannter Emotionen zu erfahren und spielerisch zu lernen, wie man diese regulieren kann. Beispielsweise lernen die Schüler*innen bei der Übung „Befindlichkeitsrunde“, die oft dazu genutzt wird, die Teilnehmer*innen auf einen Workshop einzustimmen, dass Gefühle oft „nur“ erkannt und benannt werden müssen, um über sie „hinwegzukommen“ bzw. besser mit ihnen umgehen zu können.

 

 

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