18
November
2020

TrauDi!-Kinderrechtepreis

an ISOP Schulsozialarbeit Region Obersteiermark Ost
für ein Projekt an der MS Bruck/Mur

In Zusammenarbeit mit dem Verein „Christina lebt“ konnte das Projekt „Über Mauern schauen – Toleranz und Achtsamkeit, jede*r ist Teil unserer Gesellschaft“ initiiert werden, das im Zuge der Verleihung des TrauDi!-Kinderrechtepreises mit dem ersten Platz belohnt wurde.

Schüler*innen der vierten Klassen konnten im Rahmen von Workshops zu den Themen Achtsamkeit und Toleranz sich selbst mit ihren eigenen Stärken und Schwächen kennen­lernen und mit dem Verein „Christina lebt“ Erfahrungen dazu sammeln, was es bedeutet, in unserer Gesellschaft mit einer Behinderung zu leben. Wie wird damit umgegangen, wie wird einander begegnet, welche Hindernisse kommen auf einen zu? Die Teilnehmer*innen durften selbst mit dem Rollstuhl fahren, lernten die Blindenschrift kennen, kommunizierten mit einer gehörlausen Dame in Gebärdensprache und sollten auch einen behinderten­gerechten Urlaub „buchen“.

Die Idee zu diesem Projekt hatte der Klassenvorstand der 4b-Klasse, die viele Schüler*innen aus unterschiedlichem soziokulturellem Kontext besuchen, insbesondere auch solche mit Migrationshintergrund und sonderpädagogischem Förderbedarf. Aufgrund dieser Unterschiede kam es in der Klasse hin und wieder zu Problemstellungen, denen die Jugendlichen mit manchmal „unschönen“ Verhaltensweisen begegneten. Im Fach Soziales Lernen, das vom Klassenvorstand unterrichtet wird, wurde schon bisher immer wieder auf diese Thematiken eingegangen. Im Rahmen der Workshops mit ISOP Schulsozialarbeit über Achtsamkeit und mit dem Verein „Christina lebt“ wurde versucht, solchen unangebrachten Reaktionen weiter entgegenzuwirken.

Die Vortragende Rosina Schaffernak, selbst behindert, stellte ihre Erfahrungen und ihre Herausforderungen im Alltag vor. Die Schüler*innen erkannten durch verschiedene Übungen – wie selbst mit einem Rollstuhl fahren, sich vorstellen in Gebärdensprache, blind durch einen Parcours gehen, einen behindertengerechten Urlaub „buchen“ – und auch durch Erzäh­lungen über ihre eigenen Erlebnisse sowie Ängste, wie wertvoll jeder Mensch in seiner Eigenart ist und wie wichtig Unterschiede in einer Gesellschaft sind. Sie lernten zudem, wie schwierig der Alltag mit einer Behinderung ist, was man alles bedenken muss und wie Menschen mit Behinderung begegnet wird. In der Folge überdachten sie auch ihr eigenes Verhalten gegenüber anderen.

Im Workshop über Achtsamkeit bekamen die Schüler*innen Einblick in den Umgang mit sich selbst, was ihnen selbst guttut, wie sie ihren Körper spüren, wie sie zu ihrer inneren Ruhe finden. Die Jugendlichen waren umso begeisterter bei der Sache, weil es auch um ihre eigenen Belange ging. Sie konnten erkennen, was sie selbst brauchen und wie sie daher auch mit anderen umgehen sollten. Einige Meinungen und Einstellungen der Jugendlichen haben sich geändert, insbesondere da sie in diesem Rahmen gelernt haben, wertvoller miteinander zu agieren. Dadurch begegnen sie Problemstellungen im Umgang mit anderen nun offener und sorgsamer.

Chancengleichheit war für manche der Schüler*innen geradezu ein Fremdwort und in diesem Projekt konnten sie sich damit näher auseinandersetzen. Sie haben gelernt, was sie selbst dazu beitragen können und welche Auswirkungen es sogar auf sie selbst haben kann, wenn achtsamer und respektvoller Umgang in der Klasse gelebt wird.

 

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