22
September
2020

Erasmus+ Hospitation an der VS Bertha von Suttner

Eine ganze Weile ist vergangen, seit vier Lehrerinnen und eine Schulsozialarbeiterin aus Deutschland und der Schweiz am 5. März 2020 im Rahmen der Erasmus+ Hospitation an die Volksschule Bertha von Suttner kamen. Zusammen mit der Schulsozialarbeiterin und der Projektleitung empfing die Schulleiterin die Gäste und es wurde über die Besonderheiten des Standortes erzählt und diskutiert. Mittlerweile hat ein neues Schuljahr begonnen, aber die Erfahrungen des Besuchs wirken nach und die verschiedenen Erfolgsprojekte, die den Gästen präsentiert wurden, gehen in eine neue Runde.

An der Volksschule Bertha von Suttner bilden Familien auf der Flucht und aus armutsgefährdetem Milieu die Mehrheit. Durch viel Engagement und Einsatz durch alle Beteiligten, allen voran Schulleitung und Lehrer*innen, werden die Kinder bestmöglich unterstützt und ihnen wird Bildung trotz vielfältiger Herausforderungen ermöglicht.

So gibt es etwa die Materialbörse, ein besonderes Projekt an der Volksschule Bertha von Suttner, die den Gästen vorgestellt und mit ihnen besichtigt wurde. Dabei werden Schüler*innen durch die Schulsozialarbeiterin bei der Organisation ihrer benötigten Arbeitsmaterialien unterstützt und ein verantwortungsvoller Umgang mit ihren Schulsachen gelernt. Die Materialbörse ermöglicht vielen Kindern unbürokratisch und mit Wertschätzung für ihre jeweilige Situation die Teilhabe am Unterricht.

Weiters wurde in einer vierten Klasse eine Soziale Lernstunde besucht. An der Volksschule Bertha von Suttner hält die Schulsozialarbeiterin in den dritten und vierten Klassen wöchentlich Soziale Lernstunden ab. Dabei wird zwischen Schulsozialarbeit und Lehrperson die Klasse, die Dynamiken und Besonderheiten im Vorfeld eingeschätzt und besprochen. Gemeinsam wird dann entschieden, welches Thema für die Klasse passend und zielführend wäre.

In einer vierten und einer dritten Klasse wurde in dieser Volksschule im Schuljahr 2019/20 erstmalig eine Workshopreihe mit dem Titel „Superheld*innen-Ausbildung“ durchgeführt. Diese Einheiten wurden von ISOP Schulsozialarbeit konzipiert bzw. kombiniert und schon in der Volksschule Algersdorf durch die Schulsozialarbeiterin durchgeführt. Dabei werden folgende Ziele verfolgt: Die Kinder lernen sich und ihre Mitschüler*innen besser kennen, schärfen ihre Selbst- und Fremdwahrnehmung, erweitern ihre Ressourcen, beschäftigen sich mit ihren Gefühlen, wie sie diese steuern können und wie sie achtsam mit sich selbst und ihren Mitschüler*innen umgehen. Abschluss der Workshop-Reihe bildet die Übergabe der Superheld*innen-Urkunden. In den Einheiten werden immer wieder Übungen, in denen sich die Schüler*innen mit sich selbst auseinandersetzen, mit solchen abgewechselt, in denen der Fokus auf der Klasse und der Gruppe liegt.

Begonnen und abgeschlossen werden diese Einheiten mit Ritualen, die den Kindern mit der Zeit vertraut werden und einen wertvollen Rahmen bilden. Es gibt ein Begrüßungsritual, ein Ritual zum Erfragen der Befindlichkeit und am Abschluss eine „Stille“-Übung. Hauptstück der von den Hospitierenden besuchten Stunde war die Auseinandersetzung mit den Mitschüler*innen und die nonverbale Kommunikation. Die Schüler*innen mussten sich – ohne miteinander zu reden – nach bestimmten Kriterien in einer Reihe aufstellen. Bald wurde sichtbar, dass dies gar nicht so einfach ist und es wurde nach Lösungsmöglichkeiten gesucht. In dieser Klasse wurden drei Schülerinnen aktiv und kümmerten sich nonverbal um jene, die nicht so recht wussten, wo sie hin mussten. Es war für die Hospitierenden sehr spannend, die Schüler*innen und die Dynamik zu beobachten. Wie es den Schüler*innen gegangen ist, wird im Anschluss selbstverständlich besprochen und reflektiert.

Danach wurde das Erlebte im Konferenzzimmer mit den Hospitierenden nachbesprochen und die Zeit verging leider viel zu schnell. Die Gespräche waren für alle Beteiligten sehr interessant, das Kennenlernen der regionalen Unterschiede und Eigenheiten der jeweiligen Standorte führte zu einigen „Aha“-Erlebnissen. Das Konzept der Superheld*innen-Ausbildung wird von den Gästen gerne mitgenommen und an ihren Standorten nach Möglichkeit angewendet.

 

 

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