12
Januar
2021

Prävention von Essstörungen bei Kindern und Jugendlichen

Was kann Schulsozialarbeit anbieten?

In der Prävention von Essstörungen geht es – wie bei jeder Suchtprävention – darum, den Menschen zu stärken und seine Lebenskompetenzen zu fördern. Für die Prävention von Essstörungen im Kinder- und Jugendalter spielen insbesondere Körperwahrnehmung, Gefühlsregulation, Genussfähigkeit und der kritische Umgang mit Medien eine entscheidende Rolle.

Was kann Schulsozialarbeit im Rahmen ihrer Tätigkeit an den Schulen konkret zur Prävention beitragen?

Neben dem Einsatz von Methoden und Übungen zur Stärkung des Selbstwertgefühls und einer positiven Körperwahrnehmung kann Schulsozialarbeit bewusst Aufmerksamkeit auf Veränderungen richten, die sich bei den (einzelnen) Jugendlichen auf verschiedenen Ebenen zeigen. Die Beobachtungen sollten über einen längeren Zeitpunkt stattfinden (ca. 2-3 Wochen) und möglichst gemeinsam mit einer zweiten Person durchgeführt sowie auch dokumentiert werden.

Besondere Beachtung sollte darauf liegen, ob der oder die Schüler*in plötzlich auftretende, nicht mit „normalem“ Jugendverhalten erklärbare Merkmale auf verschiedenen Ebenen zeigt:

  • Körperliche Ebene
    z.B.: Gewichtsverlust, weite Kleidung statt wie bisher figurbetont, ungewöhnliche Blässe…

  • Verhaltensebene
    z.B.: exzessives Kalorienzählen, Beschäftigung mit BMI, überhäufiges Beschäftigen mit dem Thema Essen, wie zum Beispiel Kochen für andere, aber selbst nichts davon essen …

  • Beziehungsebene
    z.B.: Rückzug von Vertrauenspersonen, Abbruch von Lieblingstätigkeiten, exzessiver Sport…

Einige Risikofaktoren, die in die Sucht führen können sind:

  • genetische Disposition

  • erlerntes Verhalten

  • mangelndes Selbstwertgefühl

  • Belastungen, Probleme, Krisen in der aktuellen Situation der Jugendlichen

  • Gesetze, Werte und Normen im Umfeld der Schüler*innen

  • gesellschaftliche Einflüsse durch Familie, Freunde und Schule

In Einzelgesprächen und Gruppenangeboten kann Schulsozialarbeit die Schüler*innen stärken und fördern in…

  • Ihrer Selbstwirksamkeit => „Ich kann mich einbringen und etwas bewirken..“

  • Ihrem Selbstvertrauen => „ Ich habe Vertrauen in meine Talente und Fähigkeiten..“

  • Ihrem Selbstwertgefühl => „Ich bin ein wertvoller Mensch genau so wie ich bin…“

  • Ihrer Frustrationstoleranz => „Irgendwann schaffe ich das…“

  • Ihrem Körperbild und dem Umgang mit Medien => #bodypositivity statt #a4waist und #abcrack

Neben Gesprächen, aktivem Zuhören und Beobachten, können folgende konkrete Methoden und Übungen hilfreich sein:

  • Stärken-Schatzkiste: mittels verschiedener Impulskarten (z.B.: „Wer versteht mich am besten?“, „Damit ich mich wohlfühle, benötige ich…“) können die Kinder und Jugendlichen die eigenen Stärken spielerisch entdecken, wodurch ihr positives Selbstbild gefördert wird.

  • Wahrnehmung und Benennung von Gefühlen (in einem verbildlichten Körper einzeichnen, wo Schmerz, Angst und Unmut zu spüren sind)

  • Ressourcen-Fächer

  • spielerischer Umgang mit verschiedenen Begriffen wie z.B.: „Liebe geht durch den Magen“

  • Genussübungen

  • Workshops zum Thema Körperbild

  • Allem voran steht das Bewusstmachen der eigenen Vorbildfunktion (wie gehe ich selbst als Expert*in mit meinem Körper, mit meinem Essverhalten um?)

In der Arbeit mit Schüler*innen mit problematischem Essverhalten sollten jegliche Kommentare zum Essverhalten und zur Körperbeschaffenheit der Jugendlichen vermieden werden („…du schaust schon viel besser aus, hast endlich wieder ein bisschen was auf den Rippen…“). Diese oft gut gemeinten, und unbewussten Aussagen bewirken zumeist das Gegenteil. Ebenso sollten genaue Darstellungen von Essstörungssymptomatiken vermieden werden.

Neben der Elternarbeit und der Vernetzung mit anderen Helfersystemen stehen Schulsozialarbeit auch verschiedene Präventivprogramme zur Verfügung. Unter anderem:

PEP Body Talk-Bausteine für die Arbeit an einem gesunden Selbstwert-und positiven Körpergefühl
http://pepinfo.ch

BKK Bauchgefühl – Unterrichtsprogramm zur Prävention von Essstörungen
http://www.bkk-bauchgefuehl.de

x-Act Essstörungen
http://www.praevention.at

Info Plattform mit jugendspezifischen Informationen zum Thema Sucht
http://www.feel-ok.at

Dieser Beitrag basiert auf der Zusammenfassung des Seminares
„Essen gut, alles gut!? (Frühe) Prävention von Essstörungen”

Mit freundlicher Genehmigung von:
VIVID – Fachstelle für Suchtprävention
http://www.vivid.at

 

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