29
April
2020

Vom Schulbetrieb ins Homeoffice

Über die Herausforderung, den Schulsozialarbeitsalltag neu zu erfinden

Im Februar 2020 wurden in Österreich die ersten Covid-19 Fälle registriert und behandelt. Immer mehr Menschen infizierten sich mit dem neuartigen Virus und die Bundesregierung war bald gezwungen verschiedene Maßnahmen zu setzen, um die Ausbreitung zu verlangsamen und um das Gesundheitssystem so gut es geht zu entlasten.

Eine der ersten Maßnahmen war die Schließung von Universitäten und auch Schulen bzw Kindergärten. Die Universitäten wurden auf Online-Lehre umgestellt und die Schule sollten Betreuungsfunktionen übernehmen für Kinder deren Eltern in systemerhaltenden Berufen tätig waren.

Mit 16. März 2020 beschloss die Bundesregierung, dass die Schulen geschlossen werden. Das bedeutete auch für uns Schulsozialarbeiter*innen den Wechsel vom täglichen Schulbetrieb ins dauerhafte Homeoffice. Bei uns gab es einzelne Homeoffice-Tage ja schon immer, und die wissen wir sehr zu schätzen. Aber Tag für Tag von zu Hause zu arbeiten, war auch für uns – wie für viele – gar nicht so einfach. Als Schulsozialarbeiter*in ist man viel in der Schule unterwegs, holt Kinder aus Klassen, führt Beratungen, ist im regen Austausch mit Lehrer*innen, Schulleiter*innen und allen, die in der Schule arbeiten und lernen. Der persönliche Kontakt spielt dabei eine große Rolle, denn hier wird Beziehungsarbeit geleistet, die die essentielle Basis für jede*n Schulsozialarbeiter*in ist.

Und was auch fehlte war eine Struktur. Es gibt ja viele unterschiedliche Arten von Menschen. Einige lieben das freie Arbeiten, die flexible Zeiteinteilung und die Verbindung von Privat- und Berufsleben. Andere, so wie ich auch, haben damit Schwierigkeiten.

Vor Corona läutete mein Wecker jeden Tag um 6:30 Uhr und nach meiner Morgenroutine kam der Spaziergang in die Arbeit. Zwischen 8:00 Uhr und 8:30 Uhr war ich dann auch schon in der Schule und begann, zu arbeiten. Mit Kindern, Jugendlichen, Lehrer*Innen, der Schulleitung in Austausch sein, Beziehungsarbeit leisten, Beratungen durchführen. Workshops planen und durchführen, Soziale Lernstunden abhalten, Mails schreiben, beantworten, abschicken, oft drei verschiedene Sachen gleichzeitig machen und denken und dann auch noch telefonieren. Ein ganz normaler Tag. Aber das fehlte auf einmal. Homeoffice bedeutet „von zu Hause aus arbeiten“. Aber wie funktioniert das? Wie viele andere auch mussten wir das erst lernen; uns selbst organisieren, überlegen wie wir am besten vorgehen, um weiterhin qualitativ hochwertige Arbeit leisten zu können. Dank Sozialen Netzwerken und der Verbundenheit untereinander ist das aber gar nicht mehr so schwierig. Facebook, Instagram, Signa, Sms, Zoom, Microsoft Teams, Jitisi und Discord wurden zu unseren neuen „Helferleins“, um auch weiterhin eine Verbindung zu haben.

Die Kreativität des gesamten Teams von Schulsozialarbeit wurde geweckt und daraus entstanden tolle Ideen und Möglichkeiten, um mit den Kindern- und Jugendlichen in Kontakt zu treten. Auch regelmäßige Vernetzungen mit der Schule und den Kolleg*innen halfen mehr Struktur in den Alltag zu bekommen.

Wichtig für mich war es aber, einen Zeitplan zu erstellen und mich zu bemühen, diesen auch einzuhalten, sowie jeden Morgen mit dem Weckerläuten aufzustehen und meinen täglichen Routinen nachzugehen. Struktur bietet Sicherheit und Regelmäßigkeiten, an die man sich auch in Zeiten wie diesen, in denen „physical distancing“ notwendig ist, halten kann. Ich habe mir also meine To-dos genau eingeteilt, und der Plan funktioniert meistens recht gut – auch wenn der Wecker jetzt manchmal etwas später läuten darf.

 

 

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