30
Juni
2020

Hospitation an der NMS Kapfenberg-Stadt

Im Rahmen eines zweijährigen Erasmus+ Projekts, an dem die ISOP-Schulsozialarbeit beteiligt ist, konnten am 5. März 2020 zwei Walddorfpädagoginnen aus Slowenien an der NMS Kapfenberg-Stadt begrüßt werden. Auf dem Programm stand neben der Präsentation der Schule die Möglichkeit, den Berufsalltag von Schulsozialarbeit gezielt zu beobachten.

Nach einer freundlichen Begrüßung fand ein interessanter und ausführlicher Austausch über die verschiedenen Angebote der Schule statt, die sich das Motto „Wir sind der Ort, an dem die Zukunft passiert und jener Ort, an den man sich in der Zukunft erinnert.“ (NMS Kapfenberg-Stadt, o.D.) auf die Fahnen geheftet hat. Ein wichtiges Prinzip der Schule ist dabei die gesunde und bestmögliche Entwicklung jedes einzelnen Kindes.

Nach einer Einführung in die personellen und allgemeinen Gegebenheiten an der NMS Kapfenberg-Stadt, führte Schulsozialarbeit die beiden Pädagoginnen durch den allgemeinen Schulbereich, um ihnen das Schulgebäude mit seinen derzeit 12 Klassen zu zeigen. Begeistert begutachtete die Gruppe die Schule, bevor es im Konferenzzimmer einen gemütlichen Austausch bei Kaffee und Gebäck gab. Es fanden interessante Gespräche über die Unterschiede zwischen den beiden Schulsystemen statt. Während in Slowenien alle Schulstufen an einem Schulstandort zusammengefasst werden, sind in Österreich dem Alter nach getrennte Schulen die Regel. Ein Miteinander von älteren und jüngeren Schüler*innen ist daher bei uns – außer in Ausnahmeschulzentren – kaum gegeben und lässt Gedanken zu Vor- oder Nachteilen derselben im Raum stehen. Grundsätzliche Unterschiede bestehen auch im pädagogischen Konzept der österreichischen Regelschulen und der slowenischen Walddorfschulen.

Danach konnten die Hospitantinnen einen von Schulsozialarbeit durchgeführten Workshop zum Thema Konfliktbewältigung beobachten, der anschließend besprochen wurde. Der inhaltliche Schwerpunkt der Einheit ergab sich dadurch, dass ein Schüler etwas von sich preisgab, mit dem niemand „gerechnet“ hätte. Nach diesem „Input“ des Schülers war es auffällig, so die beiden Beobachterinnen, dass sich auch weitere Schüler*innen zu Wort gemeldet hatten, die davor sehr zurückhaltend gewesen waren. In diesem Zusammenhang wurden gemeinsam die Sichtbarkeit der individuellen Klassendynamik und die verschiedenen Charaktere innerhalb der Klasse analysiert. Von den beiden Pädagoginnen wurde angemerkt, dass Rollenspiele unter den Kindern- und Jugendlichen eine wertvolle Ergänzung zum sozialen Lernen darstellen können und die Schüler*innen dadurch aktiv üben können, wie miteinander umgegangen werden soll. Besonders bei autistischen Schüler*innen stelle das einen großen Wert dar, betonten die Gäste. Eine wichtige Thematik im gemeinsamen Austausch war es auch, den Gegensatz zwischen „schüchternem Mädchen“ und „coolem Buben“ aufzuzeigen, der sich daraus ergeben kann, dass unterschiedliche Charaktere oft andersartige Strategien verwenden, um mit ihren Unsicherheiten umzugehen. Das gemeinsame Erleben des Workshops bestärkte die Hospitantinnen darin, zukünftig womöglich wöchentlich solche abzuhalten, um das soziale Miteinander zu stärken.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass es an uns – den Erwachsenen – liegt, den Kindern und Jugendlichen – sprich der neuen Generation – soziale Werte unmissverständlich zu vermitteln. Diese sind in unserer Gesellschaft höchst notwendig, insbesondere Toleranz, Empathiefähigkeit und vor allem einen Beitrag für ein wertschätzendes Miteinander. Durch die Möglichkeit dieses spannenden Austausches konnten die beiden Lehrerinnen und Schulsozialarbeit in vielerlei Hinsicht gegenseitig voneinander profitieren.

 

Weitere Treffen im Rahmen vom Erasmus+Projekt sind Coronabedingt verschoben worden.

 

 

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